Papst Franzikus und Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi
Papst Franzikus und Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi
Journalist und Publizist Andreas Lorenz
Journalist und Publizist Andreas Lorenz
Papst Franzikus trifft Aung San Suu Kyi in Myanmar
Papst Franzikus trifft Aung San Suu Kyi in Myanmar
Umjubelter Papst in Myanmar
Umjubelter Papst in Myanmar

29.11.2017

Journalist übt Kritik an Myanmars De-facto-Regierungschefin "Aung San Suu Kyi fast machtlos im Land"

Papst Franzikus hat in Myanmar zur "Achtung jeder Volksgruppe" aufgerufen. Nach einem Treffen mit De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi sagte der Papst, eine friedliche Zukunft müsse auf diesem Grundsatz aufgebaut werden. 

domradio.de: Sie waren jahrelang Asien-Korrespondent für den "SPIEGEL" und haben auch eine Biographie über Aung San Suu Kyi veröffentlicht. Was ist sie für eine Regierungschefin?

Andreas Lorenz (Journalist und Publizist): Sie ist eine schwache Regierungschefin. Vielleicht ist auch das Wort Regierungschefin gar nicht richtig. Denn sie hat keine Macht über wichtige Bereiche des Landes.  Als sie mit ihrer Partei NLD gewählt worden ist, war klar, dass sie Bedingungen des Militärs erfüllen musste. Und diese Bedingungen lauteten, sie hat nichts zu sagen in der Verteidigungspolitik, in der Innenpolitik und in den Fragen der Grenze. Das heißt, drei wichtige Ministerien, drei wichtige politische Bereiche sind nach wie vor dem Militär vorbehalten. Da kann sie überhaupt nicht mitreden. Und die zweite Einschränkung ist, auch im Parlament sind nach wie vor 25 Prozent aller Parlamentarier Militärs. Also auch dort ist ihre Handlungsfähigkeit beschränkt.

domradio.de: Sie wurde vom Volk gewählt. Wie ist denn ihr Ansehen im Land?

Lorenz: Sie ist mit überwiegender Mehrheit gewählt worden bei den ersten halbwegs demokratischen Wahlen seit langer Zeit. Die Birmanen verehren sie nach wie vor als Ikone der Freiheit, aber vor allen Dingen auch als Zeichen der Hoffnung, dass nun die wirtschaftliche und politische Lage in Myanmar endlich besser wird. Sie verbinden eine unglaublich starke Hoffnung mit Aung Sun Suu Kyi.

domradio.de: Wie konnte sie denn dann so in die Kritik geraten? Sie ist seit 1991 Friedensnobelpreisträgerin. Aber jetzt hört man immer wieder mit ihrem Namen den Zusatz, sie stehe international in der Kritik. Wie kommt das? 

Lorenz: Sie hat etwas gemacht, was westliche und internationale Menschenrechtler nicht verstehen. Sie hat nicht eindeutig Partei für die Rohingya ergriffen. Das ist eine Bevölkerungsgruppe bestehend aus Muslimen, die im Westen des Landes leben und die von der buddhistischen Mehrheit im Land nicht sehr geachtet wird. Sie werden als Eindringlinge bezeichnet und schon das Benutzen des Wortes Rohingya wird unter den buddhistischen Birmanen als negativ angesehen. Sie nennen diese Bevölkerungsgruppe Bengalis. Damit drücken sie aus, das sind nicht unsere Leute, das sind Gäste, die von Bangladesch rüber gekommen sind, die haben hier eigentlich nichts zu suchen. Und dazu hat sie nicht eindeutig gesagt, doch, die gehören zu uns. Lasst sie zufrieden, wir wollen ihnen gleiche Bürgerrechte geben. Da war sie nicht eindeutig. 

domradio.de: Hinzu kommt natürlich, dass sie selber auch gläubige Buddhistin ist. Jetzt hat sie sich mit Papst Franziskus getroffen und der mahnte an, dass die Würde und die Rechte aller ethnischen Gruppen geachtet werden müssen. Worauf bezieht er sich da? 

Lorenz: Er hat es zwar nicht ausdrücklich gesagt, er hat das Wort Rohingya nicht in den Mund genommen, aber er hat an die birmanische Regierung appelliert, diese Leute ordentlich und gleich zu behandeln, ihre Menschenrechte zu achten, sie nicht zu vertreiben, sie nicht zu vergewaltigen, nicht ihre Dörfer anzuzünden. Da muss man allerdings sagen, das hat auch Aung San Suu Kyi gemacht. Auch sie hat das Wort Rohingya nicht in den Mund genommen, aber sie hat auch in den letzten Wochen und Monaten gefordert, dass man die Rohingya ordentlich behandeln und die Menschenrechte im Land achten müsste. Das ist allerdings eine wirklich schwierige Sache. Denn die birmanische Armee ist als brutal, rücksichtslos und skrupellos bekannt, und das hat sie schon mehrfach bewiesen, nicht nur im Westen des Landes bei den Rohingya, sondern auch im Kampf gegen viele andere ethnische Minderheiten in Myanmar.

Das Gespräch führte Silvia Ochlast. 

(DR)

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