Papst Franziskus in Chile
Papst Franziskus in Chile

25.01.2018

Papstreise nach Chile und Peru hat Spuren hinterlassen Scharfe Worte gegen den Papst

Erstmals bekommt das Kirchenoberhaupt massiv Gegenwind auf seinem Heimatkontinent. In Argentinien ist gar von der schlechtesten Papstreise seit Beginn des Pontifikats die Rede.

Es waren Fernsehteams gekommen und Foto-Reporter: Sie allen wollten wissen, wie sich Chiles inzwischen wohl bekanntester Bischof bei seinem ersten öffentlichen Auftritt "danach" schlägt. Zum Fest des heiligen Sebastian in Purranque waren rund 15.000 Gläubige gekommen, darunter auch Juan Barros aus dem Bistum Osorno. Barros, dem Missbrauchsopfer in Chile vorwerfen, einen übergriffigen katholischen Geistlichen gedeckt zu haben, hatte zuvor öffentlich Rückendeckung von Papst Franziskus erhalten. Er halte ihn für unschuldig, erklärte der Papst, denn es gebe keine Beweise gegen Barros - und sprach gar von "Verleumdung".

"Unglückliche Wortwahl"

In Chile hat das zum Teil empörte Reaktionen vorgerufen. Noch mehrere Tage nach der Abreise war der Umgang des Papstes mit Bischof Barros das beherrschende Medienthema. Auch der Papst selbst reagierte auf die Kritik und entschuldigte sich bei seiner "fliegenden Pressekonferenz" für seine "unglückliche" Wortwahl. Der Bischof aber bleibe im Amt - wegen fehlender Beweise. Für Frieden im Land hat die päpstliche Entschuldigung freilich nicht gesorgt. Nach wie vor bestimmt der "Fall Barros" die Schlagzeilen.

Laien-Organisationen kritisieren auch nach der Rückkehr des Papstes dessen Worte scharf. "Der Papst ist unmenschlich", sagte der Sprecher der Laien-Organisation von Osorno, Juan Carlos Claret, der Tageszeitung "La Tercera". Er wisse, was die Menschen in der Diözese wegen Barros durchmachen mussten und belasse ihn dennoch im Amt. Das sei absolut unverantwortlich. Auch widersprach Claret der Papst-Aussage bezüglich der Beweise. "Alle Beweise liegen vor."

Schwache Teilnehmerzahlen oder Volksfest?

Nicht nur in Chile scheint die Stimmung zu kippen. Auch in Argentinien äußern sich Medien zunehmend kritisch über Papst Franziskus. Vor allem Tageszeitungen aus dem bürgerlich-konservativen Lager spotteten über die teils schwachen Teilnehmerzahlen bei den Papstmessen in Chile und bewerteten die Reise insgesamt als die schlechteste in seinem bisherigen Pontifikat. Das wiederum rief die argentinische Bischofskonferenz auf den Plan.

Deren neuer Vorsitzender, Bischof Oscar Vicente Ojea Quintana, sagte dem linksgerichteten Blatt "Pagina 12", die Reise als "Reinfall" zu bezeichnen, sei eine absolute Lüge. "Ich habe alles selbst miterlebt", betonte Ojea Quintana. "Der Aufenthalt des Papstes war positiv, ein wahrhaftiges Fest, ein Volksfest."

"Angst vor Papst Franziskus"

Hinter der kritischen Berichterstattung vermutet der Bischof ein gezieltes Vorgehen: "Mein Eindruck ist, es existiert eine Entscheidung, die Botschaft des Papstes zu verdrängen." Als Motiv für die Kritik sieht Ojea Quintana die Furcht vor dem Einfluss des Papstes: "Vor diesem Papst haben sie Angst, Angst vor seiner Führungsrolle, vor seiner Fähigkeit, die Leute hinter seinen Ideen und seiner Person zu versammeln."

Die Rollenverteilung in der argentinischen Medienlandschaft hat sich damit fünf Jahre nach der Papstwahl um 180 Grad gedreht: War es zunächst die Zeitung "Pagina 12", die den Papst in die Nähe der argentinischen Militärdiktatur stellen wollte, während die konservativen Blätter "La Nacion" und "Clarin" Franziskus gegen die, wie sich später herausstellen sollte, falschen Vorwürfe verteidigten, ist die Situation nun genau umgekehrt: "Pagina 12" stellt sich hinter den Papst, und die konservative Presse schaltet auf Angriff.

Angriff von Human Rights Watch

Zu Wochenbeginn legte dann auch noch die Menschenrechts-Organisation Human Rights Watch (HRW) nach. Jose Miguel Vivanco, Lateinamerika-Direktor von HRW, kommentierte die am Montag zu Ende gegangene Reise im Kurznachrichtendienst Twitter bissig: "Papst Franziskus hat ein bemerkenswertes Engagement für die Menschenrechte während seiner Lateinamerika-Reise gezeigt: 1. Er hat sich nicht mit den Opfern des Fujimorismo getroffen, die darum gebeten hatten. 2. Er hat das Regime in Venezuela nicht öffentlich verurteilt. 3. Er hat sich hinter einen Bischof gestellt, der der Vertuschung von Kindesmissbrauch beschuldigt wird. Beeindruckend!" Mit so viel Kritik im Gepäck ist der Papst bislang noch von keiner Reise zurückgekehrt.

Tobias Käufer
(KNA)

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