Papst Franziskus sorgt sich um Obdachlose
Papst besucht Obdachlosenheim

19.11.2017

Erster Welttag der Armen Franziskus: Vergesst die Armen nicht!

Für Papst Franziskus sind sie eine entscheidende Aufgabe der Kirche: Am Sonntag begeht die katholische Kirche erstmals den Welttag der Armen. "Die Armen" sind ein Leitmotiv des ersten Papstes aus Lateinamerika.

Es ist eine der vielen Papstwahl-Anekdoten – in diesem Fall vom 13. März 2013. Unmittelbar nachdem Kardinal Jorge Bergoglio die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit erhalten hatte, umarmte ihn sein brasilianischer Mitbruder Claudio Hummes und sagte ihm ins Ohr: "Vergiss die Armen nicht!" In dem Moment sei ihm die Idee für seinen Papstnamen gekommen: Franziskus. So erzählte das neue Kirchenoberhaupt später selbst. Fast ja eine Anmaßung angesichts der übergroßen Verehrung, die der Heilige aus Assisi genießt.

Doch er erfüllt sie. "Ich möchte eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen", sagte der damals 76-Jährige wenige Tage nach seiner Wahl. Da verwundert es fast, dass Franziskus erst in diesem Jahr, dem fünften seines Pontifikates, einen katholischen Welttag der Armen begehen lässt, am 19. November.

Zufall oder Fügung?

Dass der Tag 2017 auf den Namenstag der heiligen Elisabeth von Thüringen fällt, einer anderen Patronin der Armen: Zufall oder Fügung? Das offizielle Datum ist jedenfalls der Sonntag vor dem Christkönigsfest, dem letzten Sonntag des Kirchenjahres. Um diese Feste gebührend zu begehen, macht Franziskus konkrete Vorschläge: In dieser Woche vor dem Welttag sollten die Kirchengemeinden "viele Gelegenheiten zur Begegnung und Freundschaft, aber auch zur Solidarität und konkreten Hilfe" schaffen. Und sie sollten die Ehrenamtlichen, die sich um die Armen kümmern, wie auch die Armen selbst zur Eucharistiefeier einladen.

Um Christus begegnen zu wollen, "müssen wir seinen Leib im gemarterten Leib der Armen berühren", schreibt der Papst in seiner Botschaft zum diesjährigen Welttag. Ihr Titel: "Liebt nicht mit Worten, sondern in Taten". Recht unverblümt kritisiert Franziskus darin den "Gegensatz zwischen den leeren Worten, die wir oft im Mund führen, und den konkreten Taten, an denen wir (...) zu messen sind."

Gemeinsam zu Tisch

Der Papst selbst will am kommenden Sonntag im Petersdom eine Messe feiern und anschließend mit bis zu 1.500 Bedürftigen in der Aula Pauls VI. zu Mittag essen. Auf dem Speiseplan stehen sardische Minignocchi mit Tomaten, Oliven und Käse, Kalb mit Gemüse sowie zum Abschluss - ganz italienisch - Tiramisu und Espresso.

Solche Essen mit Obdachlosen, Flüchtlingen oder Gefangenen stehen regelmäßig auf seinem Programm. Die einen begrüßen, ja bewundern sie. Andere jedoch rümpfen die Nase, runzeln die Stirn. Ist das nicht Show? Oder gar ein Sakrileg, wenn - wie Anfang Oktober in Bologna - eine Kirche zu einem Speisesaal umfunktioniert wird?

Eine "verbeulte Kirche"

Das erinnert an die Streitgespräche Jesu mit Pharisäern. Mit vermeintlich Unreinen und Sündern zu essen, scheint immer noch anstößig. Aber Franziskus sagt immer wieder: "Mir ist eine 'verbeulte' Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit (...) krank ist."

In der Tat bleiben Beulen zurück, wird es mitunter schmutzig. In Bologna nutzten zwei Häftlinge das Mittagessen mit dem Papst, um sich auf einen ungenehmigten Freigang zu begeben. Und Ende September vertrieb die vatikanische Gendarmerie die Obdachlosen vom Petersplatz, aus Gründen der Sicherheit - oder des Ansehens? Viele Obdachlose ließen Taschen und Schlafsäcke unter den Kolonnaden liegen; die müssten wie herrenlose Koffer von der Polizei ständig kontrolliert werden. Hier und da müffelte es; der Petersplatz sei nicht als Schlafstelle oder Campingplatz erbaut. Ästhetisch schön ist der Einsatz für die Armen nicht unbedingt. Da tut sich der Vatikan auch unter Franziskus schwer.

Der strenge Franziskus

1993 hat Johannes Paul II. (1978-2005) den Welttag der Kranken eingeführt. Er wird jährlich am 11. Februar begangen, scheint zuletzt aber etwas in Vergessenheit geraten. Ob und wie sich der neue Welttag der Armen entwickelt, hängt von der Kirche und ihren Gläubigen ab.

Auf alle Fälle hat Franziskus nicht nur der Welternährungsorganisation FAO eine ernste biblische Mahnung hinterlassen: "'Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben' - Danach werden wir gerichtet", schrieb er ihr Mitte Oktober ins Gästebuch. Der angeblich so liberale Franziskus kann auch sehr streng sein.

Roland Juchem
(KNA)

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