Pater Pio: Um den Volksheiligen wird in Italien ein regelrechter Kult betrieben - Nicht immer frei von Kitsch
Pater Pio: Um den Volksheiligen wird in Italien ein regelrechter Kult betrieben - Nicht immer frei von Kitsch
Der Leicham von Pater Pio
Der Leichnam von Pater Pio
Franziskus bei dem Pilgertreffen zu Ehren von Pater Pio
Franziskus bei dem Pilgertreffen zu Ehren von Pater Pio

17.03.2018

Papst besucht Italiens Volksheiligen Pater Pio Seelsorger, Wunderheiliger und Popstar

An diesem Samstag besucht Papst Franziskus Geburtsort und Grab von Pater Pio, dem italienischsten aller Heiligen. In Italien allgegenwärtig und beliebt, löst der Kapuziner im nördlichen Europa eher Stirnrunzeln aus.

Wenn Papst Franziskus an diesem Samstag den Geburtsort und San Giovanni Rotondo, die Wirkungsstätte des italienischen Volksheiligen Pater Pio, besucht, ist das eine Reverenz an Italiens Katholiken sowie an die von ihm geschätzte Volksfrömmigkeit. Sie ist in Süditalien noch einmal stärker und für nördliche Mentalitäten noch fremdartiger ausgeprägt als im Norden des Landes.

Pater Pio, am 25. Mai 1887 als Francesco Forgione im apulischen Städtchen Pietrelcina geboren, ist Italiens beliebtester Heiliger. Beliebter - zumindest bildlich präsenter - als der Nationalheilige Franz von Assisi, als Antonius von Padua oder Katharina von Siena.

Der italienischste aller Heiligen

Doch während die drei Letztgenannten auch im übrigen Europa, teils weltweit, hoch angesehen sind, bleibt "Padre Pio" der italienischste aller Heiligen. Überall ist das Bildnis des grauhaarig bärtigen Kapuzinermönches zu sehen: in Bars, Tankstellen - dort auch schon mal neben Kalendern leicht bekleideter Damen -, in Wohnzimmern, an Autoscheiben und Armaturenbrettern. Natürlich sind auch in Kirchen massenhaft Kunstharzfiguren des Kapuzinermönchs zu finden. Die Bildnisse des 1999 Selig- und 2002 Heiliggesprochenen sind Ikonen wie andernorts Popstars.

Als sein Sarg von April 2008 bis September 2009 mit dem einbalsamierten Leichnam erstmals in der riesigen neuen Wallfahrtskirche von Star-Architekt Renzo Piano zu besichtigen war, verwandelten 8,6 Millionen Menschen San Giovanni Rotondo in einen der meistbesuchten Wallfahrtsorte der Welt.

Was macht Pio so beliebt? Für ältere Italiener ist Pater Pio noch Zeitgenosse und keine Gestalt des fernen Mittelalters wie Franz von Assisi. Und die Jüngeren kennen ihn als Heiligen des Medienzeitalters. Neben den ungezählten Fotos erzählen Radiomitschnitte und Fernsehaufnahmen seine Heiligenvita, mit "Padre Pio TV" gibt es einen eigenen Fernsehsender. Den betreiben Mitglieder des Kapuzinerordens, dem Pater Pio angehörte.

Mann tiefer Frömmigkeit und Einfachheit

Er war ein Mann tiefer Frömmigkeit und Einfachheit; in einer Gesellschaft mit Hang zur "bella figura" fällt das auf. Zudem muss Pater Pio - ähnlich dem französischen Priester Jean-Marie Vianney (1786-1859), dem Pfarrer von Ars - ein außergewöhnlicher Beichtvater gewesen sein. Er habe vom "Morgen bis zum Abend" die Beichte gehört, sagte Papst Paul VI. einmal. Hunderttausenden hat er Trost, Zuversicht und Hoffnung geschenkt. Zudem hatte Pater Pio offenbar die Gabe, ausweichend Beichtenden ihre nicht klar ausgesprochenen Sünden auf den Kopf zuzusagen. Das hinterlässt bleibenden Eindruck.

Pater Pios Beliebtheit und Aura beruhen aber auch auf den mysteriösen fünf Wundmalen Christi, die er am 20. September 1918 in Ekstase empfangen haben soll. Angeblich waren sie stets offen und blutig, weswegen er an den Händen Stulpen trug, damit die Leute nicht darauf starrten. Andererseits gibt es bis heute Stimmen, die sagen, der Pater habe mit Chemikalien nachgeholfen. Ihre immerwährende Frische verdankten die Wundmale der örtlichen Apotheke.

Der Vatikan kam in den 1930er Jahren zu dem Untersuchungsergebnis, die Wundmale seien ein Fall von Autosuggestion. In der offiziellen Biografie, die zu seiner Heiligsprechung im Jahr 2002 veröffentlicht wurde, werden die Stigmata nicht ausdrücklich erwähnt.

Wunderheiliger aus San Giovanni Rotondo

Überhaupt blieben die Kirchenoberen in Rom dem Volksheiligen aus dem Süden gegenüber lange sehr reserviert. Johannes XXIII. soll gesagt haben, der Ordensmann richte eine "enorme Verwüstung der Seelen" an. Aber Angelo Roncalli stammte auch aus dem Norden. Schon in den 1930er und noch einmal den 1960er Jahren wurde Pater Pio gemaßregelt. Er sollte seine Auftritte, zu denen Tausende kamen, einschränken. Seiner Popularität tat das keinen Abbruch - im Gegenteil.

Johannes Paul II., der ihn selig- und heiligsprach, verehrte den Kapuziner. Als junger Priester schon hatte Karol Wojtyla Padre Pio besucht, seine Predigten gehört und selbst bei ihm gebeichtet. Und es heißt, der Wunderheilige aus San Giovanni Rotondo habe dem polnischen Priester damals prophezeit, er werde einmal Papst werden.

Roland Juchem
(KNA)

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