Österreichs Bundeskanzler bei Papst Franziskus

Europa und die Migration

Zu Besuch beim Papst: Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz ist von Franziskus in Privataudienz empfangen worden. Bei dem Treffen ging es um Europa und die Migrations-Herausforderungen der EU - und eine Einladung nach Salzburg.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (l.) und Papst Franziskus / © Stefano Spaziani (KNA)
Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (l.) und Papst Franziskus / © Stefano Spaziani ( KNA )

Anschließend traf Kurz auch mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und mit dem vatikanischen Untersekretär für Außenbeziehungen Antoine Camilleri zusammen. Im Mittelpunkt standen nach Vatikanangaben der Schutz von Leben und Familie sowie die Förderung des Gemeinwohls.

Herzliche Begegnung

Eine Pressemitteilung des Heiligen Stuhls bezeichnete das Klima der Gespräche als herzlich. In den Unterredungen seien die guten bilateralen Beziehungen und die "fruchtbare Zusammenarbeit" zwischen dem Heiligen Stuhl und Österreich hervorgehoben worden. Ein Thema in den Begegnungen war den Angaben zufolge auch die Rolle Österreichs in der EU. Die Vatikanmitteilung sprach von einer "Notwendigkeit der Solidarität zwischen den Völkern".

Kurz sagte nach dem Treffen, er habe mit dem Papst ausführlich über Europa und die Herausforderungen der EU gesprochen. Dabei sei es etwa darum gegangen, wie sich die Mitglieder besser abstimmen und Entscheidungen treffen könnten.

Er habe zudem das Thema Migration angesprochen und sei überrascht gewesen, wie deutlich Franziskus seine Position bestätigt habe, dass Regierungen bei der Aufnahme von Flüchtlingen auf die Integrationsfähigkeit ihrer Länder achten müssten. Einig sei er sich mit dem Papst auch darin, dass die Lebensbedingungen für Menschen in den Herkunftsländern verbessert werden müssten, so Kurz.

Weitere Themen seien die Krisen in der Ukraine und Syrien sowie der gemeinsame Einsatz Österreichs und des Heiligen Stuhls für Religionsfreiheit und nukleare Abrüstung gewesen.

Zum bisherigen Ergebnis der italienischen Parlamentswahlen äußerte sich Kurz zurückhaltend. Er respektiere die Entscheidung der italienischen Bevölkerung und wünsche sich "eine gute Beziehung zu einem unserer größten Nachbarn". Das Land habe großen Reformbedarf, etwa beim Kampf gegen die Staatsverschuldung. Zudem "wünschen wir uns natürlich eine proeuropäische Regierung in Rom", so Kurz.

Einladung nach Salzburg ausgesprochen

Anlässlich des 200-jährigen Bestehens des Weihnachtsliedes "Stille Nacht" im kommenden Dezember lud der mitgereiste Landeshauptmann von Salzburg, Wilfried Haslauer, den Papst nach Salzburg ein. Das Lied, in dem es um eine zentrale christliche Botschaft gehe, werde jedes Jahr von rund 2,4 Milliarden Menschen gesungen. Ob der Papst die Einladung annehmen werde, sei ungewiss, hieß es.

Papst Franziskus schenkte dem Bundeskanzler die Medaille eines Friedensengels sowie seine drei programmatischen Schreiben "Evangelii gaudium", "Laudato si" sowie "Amoris laetitia".

Kurz' Audienz beim Papst war der erste offizielle Besuch des Wiener Regierungschefs beim katholischen Kirchenoberhaupt. Im April 2015 war er, damals noch als Außenminister, nach der Generalaudienz auf dem Petersplatz von Franziskus begrüßt worden. Im November hatte Bundespräsident Alexander van der Bellen dem Papst einen Besuch abgestattet.


Quelle:
KNA
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