Der Schlussappell des Friedenstreffens von Assisi

"Friede ist der Name Gottes"

Zum Abschluss eines dreitägigen Friedenstreffens der Religionen haben Papst Franziskus und andere Vertreter der Weltreligionen in Assisi eine Botschaft für den Frieden verabschiedet. Der vollständige Text in der deutschen Übersetzung:

Papst Franziskus in Assisi / © Pietro Crocchioni (dpa)
Papst Franziskus in Assisi / © Pietro Crocchioni ( dpa )

Friedensappell

Wir sind Männer und Frauen aus verschiedenen Religionen und haben uns als Pilger in der Stadt des Heiligen Franziskus versammelt. Auf Einladung von Papst Johannes Paul II. kamen hier 1986 - zum ersten Mal in der Geschichte - Religionsvertreter aus der ganzen Welt mit großer Bereitschaft und auf feierliche Weise zusammen, um den untrennbaren Zusammenhang zwischen dem großen Gut des Friedens und einer glaubwürdigen religiösen Lebensführung zum Ausdruck bringen.

Mit diesem historischen Ereignis begann ein langer Pilgerweg durch viele Städte der Welt, dem sich zahlreiche Gläubige im Dialog und im Friedensgebet angeschlossen haben. Er hat Einheit ohne Vermischung geschaffen, tragfähige interreligiöse Freundschaften gestiftet und dazu beigetragen, nicht wenige Konflikte zu lösen.

Der Geist, der uns beseelt, ist die Begegnung im Dialog und der Widerstand gegen jede Form von Gewalt und gegen den Missbrauch der Religion zur Rechtfertigung von Krieg und Terrorismus. Dennoch erlitten in den Jahren dieses Weges viele Völker schmerzhafte Wunden durch Kriege. Nicht immer wurde verstanden, dass der Krieg unsere Welt nur schlechter macht und ein Erbe von Schmerz und Hass hinterlässt. Im Krieg sind alle Beteiligten Verlierer, auch die Sieger.

Wir haben uns im Gebet mit der Bitte an Gott gewandt, dass er der Welt den Frieden schenken möge. Wir wissen um die Notwendigkeit, dauerhaft für den Frieden zu beten, weil das Gebet die Welt beschützt und erleuchtet. Friede ist der Name Gottes. Wer den Namen Gottes anruft, um Terrorismus, Gewalt oder Krieg zu rechtfertigen, befindet sich nicht auf Seinem Weg. Ein Krieg im Namen der Religion richtet sich gegen die Religion selbst. Mit fester Überzeugung bringen wir daher zum Ausdruck, dass Gewalt und Terrorismus im Widerspruch zum echten Geist der Religion stehen.

Wir haben den Stimmen der Armen, der Kinder, der jungen Generationen, der Frauen und der zahlreichen Brüder und Schwestern Gehör geschenkt, die unter dem Krieg leiden. Vereint mit ihnen sagen wir mit lauter Stimme: Nein zum Krieg! Der Schmerzensschrei so vieler unschuldiger Opfer darf nicht länger überhört werden. Wir rufen die Verantwortlichen der Nationen dazu auf, die Ursachen der Kriege zu beseitigen: die Gier nach Macht und Geld, die Habsucht im Waffenhandel, das Eigeninteresse, die Rache wegen vergangener Ereignisse. Der konkrete Einsatz zur Beseitigung der Hintergründe von Konflikten möge verstärkt werden: Armut, Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Ausbeutung und Verachtung des menschlichen Lebens.

Möge endlich eine neue Zeit beginnen, in der die globale Welt zu einer Familie von Völkern wird. Möge die Verantwortung für den Aufbau eines wahren Friedens wahrgenommen werden, der die wahren Bedürfnisse der Menschen und Völker berücksichtigt, der durch Zusammenarbeit Konflikten vorbeugt, der Hass beseitigt und Hindernisse für Begegnungen und Dialog überwindet. Nichts ist verloren durch einen wahren Dialog. Nichts ist unmöglich, wenn wir uns im Gebet an Gott wenden. Alle können in der Werkstatt des Friedens tätig sein. Voller Überzeugung bestätigen wir in Assisi unsere Bereitschaft, mit der Hilfe Gottes und gemeinsam mit allen Männern und Frauen guten Willens für den Frieden tätig zu sein.


Quelle:
KNA