Papst Franziskus
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05.10.2017

Papst Franziskus zu Wissenschaft und menschlichem Leben "Nicht den Blick auf den Nächsten verlieren"

Eine Absage an überzogenes Gendertum und die Benennung der Herausforderungen im Verhältnis zwischen den Wissenschaften und menschlichem Leben: Papst Franziskus hat in einer Grundsatzrede seine Standpunkte verdeutlicht.

Im Verhältnis zwischen den Wissenschaften und dem menschlichen Leben sieht Papst Franziskus derzeit vier große Herausforderungen: gegen ich-zentrierte Technikbegeisterung den Blick stärker auf den Nächsten zu lenken, gegen rein biologische Auffassungen die Würde des Menschen als Geschöpf Gottes neu zu entdecken, Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, ohne die Unterschiede zwischen Mann und Frau zu neutralisieren, sowie viertens Mitleid und Zärtlichkeit im Umgang mit den Schwächsten als Korrektiv gegen Bürokratie und Technologie.

In einer Grundsatzrede vor den Mitgliedern der Päpstlichen Akademie des Lebens am Donnerstag im Vatikan nannte der Papst diese für ihn zentralen Punkte für einen wissenschaftlich-ethischen Dialog auf der Höhe der Zeit.

"Nicht den Blick auf den Nächsten verlieren"

Mit Blick auf die thematische Neuausrichtung des Rates forderte Franziskus, die Arbeit nicht auf problematische Einzelfragen zu beschränken. Wenn die Kirche das Leben begleiten wolle, müsse sie Verantwortung im technologischen Zeitalter angemessen wahrnehmen, sagte er vor der bis Samstag dauernden Jahresversammlung. Es ist die erste nach einem organisatorischen und personellen Umbau durch den Papst.

Franziskus sagte, begeistert von sich und der Technik verlören viele Menschen den Blick für ihren Nächsten. Gleichzeitig verspürten Männer, Frauen und Kinder überall auf der Welt "mit Bitterkeit und Schmerz die illusorischen Versprechen des technokratischen Materialismus". Wahrer wissenschaftlicher und technologischer Fortschritt müsse daher zu einer menschlicheren Politik führen.

Außerdem erinnerte der Papst an die wesentliche Aussage der biblischen Schöpfungserzählung: Jeder Mensch sei "von Gott gewollt und um seiner selbst geliebt, und nicht bloß ein gut organisierter und in der Evolution selektionierter Zellhaufen".

Gegen überzogenes Genderdenken

Deutlich wandte sich der Papst gegen ein überzogenes Genderdenken. Es sei unrecht, Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern herstellen zu wollen, indem man die Unterschiede zwischen Frauen und Männern neutralisiere. Die "Utopie des Neutrums" schränke die menschliche Würde in ihrer geschlechtlichen Ausrichtung sowie in ihrer Bedeutung bei der Weitergabe des Lebens ein. Die geschlechtliche Identität des Menschen aufzuweichen, beraube ihn der Energie und Kreativität, die in der Beziehung zwischen Mann und Frau steckten.

Schließlich gelte es, "ein Ethos des Mitleids und der Zärtlichkeit" für den Menschen in den verschiedenen Lebensaltern zu entwickeln, "besonders für die Kinder und die Alten". Eine Gesellschaft, "in der alles nur ge- und verkauft wird, bürokratisch geregelt und technisch vorgesorgt", habe den Sinn des Lebens bereits verloren, warnte der Papst.

(KNA)

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