Papst Franziskus wird am Flughafen vom Staatspräsidenten Andrzej Duda und seiner Frau Agata Kornhauser-Duda willkommen geheißen
Papst Franziskus wird am Flughafen vom Staatspräsidenten Andrzej Duda und seiner Frau Agata Kornhauser-Duda willkommen geheißen

28.07.2016

Papst Franziskus beginnt seinen Polen-Besuch Zwischen Jubel und verhaltenem Applaus

Tausende Jugendliche jubeln und schwenken Fahnen: Die Teilnehmer des 31. Weltjugendtags bereiten Papst Franziskus zum Auftakt seines Polen-Besuchs in Krakau einen begeisterten Empfang.

Die Stimmung ist heiter und ausgelassen; Szenen der Völkerverständigung, die einen besonderen Wert haben in diesen Tagen des Terrors. Und womöglich wäre Franziskus am ersten Tag seines Polen-Besuchs am liebsten bei den Teilnehmern des 31. Weltjugendtags geblieben. Doch zunächst fordert am Donnerstag das Protokoll der 15.

Auslandreise des Papstes sein Recht. Und das sieht eine Rede vor einem älteren, exklusiveren und offenbar weniger begeisterungsfähigen Publikum vor: Spitzenvertretern aus Politik und Gesellschaft. Sie erwarten den Papst nach dessen Ankunft auf dem Flughafen von Krakau und der Begrüßung durch Präsident Andrzej Duda auf der Wawelsburg.

Rede simultan übersetzt

Im malerischen Innenhof der alten polnischen Königsresidenz oberhalb der Innenstadt wird Franziskus weitaus weniger enthusiastisch begrüßt. Der Applaus der rund 800 Zuhörer nach seiner Rede fällt verhalten aus. Während der Rede klatschen sie kein einziges Mal. Und das lag offenbar nicht daran, dass Franziskus vor seinen polnischen Gastgebern italienisch sprach - die Rede wurde über Kopfhörer simultan übersetzt. Es war womöglich ihre Botschaft.

Die war höchst unbequem für die Politiker eines Landes, das nach den islamistischen Terroranschlägen von Paris im November 2015 die Aufnahme von Flüchtlinge verweigerte: Franziskus verlangte eben diese Bereitschaft und "Solidarität gegenüber denen, die ihrer Grundrechte beraubt sind, darunter des Rechtes, in Freiheit und Sicherheit den eigenen Glauben zu bekennen".

Kritik an Flüchtlings-Politik

Vor der Reise war der Vatikan noch deutlicher geworden. In einer vom Vatikan verbreiteten Stellungnahme des Sprechers der Polnischen Bischofskonferenz war von einer "künstlich geschürten Angst vor Muslimen" die Rede, für die "einige politische Parteien" verantwortlich seien.

Dabei fiel Franziskus keineswegs mit der Tür ins Haus und lobte Polen auch. Er betonte, wie wichtig für ein Volk ein "Identitätsbewusstsein ohne Überheblichkeit" sei. Dadurch könne es in einen Dialog mit Anderen treten. Als ein Beispiel aus der jüngsten polnischen Geschichte führte Franziskus die deutsch-polnische Aussöhnung an, die im November 1965 mit einem Briefwechsel zwischen den Bischofskonferenzen der beiden Länder begonnen hatte. Angesichts der gegenwärtigen deutsch-polnischen Meinungsverschiedenheiten über den Umgang mit Flüchtlingen ein doppelbödiges Beispiel.

Aktuelle gesellschaftliche Themen angesprochen

Franziskus sprach nicht nur über Flüchtlinge. Besser gefallen haben dürfte den Regierungsvertretern und wohl auch den Bischöfen, seine Mahnung zum Schutz des ungeborenen Lebens; ein Thema das in Polen derzeit ebenfalls besonders aktuell ist. Regierung und katholische Kirche fordern eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes, dagegen gingen im Juni Tausende auf die Straße. Aber der Papst machte auch deutlich, dass es mit einem Verbot von Abtreibungen allein nicht getan ist: Staat, Kirche und Gesellschaft müssten die nötigen Voraussetzungen schaffen, damit Kinder von Menschen in Notlage niemals als Last empfunden werden.

Auch Krakau ist an diesem Mittwoch keine Insel der Seligen. Saint-Etienne-du-Rouvray, Nizza und Ansbach sind auch hier nicht weit, Polizei und Armee  in der polnischen Stadt allgegegenwärtig. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm. Entlang der Strecke, die der Papst vom Flughafen zur Innenstadt fährt, stehen auch auf freiem Feld alle 20 Meter Sicherheitskräfte; über der Stadt kreisen regelmäßig Hubschrauber.

"Die Welt ist im Krieg"

Bereits auf dem Flug nach Polen hatte Papst Franziskus sich zu den jüngsten islamistischen Terroranschlägen geäußert. "Haben wir keine Angst, die Wahrheit zu sagen: Die Welt ist im Krieg, weil sie den Frieden verloren hat", sagte er vor mitreisenden Journalisten. Und damit keine Missverständnisse aufkommen, betonte er, dass dies kein Krieg der Religionen sei, sondern ein "Krieg der Interessen, des Geldes und der Ressourcen".

Nach seiner Rede auf der Wawelsburg kam der Papst in der Kathedrale von Krakau mit den katholischen Bischöfen des Landes zusammen. Sie gelten nicht als seine glühendsten Anhänger. Dort hielt er anders als ursprünglich geplant keine Rede, sondern beantwortete Fragen - allerdings hinter verschlossenen Türen.

Thomas Jansen
(KNA)

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