Papst Franziskus empfängt Obdachlose
Papst Franziskus empfängt Obdachlose
Weihbischof Ansgar Puff (r.) begleitet die Teilnehmer der Obdachlosenwallfahrt
Weihbischof Ansgar Puff (r.) begleitet Obdachlosenwallfahrt nach Rom
Papst Franziskus feiert Messe mit Obdachlosen
Papst Franziskus feiert Messe mit Obdachlosen

13.11.2016

Weihbischof Puff zieht positives Fazit der Obdachlosenwallfahrt Zur Wiederholung empfohlen

Seit vergangenen Freitag waren rund 4.000 Obdachlose auf Einladung des Papstes in Rom. Die Gruppe aus dem Erzbistum Köln begleitete Weihbischof Ansgar Puff, der im Interview ein positives Resümee zieht - besondere Papstworte inklusive.

domradio.de: Es gab an diesem Sonntag  eine feierliche Messe mit dem Papst und Obdachlosen im Petersdom. Welche Eindrücke nehmen Sie aus dem Gottesdienst mit?

Weihbischof Ansgar Puff (Weihbischof im Erzbistum Köln): Für mich war es sehr beeindruckend zu erleben, dass im Petersdom die Fürbitten und die Lesungen von Obdachlosen in verschiedenen Sprachen vorgetragen wurden. Man sah an den wettergegerbten Gesichtern mit den langen Bärten die Berber-Figuren heraus. Dass diese Menschen mit großer Würde ihre Bitten an einem solchen Ort vor Gott tragen, war schon sehr beeindruckend. Die Prozession der Obdachlosen mit den Kerzen während der Wandlung war gleichfalls schön zu sehen.

domradio.de: Der Papst hat mit mahnenden Worten erneut soziale Gerechtigkeit auf der Welt gefordert. Das war vermutlich auch das Thema der ganzen Tage in Rom, oder?

Puff: Der Papst hat immer gesagt, dass Arbeit keine Schande ist - aber Elend, Ausgrenzung oder Ausbeutung gehen gar nicht. Er hat das sehr stark differenziert und dafür von den Obdachlosen viel Beifall bekommen.

domradio.de: Welche Rückmeldungen haben Sie denn aus Ihrer Reisegruppe, die Sie begleitet haben, erhalten?

Puff: Alle, mit denen ich gesprochen habe, sind sehr dankbar und sehr beeindruckt von der Person des Papstes. Das Schönste war vielleicht am Freitag die Privataudienz für sie, weil er sich da viel Zeit genommen hat für das Händeschütteln, das Segnen und für das persönliche Gespräch. Es war etwas ganz Besonderes, ihm so nahe zu sein, ihn berühren zu können und ein paar Worte von ihm zu hören. Für mich persönlich war es überaus bemerkenswert, dass er zu mir und anderen Personen gesagt hat: "Betet für mich. Ich brauche das!"

domradio.de: Der Papst geht also auf alle Menschen zu und möchte das Gebet auch von allen Menschen haben - auch von denen, die einer gesellschaftlichen Ausgrenzung unterlegen sind?

Puff: Das ist ja der Clou an der Sache. Wenn sich auf einmal eine Kirche neu baut, in der die Armen für den Heiligen Vater beten und der Heilige Vater die Armen genau darum bittet, damit er in verschiedenen schwierigen Situationen seinen Dienst gut verrichten kann, dann ist das eine neue Qualität, die dieser Papst mitbringt.

domradio.de: Diese Papstbegegnungen waren sicherlich die Höhepunkte dieser Reise. Wenn Sie diese Tage Revue passieren lassen, was bleiben dann bei Ihnen als schöne und ergreifende Momente hängen.

Puff: Für mich waren die persönlichen Gespräche beim Essen - oder wenn man sich getroffen hat - am schönsten. Es war schön zu sehen, wie sich diese Menschen wertgeschätzt fühlen, wie dankbar sie sind und wie sie sich freuen, in Rom sein zu können. Immer wieder haben einige gesagt, sie hätten nie geglaubt, dass das einmal möglich sein würde. Das war für viele ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Ich glaube, dass wird ihnen sehr viel Kraft geben. Es war auch für alle keine touristische Reise, sondern eine Pilgerfahrt, bei der sie viel für ihren Glauben mitgenommen haben.

domradio.de: Gab es denn an irgendeiner Stelle auch einmal Misstöne?

Puff: Für ein wenig Verstimmung hat eine technische Panne gesorgt. Bei der Audienz am Freitag fiel die Übersetzungsanlage aus. Wir hatten uns erst geärgert, weil wir dachten, die Übersetzungsapparate, die jeder bekommen hatte, würden nicht funktionieren. Es stellte sich aber heraus, dass der Papst spontan in seiner Audienz von Italienisch ins Spanische umgestiegen war, womit die italienischen Übersetzer offenbar nicht gut zurecht kamen und wir nichts mehr ins Deutsche übersetzt bekamen. Das war natürlich ein bisschen schade, weil wir dass, was uns der Papst sagen wollte, nicht so richtig verstehen konnten.

domradio.de: Das Heilige Jahr steht nun kurz vor dem Ende. Am kommenden Sonntag wird am Petersdom die Heilige Pforte geschlossen. Nun war dies ein letzter Höhepunkte des Heiligen Jahres. Welches Fazit würden Sie ziehen? War diese Initiative ein voller Erfolg von Papst Franziskus?

Puff: Ich bin sicher, dass das Heilige Jahr der Barmherzigkeit sehr viel verändert hat - und zwar im Bewusstsein, in der Kirche und in der Öffentlichkeit. Das Wort Barmherzigkeit hat auf einmal einen neuen Klang bekommen. Es geht nicht nur darum, ein bisschen nett zueinander zu sein, sondern wirklich das Wesen Gottes zu berühren. Barmherzigkeit ist eigentlich die Berührung des Herzens Gottes mit uns. Dass zu spüren und live zu erleben - auch durch viele symbolische Taten - hat dieses Jahr nach meinem Dafürhalten geschafft. Das ist großartig.

domradio.de: Kardinal Woelki hat heute für das Erzbistum Köln das Heilige Jahr im Dom schon beendet. Die Bistümer machen das ja eine Woche früher als der Vatikan. Dabei hat Kardinal Woelki gesagt, eigentlich gehe es nun weiter. Man sei weiter auf dem Weg. Das war nur der Anstoß bisher. Würden Sie das auch als Ihren Impuls zum Ende des Heiligen Jahres mitnehmen?

Puff: Ja, von Ende des Heiligen Jahres, aber auch von dieser Wallfahrt. Ich würde mir wünschen, dass es auch in Zukunft wieder Wallfahrten der Wohnungslosen hier nach Rom gibt und dass dadurch dieses Thema immer mehr in die Öffentlichkeit kommt. Ich finde es wichtig, dass deutlich wird, nicht nur über eine arme Kirche zu reden, sondern sie auch zeichenhaft zu leben. Die Menschen gehören mit ihrer Obdachlosenzeitung nicht vor die Kirche, sondern die gehören als Mitglieder in die Kirche.

domradio.de: Was gewinnt die Kirche durch die arme Kirche für die Armen und mit den Armen?

Puff: Sie gewinnt den Blick Jesu Christi. Jesus Christus ist selber arm geworden, um alle reich zu machen. Wenn wir nicht den Blick der Armen bekommen - denn die sehen die Realität anders als wir -, dann verstehen wir Jesus Christus weniger. Darum ist das so wichtig.

Das Interview führte Matthias Friebe.

(DR)

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