Fachkonferenz findet im Vatikan statt

Vatikan drängt auf atomare Abrüstung

Der Vatikan veranstaltet in einer Woche eine Tagung zu atomarer Abrüstung. Im Vorfeld warnte Papst Franziskus vor einem "Selbstmord der Menschheit" durch Atomwaffen. Der Pontifex fordert ein absolutes Nuklearwaffenverbot.

Nordkoreanische Rakete / © Wong Maye-E (dpa)
Nordkoreanische Rakete / © Wong Maye-E ( dpa )

Papst Franziskus hat die Gefahr eines nuklearen Schlagabtauschs als einen drohenden "Selbstmord der Menschheit" bezeichnet. Die Welt sei bereits jetzt "in einem regelrechten Krieg", sagte er laut Radio Vatikan (Montag) unter Verweis auf die viele internationalen Konflikte. Franziskus äußerte sich bei einem Besuch in seiner Entwicklungsbehörde, die von Kurienkardinal Peter Turkson geleitet wird. Diese organisiert eine internationale Tagung zu atomarer Abrüstung, die kommende Woche im Vatikan stattfindet.

An dem Treffen am 10. und 11. November unter dem Titel "Perspektiven für eine Welt ohne Nuklearwaffen und für umfassende Abrüstung" nehmen neben Vertretern internationaler Organisationen mehrere Friedensnobelpreisträger teil, auch die Leiterin der in diesem Jahr ausgezeichneten Abrüstungskampagne ICAN, Beatrice Fihn. Nach dem ersten Sitzungsteil will Papst Franziskus zu den Teilnehmern sprechen, wie aus dem am Montag veröffentlichten Programm hervorgeht.

Papst will weltweites Verbot von Nuklearwaffen

Vor dem Hintergrund wachsender globaler Sorgen um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm intensiviert der Vatikan seine Bemühungen um nukleare Abrüstung. Vatikansprecher Greg Burke erklärte am Montag, Papst Franziskus arbeite "mit Entschlossenheit" daran, Voraussetzungen für ein Welt ohne Kernwaffen zu schaffen. Zugleich betonte der Sprecher, der Heilige Stuhl trete nicht als "Vermittler" im Nordkorea-Konflikt auf.

Burke erinnerte an die Papstbotschaft zu der UN-Konferenz zum Nuklearwaffenverbot im März. In seinem Schreiben hatte Franziskus ein weltweites Verbot von Nuklearwaffen als "humanitären Imperativ" bezeichnet. Frieden und Stabilität in der Welt könnten nicht auf der "Androhung gegenseitiger Zerstörung oder totaler Auslöschung" gründen.

Leise Kritik an der Staatengemeinschaft

Indirekt kritisierte Franziskus damals auch das Fernbleiben fast aller Nato-Mitgliedstaaten sowie Russlands. Am Dialog über Abrüstung müssten sich Länder mit und ohne nukleares Arsenal beteiligen. Die USA hatten die Nato-Partner noch unter Präsident Barack Obama aufgefordert, sich nicht an den Verhandlungen über ein Nuklearwaffenverbot zu beteiligen. Ein solcher Bann würde die atomare Abschreckung der USA für ihre Partner ernsthaft gefährden, so die Argumentation.

Zu der Abrüstungstagung mit Papst Franziskus am 10. und 11. November werden laut einem noch vorläufigen Programm unter anderen UNO-Generalsekretär Antonio Guterres sowie der frühere Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde Muhammad Al-Baradei im Vatikan erwartet. Ein offizielles Programm war von der ausrichtenden Vatikanbehörde für Entwicklungsfragen kurzfristig nicht zu erhalten. - Die Päpste zählen seit Johannes XXIII. (1958-1963) zu den prominenten Befürwortern eines weltweiten Nuklearwaffenverbots.

Konferenz im Vatikan ist Reaktion auf Tagesgeschehen

Die Untersekretärin der Vatikanbehörde, Flaminia Giovanelli, sagte Radio Vatikan, die Konferenz mit Beteiligung von Vertretern internationaler Organisationen und elf Nobelpreisträgern erfolge vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden atomaren Krise. Sie verwies zudem darauf, dass der Heiligen Stuhl den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen unterzeichnet habe.

Das Abkommen, das die Entwicklung, Tests, Stationierung und den Einsatz sowie die Drohung mit Nuklearwaffen verbietet, war am 7. Juli von der UNO-Vollversammlung angenommen und am 20. September zur Unterschrift vorgelegt worden. Der Heilige Stuhl gehört zu den ersten 50 Unterzeichnern und ratifizierte den Vertrag noch am gleichen Tag gemeinsam mit Thailand und Guyana. Das Abkommen tritt 90 Tage nach der Ratifizierung durch 50 Staaten in Kraft.


Quelle:
KNA