Papst besucht Tschenstochau als "geistliche Hauptstadt" Polens

Papst warnt Polen vor "Abschottung"

Papst Franziskus hat am zweiten Tag seiner Polenreise den Marienwallfahrtsort Tschenstochau (Czestochowa) besucht. Am Donnerstag feierte er dort mit Teilnehmern des Weltjugendtags und anderen Gläubigen eine Messe unter freiem Himmel.

Papst besucht Tschenstochau  / © Waldemar Deska (dpa)
Papst besucht Tschenstochau / © Waldemar Deska ( dpa )

An dem Gottesdienst nahmen auch Polens Staatspräsident Andrzej Duda und Ministerpräsidentin Beata Szydlo teil. In seiner Predigt rief Franziskus dazu auf, "über das Unrecht und die Verwundungen der Vergangenheit hinauszugehen". Aufgabe der Kirche sei es, den Menschen zuzuhören, sich einzubringen und Freuden und Mühen der Leute zu teilen.

Der Papst warnte Polen davor, sich international zu isolieren und Zwangsmaßnahmen im Innern anzuwenden. Das Land dürfe nicht "der Versuchung nachgeben, sich abzuschotten", sagte er bei einer Messe am polnischen Nationalheiligtum in Tschenstochau. Vor Zehntausenden Menschen erinnerte er damit an die Weigerung der Regierung in Warschau, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Hintergrund sind auch Versuche der Regierung, das Verfassungsgericht zu schwächen. "Von der Macht, der Größe und der Augenfälligkeit angezogen zu sein, ist in tragischer Weise menschlich", sagte Franziskus. Sich an andere zu verschenken, Distanzen aufzuheben, im Kleinen zu wohnen und konkret im Alltäglichen zu leben sei dagegen in vortrefflicher Weise göttlich.

Der Zauber steckt im Detail

Die Offenbarung Gottes geschehe "immer im Kleinen", sagte der Papst. So habe Jesus auf ein politisches Eingreifen gegen die römische Herrschaft verzichtet. Zur Zeit der Geburt Jesu sei weder die Menschheit dafür besonders bereit gewesen, noch habe eine Phase der Stabilität und des Friedens geherrscht. Gott rette, indem er "klein, nah und konkret" werde. Die Zeitenwende unter Christus nütze wenig, wenn sie nur ein Datum der Geschichte bleibe, so der Papst. Christen müssten einen "inneren Übergang" vollziehen.

Mit Blick auf die 1.050-jährige Geschichte seit der Christianisierung Polens rühmte Franziskus die "Märtyrer, die die wehrlose Kraft des Evangeliums haben aufleuchten lassen". Weiter erinnerte er an "die sanften und starken Verkünder der Barmherzigkeit wie der heilige Johannes Paul II. und die heilige Faustina". Visionen der polnischen Ordensfrau Maria Faustina Kowalska (1905-1938) hatten besonders die Barmherzigkeit Jesu zum Inhalt.

Goldene Rose für Marienikone

Die Rundfahrt des Papstes unter den Zehntausenden Teilnehmern war von einem ungewöhnlich starken Aufgebot an Sicherheitskräften begleitet. Franziskus selbst benutzte wie üblich einen offenen Wagen, der lediglich mit einem Glasdach als Regenschutz ausgestattet war

Vor der Messe besuchte Franziskus im Beisein von rund 300 Ordenspriestern die Wallfahrtskapelle, um vor der als wundertätig verehrten Marienikone zu beten. Den jährlich von Millionen Pilgern besuchten Wallfahrtsort mit der "Schwarzen Madonna" nannte der Papst die "geistliche Hauptstadt" Polens. Zum Abschluss schenkte er dem Gnadenbild eine Goldene Rose, eine besondere päpstliche Auszeichnung für Marienheiligtümer. Diese Geste hatte in Tschenstochau zuletzt Johannes Paul II. 1979 vollzogen. Bei der Messe benutzte Franziskus den Kreuzstab seines polnischen Vorvorgängers Johannes Paul II. (1978-2005).

Kein gutes Wetter in Polen

Anders als vorgesehen legte Franziskus die etwa 140 Kilometer lange Strecke von Krakau zu dem nordwestlich gelegenen Pilgerort im Auto zurück. Als Grund für den Verzicht auf einen Hubschrauber nannten die Organisatoren schlechte Witterungsverhältnisse. Ebenfalls in einer Programmänderung besuchte Franziskus am Morgen in Krakau den schwerkranken Kardinal Franciszek Macharski (89). Dieser war nach der Papstwahl Johannes Pauls II. dessen Nachfolger als Erzbischof von Krakau und amtierte bis 2005.

Das im Verwaltungsbezirk Schlesien gelegene Tschenstochau ist der meistbesuchte von rund 500 Pilgerorten Polens. Dort wird auf dem Hügel Jasna Gora die "Schwarze Madonna" verehrt, eine Ikone byzantinischen Ursprungs. Mit seiner wechselhaften Geschichte gilt das Bild als Symbol für das immer wieder eroberte und bedrohte Polen. Das Kloster, das die Madonna aufbewahrt, wird jährlich von rund drei Millionen Pilgern aus aller Welt besucht.


Quelle:
KNA