05.04.2018

Neues Papstschreiben zum Thema Heiligkeit erwartet Nicht nur Superchristen sind berufen

Am kommenden Montag wird ein neues Papstschreiben veröffentlicht. Das Thema: Heiligkeit. Der genaue Inhalt ist noch unbekannt. Möglich, dass Franziskus Heilige von Wolke Sieben auf die Erde holt.

Ende Februar deutete der Sekretär des Kardinalsrates, Bischof Marcello Semeraro, ein neues Papstschreiben an. Wenige Tage später bestätigte Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, Sprecher des K9-Rates und Vertrauter des Papstes, der Papst bereite "ein wunderbares Dokument über Heiligkeit vor. Wir alle sind zur Heiligkeit berufen".

Das könnte dann schon die Hauptaussage des Schreibens sein, das am Montag erscheinen wird. Es werde eine "Exhortation" wie "Evangelii gaudium" und "Amoris laetitia", aber wohl nicht so lang wie diese, mutmaßt Andrea Tornielli vom Webportal "Vatican Insider".

Unterschiedlicher Gebrauch der Wörter

Franziskus wollte das Dokument am 19. März unterschreiben, dem fünften Jahrestag seiner Amtseinführung. Danach folgten die Übersetzungen in verschiedene Sprachen. Die Entstehung eines solchen Schreibens ist komplex. Vor allem der jetzige Papst lässt sich dafür auch von außerhalb des Vatikan zuarbeiten, gibt Anregungen und Entwürfe in die Glaubenskongregation und andere Kurienbehörden. Was er aufgreift und was nicht, liegt bei ihm.

Das Problem mit Heiligen und Heiligkeit ist der unterschiedliche Gebrauch dieser Wörter. Oft denkt man an historische Persönlichkeiten wie Franz von Assisi und Katharina von Siena oder aktuelle wie Johannes Paul II. und Mutter Teresa. Sie ragen heraus aus der Menge normalsterblicher Christen. Da werden Heilige leicht mit Superchristen verwechselt. Zu einem solchen aber will sich niemand aufschwingen - weil man nicht eingebildet erscheinen oder sich nicht überfordern will.

Dabei geht es bei Heiligkeit nicht um Leistung, sondern um die Freundschaft und um das Bekenntnis zu Gott. Das schwingt beim Apostel Paulus mit, wenn er grundsätzlich jeden Christen als Heiligen anspricht: "An alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen", beginnt er seinen Römerbrief.

Heiligkeit ist kein Privileg

"Heilig zu sein ist kein Privileg für wenige", sagte Papst Franziskus zu Allerheiligen 2013; "wir alle haben mit der Taufe das Erbe, heilig werden zu können." Auch könne man Heiligkeit weder kaufen noch verschenken, so Franziskus in einer seiner Morgepredigten. Vielmehr sei sie ein Weg der Nachfolge Jesu - und den müsse jeder selbst gehen. Dazu müsse man nur auf Jesus Christus schauen, fordert der Papst immer wieder: "Er lehrt uns, heilig zu werden."

Zu Heiligkeit gehörten vor allem Freude und die Bereitschaft, sich selbst klein zu machen und um Vergebung zu bitten. Wenn Franziskus zu Heiligkeit ermahnt, könnte das auch ein Aufruf zu mehr christlicher Lebensfreude sein - einer Freude, die sich aus Gott speist und dem Nächsten zufließt.

Wollte man solche Heiligkeit in Form eines Heiligenbildchens nachzeichnen, so zeigte dies jemanden, der den Blick zum Himmel - sprich: auf Jesus Christus - gerichtet hat; und der, statt andächtig manikürte Hände zu falten, kräftig zupackt und sich auch schmutzig macht, um einem Menschen am Boden unter die Arme zu greifen. Das Manko eines solchen Bildes: Ebenso fordert Franziskus zum Gebet auf - auch mit gefalteten Händen.

Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils

"Wir dürfen nicht meinen, dass es leichter sei, Verbrecher zu sein als Heilige. Nein. Man kann heilig sein, weil der Herr uns hilft", so Franziskus bei einer Generalaudienz im Juni 2017. Gottes ersten Anstoß und Hilfe dazu nennt die Kirche Gnade. Sie gilt allen, die glauben. Daher hängt Heiligkeit auch von keiner Weihe ab.

Priesterliche Vollmacht gehöre auf die "Ebene der Funktion und nicht (...) der Würde und der Heiligkeit", zitiert Franziskus in "Evangelii gaudium" (EG 104) seinen Vorvorgänger Johannes Paul II.

Grundlage für beide sind die Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), vor allem in der sogenannten Kirchenkonstitution "Lumen Gentium" (LG). "Alle Christgläubigen sind in allen Verhältnissen und in jedem Stand je auf ihrem Wege vom Herrn berufen zu der Vollkommenheit in Heiligkeit." Diese Aussage auf Franziskus' Art markant ausgeführt - das dürfte den Leser im nächsten Papstschreiben erwarten.

Roland Juchem
(KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Das neue Bischofsquartett

Endlich: Die aktualisierte neue Auflage des Bestsellers ist da! Ab sofort ist das neue Bischofsquartett bestellbar.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 19.06.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Trump Again? Was US-Wähler bei einer zweiten Amtszeit erwarten
  • Fußball und Glaube - Christlicher BVB-Fanverein auf dem Kirchentag
  • DOMRADIO-Blickpunkt - Ist die Eucharistie noch ein richtiges Mahl?
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Taufpaten und ihre Verantwortung
  • Fronleichnam im domradio - Vorschau
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Taufpaten und ihre Verantwortung
  • Fronleichnam im domradio - Vorschau
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Auftakt: Evangelischer Kirchentag in Dortmund
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Auftakt: Evangelischer Kirchentag in Dortmund
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • DOMRADIO-Blickpunkt - Ist die Eucharistie noch ein richtiges Mahl?
  • Trump Again? Was US-Wähler bei einer zweiten Amtszeit erwarten
  • Taufpaten und ihre Verantwortung
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff