Aung San Suu Kyi und Papst Franziskus
Aung San Suu Kyi und Papst Franziskus
Berthold Pelster
Berthold Pelster
Papst Franziskus und Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi
Papst Franziskus und Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi

28.11.2017

Papst mahnt in Myanmar Richtung Regierung "Achtung jeder ethnischen Gruppe"

Auf der einen Seite Papst Franziskus. Auf der anderen Seite Myanmars De-facto-Regierungschefin und Trägerin des Friedensnobelpreises, Aung San Suu Kyi. Über ihnen der Rohingya-Konflikt. Wie ging man mit diesem Thema um?

domradio.de: Die Rohingya-Krise hat der Papst ja nicht direkt angesprochen, oder?

Berthold Pelster (Kirche in Not): Zumindest nicht ausdrücklich, aber wenn man zwischen den Zeilen liest, dann kann man schon davon ausgehen, dass er die Rohingya als eine der benachteiligten Gruppen in Myanmar gemeint hat. Er hat auf jeden Fall in seiner Rede, auch vor den politischen Vertretern, dazu aufgerufen, doch bitteschön jede ethnische Gruppe zu achten und zu respektieren, ohne konkret Namen zu nennen. Er hätte die Rohingya nehmen können, aber genau so gut andere ethnische Minderheiten wie die Kachin nennen können, die ganz überwiegend zum Christentum gehören. 

domradio.de: Aung San Suu Kyi, mit der sich der Papst heute Morgen getroffen hat, war mal die große Hoffnungsträgerin des Landes, hat sich jahrzehntelang für die gewaltlose Demokratisierung eingesetzt und 1991 den Friedensnobelpreis bekommen. Heute ist sie in ihrem Land aber tatsächlich umstritten. Sie ist schweigsam, wenn es um die Gewalt des Militärs gegen die Rohingya-Minderheit geht. Was ist das für eine Frau und warum verhält sie sich so?

Pelster: Sie ist immerhin Regierungschefin in Myanmar. Ihre Partei hat bei den letzten Parlamentswahlen eine große Mehrheit gewonnen, sie bildet die Regierung. Aber man muss dazu wissen, dass bis heute das Militär einen großen Einfluss in Myanmar hat und über viel Macht verfügt. In der Verfassung ist festgelegt, dass 25 Prozent der Parlamentssitze an Vertreter des Militärs gehen. Also am Militär kommt niemand vorbei, auch die Regierung nicht. Wichtige Regierungsposten sind von Militärvertretern besetzt. Von daher kann Aung San Suu Kyi auch nicht so agieren, wie sie vielleicht möchte. Ihr sind da teilweise die Hände gebunden. 

domradio.de: Das heißt, da steckt jetzt nicht ein Problem mit den Rohingya dahinter, das sie persönlich hat, das sind einfach die politischen Vorgänge im Land?

Pelster: Die politische Situation in Myanmar ist sehr kompliziert. Das Land befindet sich in einem gesellschaftlichen und politischen Umbruch.  Es ist auf dem Weg zur Demokratie. Aber das ist ein Prozess, der momentan noch sehr stark vom Militär beeinflusst und gesteuert wird. Man muss aber auch wissen, dass Aung San Suu Kyi sich wiederholt mit Vertretern ethnischer Minderheiten getroffen hat. Sie trifft sich auch mit den Vertretern religiöser Gruppen. Auch zur katholischen Kirche hat sie einen sehr guten Kontakt. Sie ist sich schon sehr bewusst, welche Probleme es im Land gibt und welchen weiten Weg das Land noch gehen muss, um wirklich zu einer Nation zu kommen. Es gibt ja diesen Begriff "nation building", da muss noch viel getan werden, da ist auch die katholische Kirche sehr aktiv und ist sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung sehr bewusst. 

domradio.de: Die meisten verwenden für Aung San Suu Kyi den Begriff "inoffizielle Staatschefin", was steckt dahinter? 

Pelster: Das ist richtig. Auf Grund der Verfassung konnte sie nicht zur Präsidentin gewählt werden. Da musste man einen anderen Weg finden, um ihr eine relativ einflussreiche Position zu geben, da hat man eben diesen Weg gewählt. 

domradio.de: Was denkt der Rest des Landes von ihr? 

Pelster: Besonders großes Ansehen hat sie natürlich vor allem bei den Minderheiten im Land, die große Hoffnung auf sie setzen, dass sie etwas bewegen könnte für mehr Gerechtigkeit im Land. Die Mehrheit des Landes sind natürlich Buddhisten. Viele von denen werden sicherlich sehr froh darüber sein, dass das Land jetzt endlich die Militärdiktatur hinter sich gelassen hat und auf dem Weg zur Demokratie ist. Es gibt aber auch unter den Buddhisten einige Gruppierungen, die sehr nationalistisch eingestellt sind, die aus Myanmar ein rein buddhistisches Land machen wollen unter den Schlagworten: eine Nation, ein Volk, eine Sprache, eine Religion. Und die hätten am liebsten, dass bestimmte Minderheiten aus dem Land verschwinden würden, wie zum Beispiel die Rohingya. Aber das ist nur eine kleine Gruppe, die allerdings recht viel Einfluss auf die Gesellschaft hat und auch die Stimmung im Land bestimmt.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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