Kardinal Gerhard Ludwig Müller
Kardinal Gerhard Ludwig Müller
Kardinal Gerhard Ludwig Müller und Papst Franziskus
Kardinal Gerhard Ludwig Müller und Papst Franziskus

05.12.2017

Kardinal Müller äußert sich in deutschem Politmagazin Kritik an Papst und Amoris laetitia

Es war eine der Meldungen des Jahres aus dem Vatikan. Im Sommer trennte sich der Papst vom Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Dieser spricht jetzt Klartext. 

Ein knappes halbes Jahr ist nun ins Land gezogen, seitdem der Papst Kardinal Gerhard Ludwig Müller seines Postens als Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation enthoben hat. Das ARD-Politmagazin "report München" beschäftigt sich mit den Entwicklungen im Vatikan und stellt die Frage: Knirscht es im Vatikan? Dazu haben die Journalisten auch mit Kardinal Müller geprochen.

Aus seiner Sicht gab es für das Ende seiner Amtszeit als Präfekt der Vatikanischen Glaubenskongregation weder Anzeichen noch Gründe. "Ich denke, dass da bestimmte Kräfte im Hintergrund gewirkt haben, die meinten, das sei besser für die Kirche, wenn jemand aus einer anderen Richtung kommt", sagte Müller. Erstaunlicherweise sei aber der Nachfolger von der gleichen Wellenlänge: "Insofern ist das schwer verständlich."

Benedikt XVI. holte 2012 den damaligen Regensburger Diözesanbischof Müller nach Rom an die Spitze der Glaubenskongregation. Papst Franziskus erhob den Dogmatiker 2014 zum Kardinal, verlängerte aber nach fünf Jahren im Juni 2017 dessen Amtszeit nicht mehr. Nachfolger von Müller wurde sein früherer Sekretär, der spanische Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer.

Die Nicht-Verlängerung seiner Amtszeit

Den Vorgang der Nicht-Verlängerung seiner Amtszeit nannte der Kardinal insgesamt "sehr ungewöhnlich". Schließlich komme man nicht wie ein Student mit einem Koffer daher: "Das ist verbunden mit großen Aufwendungen, ein neuer Hausstand in einem neuen Land." Dies alles sei sehr aufwendig, auch finanziell. Papst Benedikt XVI., so Müller, habe mit seiner Berufung bestimmte Vorstellungen verbunden. Gerade deshalb sei für ihn nicht nachvollziehbar, warum dessen Nachfolger so entschieden habe: "Viele Kardinäle und Bischöfe aus der ganzen Welt haben mir gesagt, dass sie dies nicht verstehen."

Im Laufe der Jahre habe ihm aber Franziskus öfter gesagt, "dass einige Leute vorstellig geworden sind und Dinge von mir berichtet haben, die den Tatsachen nicht entsprechen", erzählte der Kardinal weiter. Auch publizistisch sei immer wieder behauptet worden, dass er dem Papst oder den Vorstellungen von Papst und Kirche im Weg stehe. Das sei die einzige Erklärung, die sich finden lasse: "Aber viele sind der Überzeugung, dass diese Kräfte im Hintergrund der Kirche keinen guten Dienst erwiesen haben."

Kardinal Müller: Theologische Schwächen bei "Amoris laetitia"

Zudem übt der Kardinal scharfe Kritik am Papstschreiben "Amoris laetitia". Darin sieht er theologische Schwächen. "Wenn man auf die Glaubenskongregation gehört hätte, hätte man das Ziel besser erreicht und wäre besser gegen Einwände gewappnet gewesen", sagte Müller "report München". 

Konkret geht es in Müllers Aussagen um die Passage des Schreibens, nach der wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen unter bestimmten Umständen zu Beichte und Eucharistie zugelassen werden können. Diese Stelle bringe ein berechtigtes Anliegen zum Ausdruck, räumte Müller ein. So etwas in einer Fußnote zu verpacken, sei angesichts des Gewichts dieser Thematik jedoch nicht genügend.

"Das hätte theologisch besser durchgearbeitet sein müssen", so Müller

Ein Bußsakrament bedeute nicht, dass eine Absolution erteilt und alles wieder gut und schön werde, erläuterte der Kardinal weiter. Es setze Bekehrung, einen neuen Anfang und den Willen, nach Gottes Geboten zu leben, voraus. Das hätte theologisch besser durchgearbeitet sein müssen, kritisierte der Dogmatiker. Deshalb wäre es besser gewesen, die Endredaktion hätte bei der Glaubenskongregation gelegen.

Gerade erst war bekanntgeworden, dass der Papst einen Kommentar argentinischer Bischöfe zu dieser Fußnote sowie seine eigene zustimmende Antwort darauf in den vatikanischen Akten veröffentlichen und ausdrücklich als "authentisches Lehramt" definieren will. Beide Dokumente beschreiben Voraussetzungen, Einstellungen, Anliegen und mögliche Vorgehensweisen für Seelsorger, die Ehepaare in komplexen, schwierigen Lebensphasen begleiten - also eher Seelsorge als Dogmatik.

Müller rief dazu auf, aus der Kirchengeschichte zu lernen. Als Beispiel verwies er darauf, mit welcher "Inkompetenz" der Fall Martin Luther damals angegangen worden sei und wie viele Menschen dazu beigetragen hätten, dass es zur "Katastrophe der Kirchenspaltung" gekommen sei. Natürlich sei immer alles einmalig. "Aber vielleicht kann man ein paar Lehren daraus ziehen, wie man es nicht hätte machen sollen und wie man es heute nicht machen sollte."

Kardinal Müller: Auf Papst hören und nicht "Sensationen" suchen

Der Kardinal appellierte daran, die zentralen Glaubensbotschaften des Papstes im eigenen Leben umzusetzen, statt vermeintliche Sensationen zu suchen. Man frage sich zum Beispiel, warum es etwas Sensationelles sein solle, dass Franziskus Fußwaschungen durchführe. Das mache schließlich jeder Bischof. Auch sollte man sich nicht mit sekundären Aufmerksamkeitselementen beschäftigen und den Papst populär machen mit "schwarzen Schuhen und Santa Marta".

Müller spielte damit darauf an, dass immer wieder betont werde, dass der Papst anstelle roter Papstschuhe weiter schwarze Straßenschuhe trägt und dass er weiterhin im Gästehaus Santa Marta wohnt und nicht im Apostolischen Palast wie seine Vorgänger.

Angesichts der in vielen Medien wahrzunehmenden Begeisterung wäre es viel wichtiger, "dass sich die Menschen mit dem Glauben an Christus beschäftigen", sagte Müller. Seiner Ansicht nach ist es eine "Aggression" dem Papst gegenüber, ihn zum Popstar zu erklären. Er werde damit in eine Rolle gedrängt, für die er gar nicht bestimmt sei. Was die Rolle des Papstes sei, werde aber immer noch von Christus bestimmt und nicht von den Medien und ihren Konsumenten.

Kardinal Müller: In Argentinien gibt es antirömische Stimmung

Aus dem Herkunftsland von Franziskus gibt es dagegen - nach Ansicht von Kardinal Gerhard Ludwig Müller - eine gewisse antirömische Stimmung. Dort bestünden Vorurteile gegen die zentrale Kirchenverwaltung im Vatikan, die Kurie, die nur teilweise berechtigt seien, sagte Müller. So meinten manche, im Vatikan müsse "mal aufgeräumt" werden: "Doch wenn man sonst sagt, dass man den Einzelnen betrachten müsse, darf man die Mitarbeiter nicht unter dem Gesichtspunkt allgemeiner Vorurteile und Stereotype betrachten."

Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation verwies darauf, dass dort zum Beispiel die Vorarbeit von wissenschaftlichen Mitarbeitern geleistet werde. Diese seien zu betrachten unter dem Gesichtspunkt ihrer fachlichen Kompetenz. Zudem müssten sie den Geist haben, selbstlos dem Papst und der römischen Kirche zu dienen "und als Priester vorbildlich sein". Wenn diese Kriterien beachtet würden, lasse sich auch eine gute Arbeitsatmosphäre herstellen.

Respekt vor den Mitarbeitern

Der Respekt vor den Mitarbeitern sei sehr wichtig, betonte der Kardinal. Diese könne man nicht behandeln wie "Schüler eines Internats". Es müsse ein brüderliches Verhältnis von der einen zur anderen Ebene sein. Doch wie überall gebe es eben Typen, die nach dem Motto "Herr Lehrer, ich weiß was" andere verpetzten und meinten, dem Direktor damit einen guten Dienst zu leisten, sagte Müller.

Kurz vor seiner Enthebung hatte der Kardinal in einem Interview kritisiert, Franziskus habe drei Mitarbeiter der Kongregation gegen Müllers Willen entlassen.

(KNA)

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