Vorfreude auf Heiligsprechung in Fatima
Vorfreude auf Heiligsprechung in Fatima
Papst Franziskus betet am Heiligtum der Fatima (Portugal).
Papst Franziskus betet am Heiligtum der Fatima (Portugal).
Papst Franziskus entzündet seine Kerze in Fatima.
Papst Franziskus entzündet seine Kerze in Fatima.

13.05.2017

Papst Franziskus erklärt Europas größten Pilgerort neu Fatima ist überall

Der polnische Papst Johannes Paul II. hatte dem Marienort Fatima für immer seinen Stempel aufgedrückt - so schien es bis heute. Doch der Argentinier Franziskus hat auch hier einen alternativen Schlüssel parat.

Eine unüberschaubare Menschenmenge hat sich in Fatima eingefunden, um mit Papst Franziskus an die Wunder vor 100 Jahren zu erinnern: Hier, in der Cova da Iria, erschien am 13. Mai 1917 drei Hirtenkindern die Muttergottes und mahnte zu Gebet und Buße. An diesem Samstag spricht Franziskus die Seher zwei der drei Seherkinder von damals heilig, Francisco (1908-1919) und Jacinta Marto (1910-1920) - gleichsam eine Besiegelung der Ereignisse von damals.

Für Millionen Menschen weltweit ist Fatima zu einem Ankerpunkt ihres Glaubens geworden. Viele, die an diesem Wochenende kommen, tragen sichtbare Leiden zur Muttergottes. Es ist Brauch, Wachsnachbildungen kranker - oder glücklich geheilter - Gliedmaßen in einem Kerzenmeer hinter der Erscheinungskapelle zu verbrennen. Tags wie nachts liegen rußige Schwaden über dem Platz. Das Feuer erlischt nicht - solange die Hoffnung nicht erlischt.

Beten allein genügt nicht

Franziskus ist als Pilger "in Hoffnung und im Frieden" gekommen. Sein erster Gruß gilt der Muttergottes. Minutenlang verweilt er vor dem Bildnis in der Gnadenkapelle, während die Menge schweigt. Die meisten hier vertrauen der Madonna ihre persönlichen Sorgen an. Franziskus legt ihr, die ohne Krone gerade 110 Zentimeter misst, die Not der Welt zu Füßen.

Die Schmerzen der Menschheitsfamilie, die "Kriege, die unsere Welt zerstören" - wohl kein Leid, das nicht Platz hätte in seinem langen Gebet. Franziskus nennt die Seherkinder Vorbilder, um als Boten der Frohen Botschaft Mauern niederzureißen, Grenzen zu überwinden, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen. Ein Wink, dass es mit Beten allein noch nicht getan ist.

Gott ist überall am Werk

Dann eine kleine Kühnheit: Franziskus wendet ein zentrales Motiv des legendenumwobenen "Dritten Geheimnisses" von Fatima auf sich persönlich an: "Als in Weiß gekleideter Bischof gedenke ich all jener, die mit den reinen Gewändern der Taufe in Gott leben wollen." Der "in Weiß gekleidete Bischof" - in der dunklen Weissagung, 1944 von der dritten Seherin Lucia dos Santos (1907-2005) niedergeschrieben und erst 2000 vom Vatikan veröffentlicht, wird er zu den Füßen eines Kreuzes niedergeschossen. Als 1981 Papst Johannes Paul II. am 13. Mai, dem Fatima-Tag, von den Kugeln des Attentäters Ali Agca getroffen wurde, schrieb er sein Überleben der Muttergottes von Fatima zu. Der Bischof in Weiß - das war er, Karol Wojtyla.

Will Franziskus die Fatima-Vision entzaubern - als gehe es nicht um eine Voraussage eines konkreten Ereignisses, sondern um etwas zeitlos Gültiges? Gott, so sagte der Papst aus Argentinien im gleichen Gebet, sei "zu jeder Zeit und an jedem Ort der Menschheitsgeschichte am Werk" - als solle das ein Trost sein für all jede, denen eine Marienerscheinung versagt bleibt.

Ergreifende Momente

Die behutsame Deutung (oder Umdeutung) Fatimas setzte Franziskus am Freitagabend fort. Es war das traditionelle Rosenkranzgebet im Schein Zehntausender Kerzen - die stimmungsvollste der Feiern an diesem Pilgerort. Vielen stand die Ergriffenheit ins Gesicht geschrieben. Ihnen, die teils von weither gekommen waren, gab der Papst zu verstehen, es sei gleichgültig, ob man "an diesem gesegneten Ort oder an irgendeinem anderen" bete. Fatima ist überall, schien das zu besagen. Für Franziskus kommt es auf die innere Begegnung mit Gott an, nicht auf die Nähe zu einer Wunderstätte.

Maria sei keine "unnahbare Herrin" oder "ein Heiligenbild, an das man sich wendet, um schnell und billig eine Gunst zu erhalten"; ebenso wenig die Erbarmerin, die Christus als "grausamem Richter" in den Arm fällt. Ein Produkt "subjektiver Empfindungen" nennt das Franziskus. Man tue Gott und seiner Gnade Unrecht, wenn man von der Strafe Gottes rede, ohne zuerst von seiner Vergebung zu sprechen.

Hölle keine Drohung mehr

Hier ist er wieder bei seinem zentralen Thema: "Wir müssen die Barmherzigkeit dem Gericht überordnen" - die Botschaft des Papstes in Fatima, das bekannt wurde durch den Ruf nach Buße angesichts ewigen Verderbens. Stattdessen rückte Franziskus einmal mehr die Armen in den Vordergrund. Der Segen Gottes gelte den Entrechteten und Unglücklichen, den Ausgegrenzten und den Opfern von Ungerechtigkeit. Zu viele, scheint er sagen zu wollen, erleiden schon eine Hölle, als dass man noch mit ihr drohen müsste.

Burkhard Jürgens
(KNA)

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