Papst Franziskus besucht Armenien
Papst Franziskus besucht Armenien

24.06.2016

Papst Franziskus sucht Frieden für die Kaukasusregion Blick zurück nach vorn

Schon zum Auftakt seines Besuchs in Armenien kommt Franziskus nicht umhin, sich zum Thema Völkermord zu äußern. Er tut es pointiert - aber will dabei nicht stehenbleiben.

An dem Morgen, als ganz Europa nach London schaut, reist der Papst in die entgegengesetzte Richtung, nach Armenien. Den "Brexit" kommentiert er im Flugzeug mit den Worten, jetzt stünden alle in der Verantwortung, das Wohl jenes Volkes sicherzustellen, das sich so entschieden hat - und zugleich "das Wohl und das Zusammenleben des ganzen europäischen Kontinents". Dass Partikularinteressen nicht die Sorge um das Gemeinsame aufheben - das ist auch eine Botschaft, die Franziskus an den Krisenherd auf der anderen Seite Europas trägt.

Der Kaukasus ist nach wie vor eine Konfliktregion. Der Kampf um das mehrheitlich von Armeniern bewohnte, aber völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehörende Berg-Karabach kostete seit 1923 mehr als 30.000 Menschen das Leben. Nach dem jüngsten blutigen Schlagabtausch im April kommen Friedensbemühungen nur zäh voran.

Relativ stiller Empfang

Vor diesem Hintergrund besucht Franziskus jetzt Armenien und im September Aserbaidschan und Georgien. Es handle sich um eine Reise in zwei Etappen, heißt es im Vatikan. Und es wird, so scheint es am ersten Besuchstag, eine Reise mit wenig Euphorie. Gewiss wird der Papst auf dem Flughafen mit prächtig-postsozialistischem Pomp willkommen geheißen. Doch wenige Kilometer entfernt in der Hauptstadt Eriwan ist davon nichts zu spüren: Die Menschen gehen ihrer Arbeit nach und erledigen Einkäufe im Stadtzentrum, dessen Tristesse nicht einmal gelb-weiße Vatikanwimpel aufhellen.

Was der Papst hier will, deutet er im Präsidentenpalast an. Den mit Blick auf den Nachbarn Türkei heikelsten Punkt geht er als ersten an: die Massaker von 1915. Spekulationen, ob er wohl das Wort "Völkermord" benutzt, hatten Journalisten im Vorfeld so sehr beschäftigt, dass Vatikansprecher Federico Lombardi schon leicht genervt von "Obsession" sprach. Die Gastgeber, das armenisch-katholische Kirchenoberhaupt Karekin II. und Präsident Sersch Sargsjan, verwendeten den Begriff dafür im Vorfeld sehr betont - und mit einem geschickten rhetorischen Schachzug.

Beide verwiesen auf eine Predigt von Franziskus im April 2015, in der er selbst von "Völkermord" gesprochen hatte, wenngleich in einem Zitat von Johannes Paul II. Sargsjan nannte es nun einen "Triumph der Gerechtigkeit", dass aus dem Herzen der katholischen Welt die Klarstellung erging, "dass die ersten Massengräuel der Menschheit, der armenische Genozid, eine historische Tatsache und unleugbare Wirklichkeit ist".

Papst spricht erneut von Genozid

Franziskus selbst benutzt erst den armenischen Ausdruck "Metz Yeghern", das "Große Unglück" - ergänzt dann aber doch das im Skript nicht vorgesehene Wort "Genozid". Diese Tragödie, so der Papst, war "die erste in der traurigen Reihe der ungeheuren Katastrophen des vergangenen Jahrhunderts, die möglich wurden durch irrige rassische, ideologische oder religiöse Begründungen, die den Sinn der Schlächter so weit verdunkelten, dass sie die Vernichtung ganzer Völker planten". Und - auch das eine freie Einfügung - er wirft den Weltmächten von damals vor, weggeschaut zu haben.

Vor allem aber lenkt der Papst den Blick in die Zukunft, ruft dazu auf, aus "diesen tragischen Erfahrungen" Lehren zu ziehen, um ähnliche Schrecken zu verhindern. Als Mittel empfiehlt er eine friedliche Konfliktlösung zwischen den Staaten und die Zusammenarbeit aller Gläubigen, "um jeden zu isolieren, der sich der Religion bedient, um kriegerische Vorhaben voranzubringen".

Spannungsabbau

Franziskus erinnert an die Situation von verfolgten Christen, an Konflikte weltweit und an die erzwungene Flucht ganzer Völker. Überall hier könne das armenische Volk aus eigener Erfahrung bei Lösungen helfen. Franziskus vergisst auch nicht, zu Bemühungen um mehr Rechtsstaatlichkeit und soziale Gerechtigkeit im Land selbst zu ermutigen.

Erst am Schluss kommt er auf den Knoten zu sprechen, den es in der Region zu lösen gilt: "brauchbare Wege, um die Spannungen mit einigen Nachbarländern zu überwinden". Jeder weiß, dass Aserbaidschan und die Türkei gemeint sind. Am Samstag will Franziskus das Völkermord-Mahnmal Zizernakaberd besuchen und dort vor allem nach vorne schauen. Denn die Erinnerung an die schmerzliche Vergangenheit soll nicht das letzte Wort haben.

Burkhard Jürgens
(KNA)

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