Argentiniens Staatspräsident Mauricio Macri mit Papst Franziskus
Argentiniens Staatspräsident Mauricio Macri mit Papst Franziskus

03.07.2016

Argentiniens Staatschef Macri besucht Deutschland Der Papst, der Präsident und viele Probleme

Der argentinische Präsident Mauricio Macri besucht am Dienstag Deutschland. Zu Hause belastet das angeblich gespannte Verhältnis zu Papst Franziskus das erste Jahr seiner Amtszeit - oder wird das von den Medien nur aufgebauscht?

Kaum eine Woche vergeht, in der die argentinischen Medien nicht einen neuen Hinweis für ein gespanntes Verhältnis zwischen Staatspräsident Mauricio Macri und Papst Franziskus zu entdecken glauben. Mal ist es eine zurückgewiesene Millionen-Spende der Regierung für die von Franziskus noch zu dessen Amtszeit als Erzbischof von Buenos Aires ins Leben gerufene Stiftung "Scholas Occurrentes", dann der Wirbel um eine angebliche Verlegung eines von derselben Stiftung organisierten Benefizspiels mit Lionel Messi und Diego Maradona.

"Scholas Occurrentes" ist inzwischen an der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften angesiedelt. Die Organisation fördert Bildungsprojekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche in 82 Ländern und den Dialog von Kulturen und Religionen. Sie gilt als eines der Lieblingsprojekte des Papstes.

Schriftwechsel werden argwöhnlich beäugt

Argwöhnisch nehmen die Zeitungen auch den Schriftverkehr zwischen dem Präsidentenpalast in Buenos Aires und dem Vatikan unter die Lupe. Hält sich das Kirchenoberhaupt im Schriftverkehr an die üblichen diplomatischen Floskeln, wittern die Journalisten kühle Distanz. Und als Macri aus Anlass des Patronatsfestes Peter und Paul an seinen berühmten Landsmann schrieb, um dessen Einsatz für Frieden und Einheit zwischen den Völkern sowie den Kampf gegen Armut, Drogenhandel und Korruption zu würdigen, werteten die Medien dies als Versuch, neue Bewegung in das Verhältnis zu bringen.

In einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der argentinischen Tageszeitung "La Nacion" stellte der Papst klar, er habe überhaupt kein Problem mit Macri. Dieser scheine ihm "ein nobler Mensch" zu sein. In den sechs gemeinsamen Jahren in Buenos Aires habe es mit dem früheren Hauptstadt-Bürgermeister nur ein einziges Mal Anlass zu einem Konflikt gegeben. Über "einige andere Probleme" habe man privat gesprochen und sie gelöst.

Papstaussage freut Macri

Macri sieht sich nach klärenden Aussagen von Papst Franziskus über ein angeblich gespanntes Verhältnis zwischen ihm und dem argentinischen Kirchenoberhaupt bestätigt. "Wir haben viel zusammengearbeitet und ich hoffe, dass ich ihn auch weiterhin unterstützen kann, bei dem was er tut", sagte Macri während eines Aufenthaltes in Brüssel im Rahmen seiner laufenden Europareise.

Es freue ihn, dass nun bestätigt sei, dass er seit Jahren eine seriöse Beziehung zum Papst pflege, so Macri weiter. Die Klarstellung des Papstes werde hoffentlich auch helfen, vermeintliche Vermittler zum Schweigen zu bringen, die vorgeben würden, im Namen des Papstes zu sprechen, obwohl sie gar nicht dessen Auftrag hätten, so Macri zu argentinischen Medienvertretern.

Wie konnte es dann aber dazu kommen, dass so viele Beobachter latente Spannungen zwischen den beiden vermuten? Den Ursprung haben all diese Einschätzungen im Antrittsbesuch von Macri bei Franziskus vor einigen Wochen im Vatikan. Der Papst ließ anschließend ausschließlich Bilder verbreiten, in denen er kühl und distanziert wirkte. Kein Lächeln, keine Geste, die auf ein herzliches Verhältnis hätte hindeuten können. Vizepräsidentin Gabriela Michetti räumte daraufhin tatsächlich Unstimmigkeiten zwischen Franziskus und Macri ein.

Gewisse Distanz

"Was fehlt, ist ein Gespräch und ein Mate zwischen dem Präsidenten und dem Papst", sagte Michetti. Das aus Argentinien stammende Kirchenoberhaupt müsse ein besseres Verständnis vom Politikkonzept der neuen Regierung bekommen, denn die aktuelle Situation sei sehr kompliziert. Der Papst wisse zwar, dass der frühere Hauptstadt-Bürgermeister Macri "aus gutem Holz geschnitzt" sei, aber es gebe derzeit eine gewisse Distanz zwischen den beiden Persönlichkeiten.

Am Dienstag kommt Macri nun zu einem Besuch nach Berlin. Der bürgerlich-konservative Politiker sucht vor allem Unterstützung für seinen Modernisierungskurs der argentinischen Wirtschaft. Unter Vorgängerin Cristina Kirchner, gegen deren Umfeld inzwischen wegen Korruption ermittelt wird, erlebte die argentinische Wirtschaft einen regelrechten Absturz. Dass Macri als Reaktion darauf schmerzhafte Eingriffe im öffentlichen Dienst vornahm und tausende Argentinier daraufhin ihren Job verloren, kritisierte die Kirche des Landes scharf.

Sie fordert von Macri ein beherztes Vorgehen gegen die Armut, will dem neuem Staatsoberhaupt aber auch Zeit einräumen, Argentinien eine eigene Handschrift zu verpassen. Macri wird in Deutschland auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammentreffen und dann sicherlich die Frage vernehmen, die er seit Monaten am häufigsten hört: Wann kommt Franziskus denn endlich in sein Heimatland Argentinien? Ob der Präsident darauf antworten kann, ist fraglich.

Tobias Käufer
(KNA)

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