Zwei Polizisten stehen in Buenavista (Kolumbien) am Eingang der Mariana Paez Demobilisierungszone, eine der vielen ländlichen Camps der Farc-Rebellen.
Zwei Polizisten stehen in Buenavista (Kolumbien) am Eingang der Mariana Paez Demobilisierungszone, eine der vielen ländlichen Camps der Farc-Rebellen.

09.09.2017

Kann Papst Franziskus den Friedensprozess stärken? Kolumbiens fragiler Frieden

Trotz unterzeichnetem Vertrag ist der Frieden in Kolumbien noch zerbrechlich. Zu oft scheiterten schon Friedensbemühungen. Auch deswegen reist Papst Franziskus nach Kolumbien: Um den Friedens- und Versöhnungsprozess zu stärken.

Zu Besuch in einem Übergangscamp der Guerillagruppe FARC, nahe der Kleinstadt Mesetas in Zentralkolumbien: Rund fünfhundert Angehörige der "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" leben hier seit gut einem halben Jahr in selbsterrichteten Behausungen aus Plastikplanen und Pfählen, umgeben von einer sattgrünen Hügellandschaft.

In 27 solcher Übergangs- und Normalisierungszonen im ganzen Land bereiten sich derzeit rund siebentausend ehemalige Rebellen auf ein neues Leben vor, nachdem sie in den vergangenen Monaten die Waffen abgegeben haben. Diego Gutierrez, dreißig, hat sein halbes Leben bei den FARC verbracht: Er fühle sich jetzt erleichtert ohne die Waffen, sagt er. "Unsere Waffe ist heute das Friedensabkommen, das wir unterzeichnet haben. Mit unserer Botschaft, unseren Ideen und unserem Friedenswillen wenden wir uns an Teile der Gesellschaft, die wir mit dem Gewehr in der Hand nicht erreicht hätten!"

Von der Guerilla zur politischen Partei

Anstatt einer Guerilla will die FARC nun eine politische Partei werden, Anfang September hat ein Gründungskongress stattgefunden. Bei den Wahlen im kommenden Jahr will sie bereits antreten, fünf Mandate im Senat und fünf im Abgeordnetenhaus garantiert ihr das Friedensabkommen. Die große Mehrheit der Ex-Guerilleros aber muss sich nun an ein normales bürgerliches Leben gewöhnen. Der Staat will sie mit Ausbildung und, für begrenzte Zeit, mit finanziellen Eingliederungshilfen unterstützen.

Sergio Jaramillo war viele Jahre Regierungsbeauftragter für den Friedensprozess und er erklärt das Abkommen: Das Modell, auf das sich Regierung und FARC geeinigt haben, ist anders als bei früheren Friedensprozessen in Kolumbien, in denen die entwaffneten Guerilleros in die Städte gingen. Die FARC wolle sich auf dem Land in die Gesellschaft eingliedern, sagt er: "Das bedeutet eine große Herausforderung, denn in den ländlichen Gebieten ist der Staat nicht sehr präsent."

Hält der Frieden?

Viele FARC-Mitglieder können sich vorstellen, landwirtschaftliche Kooperativen zu gründen. Ihr Übergang in das zivile Leben ist nicht ohne Risiken: Nach einem früheren, gescheiterten Friedensprozess wurden in den 1980er und neunziger Jahren mehr als dreitausend Mitglieder einer den FARC nahestehenden Linkspartei ermordet – von Paramilitärs, staatlichen Sicherheitskräften und der Drogenmafia.

Dass seit Beginn dieses Jahres schon mehr als fünfzig kolumbianische Sozial- und Menschenrechtsaktivisten umgebracht wurden, wirft einen Schatten auf den aktuellen Friedensprozess. Andrés Paris, ein ehemaliger Kommandant und Verhandlungsführer der FARC, zeigt sich aber zuversichtlich, dass es diesmal nicht zu einer Gewaltwelle großen Ausmaßes gegen die entwaffnete Guerilla kommen wird: "Wir glauben, dass die sozialen Kräfte, die den Frieden wollen, gewachsen und gereift sind", sagt er.

Einigung mit der ELN?

In Kolumbien gab es so viele Guerillas, wie sonst nirgendwo in Lateinamerika – einige von ihnen entstanden nach der kubanischen Revolution 1959, andere nach der sandinistischen Revolution in Nicaragua 1979. Gemeinsam war den meisten Gruppen die marxistisch-leninistische Ideologie, aber ihre Orientierung variierte zwischen pro-kubanisch, pro-sowjetisch und maoistisch. An dieser Zersplitterung lag es, dass ein gemeinsamer Friedensschluss unmöglich war – der Friedensprozess hat in Etappen stattgefunden.

Die letzte noch aktive Gruppe in Kolumbien ist jetzt der ELN, das "Nationale Befreiungsheer". Nach Ansicht von Beobachtern könnte sich der Friedensdialog zwischen ELN und Regierung noch Jahre hinziehen. Das liege auch an der dezentralen Organisation, erklärt der Jurist und Zeitungskolumnist Rodolfo Arango: „Und sie hat eine völlig utopische Forderung: dass die ganze Gesellschaft am Verhandlungsprozess teilnehmen soll. Die ELN-Guerilla ist radikaler als die FARC.“ Gerade erst handelte die Regierung mit ihr einen Waffenstillstand anlässlich des Papstbesuches aus.

Doch bis zu einem wahren Frieden in Kolumbien ist es noch ein weiter Weg. Das weiß auch der Papst: "Je schwerer der Weg ist, der zum Frieden und zur Verständigung führt, umso mehr Beharrlichkeit müssen wir einsetzen", ermahnte er die Kolumbianer bei seinem ersten großen Gottesdienst in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá. Die Menschen dürften nicht zulassen, dass sich jetzt die  "Finsternis der Rachsucht und des Hasses" dem Friedensprozess in den Weg stellten. Das große Thema seiner Reise ist die Versöhnung: "Lasst uns den ersten Schritt machen", lautet das Motto des Papstbesuches.

Victoria Eglau
(dr)

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