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27.11.2017

Papst Franziskus beginnt Besuch in Myanmar Jubel, Friedenshoffnung und Zweifel

Tausende jubelnde Katholiken säumten zur Begrüßung von Papst Franziskus die Straßen von Rangun. Die Begeisterung kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Papst in ein zerrissenes Land kommt - wie der erste Termin zeigte.

Im Westen Myanmars hat die Armee 630.000 muslimische Rohingya vertrieben. Im Nordosten führt sie einen Krieg gegen ethnische Minderheitenvölker. Nationalistische buddhistische Mönche schüren den Hass auf Muslime; das Land ächzt unter seinen Konflikten.

Der Autokorso von Papst Franziskus über die Straße Bogyoke Aung San in Ranguns historischem Zentrum zum Bischofshaus an der Marienkathedrale macht das nicht vergessen - auch wenn Tausende Katholiken am Straßenrand jubeln, die Flaggen von Myanmar und des Vatikan schwenken. Viele haben Tränen in den Augen.

Katholiken wollen Papst sehen

Geschichtsträchtiger geht es in Rangun nicht. Die Straße ist nach Birmas Unabhängigkeitsheld Bogyoke (General) Aung San benannt, dessen Tochter, Staatsrätin und De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi, der Papst am Dienstag in Naypyidaw treffen wird.

Stundenlang haben Katholiken aus Kachin und Kayin, aus Mandalay und Rangun, aus vielen anderen Teilen Myanmars bei 34 Grad Celsius auf den Papst gewartet, unter Rosenkranzgebeten und Kirchenliedern. Es ist der erste Besuch eines Papstes in dem Land. "Ich habe ihn schon mal 2015 in Manila gesehen, wo ich damals studierte", erzählt strahlend eine Ordensfrau von der Gemeinschaft der "Mutter der Sorgen", der in der Nähe von Rangun ein Waisenhaus unterhält. Über ihre Erwartungen sagt Schwester Clarida: "Ich hoffe, der Papst bringt Frieden und Freude. Das braucht Myanmar."

Brang Seng Aung kommt aus Kachin, wo seit 2011 die Armee von Myanmar einen Krieg gegen die Milizen der Kachin und mit ihr verbündeten ethnische Milizen führt. Ein Friedensabkommen ist nicht in Sicht. 38 Stunden hat der Zug für die 1.100 Kilometer von Myitkyina, der Hauptstadt des mehrheitlich christlichen Kachin, nach Rangun gedauert. Brang Seng Aung machte die Strapaze nichts aus. "Ich wollte unbedingt dabei sein, wenn der Papst in Rangun ist", sagt der 17-Jährige, der in Myitkyina mit Jade handelt. "Der ganze Zug war voller Katholiken", erzählt der junge Mann mit dem traditionellen, rot-blau karierten Turban der Kachin auf dem Kopf.

Papst trifft Oberbefehlshaber der Armee

Als ersten Terminpunkt hat Papst Franziskus gleich zum Beginn seiner Reise nach Myanmar am Montagabend (Ortszeit) außerplanmäßig den Oberbefehlshaber der Armee, General Min Aung Hlaing, empfangen. Das Gespräch am Sitz des Erzbischofs von Rangun, Kardinal Charles Maung Bo, dauerte 15 Minuten. Hlaing kam mit einer fünfköpfigen Delegation.

Die private Unterredung war erst vor einer Woche ins Reiseprogramm aufgenommen worden und ursprünglich für Donnerstag geplant.

Laut Vatikansprecher Greg Burke war das Treffen als Höflichkeitsbesuch deklariert. Man habe vor allem "über die große Verantwortung gesprochen, die die Autoritäten des Landes in dieser Zeit des Übergangs haben". Neben dem Oberbefehlshaber waren drei Generäle von Abteilungen "für besondere Operationen" sowie ein Sekretär anwesend. Bei der privaten Unterredung fungierte ein Mitarbeiter der Kirche als Übersetzer.

Mit dieser Begegnung hat der Papst die Armeespitze noch vor Staatspräsident Htin Kyaw und der Staatsberaterin und Außenministerin Aung San Suu Kyi getroffen. Diese Termine sind für Dienstag in der Hauptstadt Naypyidaw vorgesehen. Danach wird Franziskus bei einer Begegnung mit Vertretern von Zivilgesellschaft, Politik und Diplomatischem Corps seine erste Rede halten. Es wird erwartet, dass er dabei auch auf die politische Lage in dem Land eingeht, in dem bis 2010 eine Militärdiktatur herrschte. Auch Suu Kyi soll dort sprechen.

Min Aung Hlaing ist seit 2011 Oberbefehlshaber in Myanmar. Die Armee hat nach jahrzehntelanger Herrschaft noch immer große Macht im Land. Teile des Militärs unter seinem Befehl sind unter anderem auch an Militäraktionen und Vertreibungen der muslimischen Minderheit der Rohingya in der Region Rakhine beteiligt.

Papst interessiert Birmaner nicht sonderlich

Unterdessen gingen in den Seitenstraßen der Bogyoke Aung San Road die buddhistischen Birmaner ihrem Tagwerk nach. Der Papst interessiert sie nicht sonderlich. Lediglich ein paar Garküchenbetreiber freuen sich über gute Geschäfte. "Ich habe in wenigen Stunden mehr Bein Moun verkauft als sonst an einem Tag", sagt Kyaw Win. Bein Moun sind eine Art birmanische Pfannkuchen, je nach Geschmack mit Kokosraspeln oder Chili.

Matias Wanchok und Paula Mellado aus Madrid haben auf einer Brücke über die Bogyoke-Straße einen Logenplatz für einen Blick auf den Papst ergattert. Der Argentinier und seine spanische Freundin waren auf großer Myanmar-Reise. "Vom Papstbesuch haben wir heute durch Zufall erfahren", sagt Wanchok, 31. Und seine fünf Jahre ältere Freundin ergänzt: "Wir sind nicht religiös, aber Papst Franziskus mögen wir für sein Eintreten für eine gerechte Welt. Ich folge ihm sogar auf Twitter."

Nicht weit vom Supermarkt Ruby mit Nikolausfiguren und Plastikbäumen im Angebot wartet Lawrence Dass auf den Papst. Der 68-Jährige aus der Antonius-Gemeinde in Rangun: "Wir sind eine tamilische Gemeinde", erzählt er. Natürlich wird der Hotelmanager am Mittwoch beim großen Papstgottesdienst auf den Kyaik Kasan Grounds in Rangun dabei sein.

Friedensappelle erhofft

"Ich habe sogar eine VIP-Karte. Die hat mir mein Schwiegersohn besorgt. Der ist hier ein bekannter Koch, und er hat die Ehre, für den Papst zu kochen."

Es gibt wohl kaum jemanden in Rangun, der noch nie die historischen Sportanlagen Kyaik Kasan Grounds besucht hat. 1926 zog die Pferderennbahn Rangoon Turf Club der britischen Kolonialherren dorthin um. Seit der staatlichen Unabhängigkeit war Kyaik Kasan Grounds sowohl Schauplatz großer politischer Kundgebungen als auch von Konzerten und Sport-Events.

Auch Lawrence Dass wünscht sich vom Papst eindringliche Friedensappelle. Doch er befürchtet, dass diese bei San Suu Kyi und Armee-Chef Min Aung Hlaing verpuffen. Der Tamile meint traurig: "Sie werden kaum auf ihn hören."

Michael Lenz
(KNA)

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