Rohingya auf der Flucht
Rohingya auf der Flucht
Papst Franziskus besucht Myanmar
Papst Franziskus besucht Myanmar

27.11.2017

Misereor über Hintergründe des Rohingya-Konflikts Papstbesuch in heikler Situation

Der Konflikt um die muslimischen Rohingya könnte den an diesem Montag begonnenen Besuch von Papst Franziskus in Myanmar beeinflussen. Was hinter den Wurzeln dieser Fehde steckt, erklärt die Misereor-Länderreferentin im Interview.

domradio.de: Was ist der Hintergrund dieses Konfliktes? Warum geht das Militär plötzlich so massiv gegen diese muslimische Minderheit vor?

Corinna Broeckmann (Länderreferentin für Myanmar beim katholischen Hilfswerk Misereor): Das ist ein ganz alter Konflikt. Die Rohingya leben in Myanmar seit vielen Jahren, wahrscheinlich seit etwa 200 Jahren. Die britische Kolonialregierung benötigte Menschen, die Reis im nördlichen Rhakine-Staat anbauen, über den wir ja immer reden. Dazu haben sie Menschen aus Bengalen dorthin gebracht. Viele leben also seit vielen Generationen vor Ort. 1982 wurde ihnen die Staatsbürgerschaft aberkannt, indem man gesagt hat, dass alle, die ihre Familien nicht bis vor die Zeit von 1823 zurückverfolgen können, ihre Staatsbürgerschaft verlieren.

Das ist natürlich für viele Menschen sehr schwierig. Wer kann schon seine Verwandtschaft so weit zurückverfolgen. Insofern ist das staatsbürgerliche Recht von 1982 ausschlaggebend für den Verlust der Staatsbürgerschaft. Das ist ein kleiner Teil dessen, warum es da Konflikte gibt. Natürlich hat auch die Religion damit zu tun. Die Muslime leben in einem Land mit einer mehrheitlich buddhistischen Bevölkerung, und da gibt es Ressentiments, Ängste und Vorurteile.

domradio.de: Die Regierung in Myanmar argumentiert, die Rohingya hätten ihrerseits Sicherheitskräfte angegriffen und würden Gewalt anwenden. Sie sind selbst kürzlich in Myanmar gewesen. Wie bewerten Sie das? Wer hat Recht?

Broeckmann: Es gibt sicherlich viele Geschichten. Bei 620.000 Menschen, die aus Myanmar nach Bangladesch geflüchtet sind, gibt es 620.000 kleine Geschichten. Tatsache ist aber, dass am 25. August die so genannte Arakan Rohingya Salvation Army, die ARSA, einige Polizeiposten im Rhakine-Staat angegriffen hat und am 30. August das Militär massiv zurückgeschlagen hat.

Dabei haben sie natürlich nicht mehr unterschieden zwischen denen, die diese Angriffe ausgeführt haben, und denen, die davon betroffen waren, also der Zivilbevölkerung. Das Militär sagt, sie haben gar nichts gemacht. Es gibt ein dreiseitiges Dokument, das sagt, dass das Militär nicht feststellen konnte, dass irgendwelche Übergriffe stattgefunden haben. Die Realität sieht aber wahrscheinlich anders aus.

domradio.de: 2010 wurden in Myanmar erstmals Wahlen durchgeführt. Ist Myanmar denn jetzt ein demokratisches Land so wie wir Demokratie kennen?

Broeckmann: Es ist schon noch ganz anders. Es gibt viele demokratische Kräfte innerhalb des Landes. Es gibt ein sich entwickelndes Verständnis davon, was Demokratie bedeutet. Demokratie bedeutet ja auch immer, dass man einander zuhört und den Dialog sucht. Und das fehlt noch ein bisschen an vielen Stellen. Das ist nicht so einfach. Da trägt auch Aung San Suu Kyi meinem Erachten nach relativ wenig dazu bei, weil sie in einer sehr schwierigen Position ist.

Das Land ist auch deshalb noch nicht sehr demokratisch, da das Militär 25 Prozent der Parlamentssitze innehat. Das Innenministerium, das Verteidigungsministerium und auch das Ministerium für Grenzsicherung, alle diese Posten sind vom Militär besetzt. Damit kann man schon davon ausgehen, dass es noch nicht so weit her ist mit der Demokratie. Aber es gibt eine sehr lebendige Zivilgesellschaft und wir können hoffen, dass sich da etwas tut.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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