Eriwan und Ararat
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Genozid-Gedenkstätte im armenischen Eriwan
Genozid-Gedenkstätte im armenischen Eriwan
Archäologe und Theologe Matthias Kopp
Archäologe und Theologe Matthias Kopp

24.06.2016

Hohe Erwartungen in Armenien an Papstbesuch "Auf klare Worte des Papstes gefasst machen"

Matthias Kopp ist Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz und Armenien-Kenner. Im Interview blickt er auf den Stand der Ökumene, die Spannungen mit der Türkei und auf ein armes Land mit hohen Erwartungen an den Papstbesuch.

domradio.de: Papst Franziskus wird auch die Gedenkstätte des Genozids an die Armenier besuchen. Ein ganz klares Zeichen, das in der Türkei sicher auf viel Widerspruch stoßen wird, oder?

Matthias Kopp (Sprecher der Deutschen Bischofskonferernz): Das war auch 2001 schon so, als Papst Johannes Paul II. dieses Monument besucht hatte und dort ein eindringliches Gebet sprach. Die Türkei wird das auch jetzt beobachten, wenn Franziskus da ist. Wir dürfen uns auf klare Worte des Papstes gefasst machen, wenn er am Samstag an diesem Ort beten wird.

domradio.de: Die Situation zwischen der Türkei und Armenien ist sehr angespannt. Die Armenier blicken voll Sehnsucht auf ihren Heiligen Berg Ararat. Von dort wurden sie von den Türken einst vertrieben. Wird der Papst gegenüber der Türkei deutliche Worte sagen?

Matthias Kopp: Er wird zumindest die Frage von Flucht und Vertreibung ansprechen. Der Papst wird ja selbst am Sonntag im Kloster Chor Virap von der armenischen Seite auf die türkischen Grenzanlagen schauen und bei gutem Wetter zum Berg Ararat sehen können. Er wird bestimmt Worte finden, um die politischen Konflikte im Südkaukasus anzusprechen. Und er wird wie schon bei anderen Auslandsreisen jede Chance nutzen, für einen Friedensappell in der Region zu sorgen.

domradio.de: Wie ist das Verhältnis der katholischen Kirche zur armenisch apostolischen Kirche, der die meisten Armenier angehören?

Matthias Kopp: Ausgesprochen positiv. Da hat sich in den vergangenen 20 Jahren viel getan, das ist auch Johannes Paul II. zu verdanken, der damals kurz vor seiner Reise eine wichtige theologische Erklärung mit dem damaligen Oberhaupt der armenischen Kirche unterschreiben konnte. Dort wurden wichtige christologische Differenzen als überwunden anerkannt. Es wird also ein ökumenefreundliches Klima sein. Das sieht ganz anders aus, wenn Franziskus Ende September nach Georgien fährt, wo ihm die georgisch-orthodoxe Kirche doch eher mit Skepsis begegnen wird.

domradio.de: Armenien ist ein armes Land, der Papst geht also wieder einmal an die Ränder der Gesellschaft zu den Menschen, die nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen.

Matthias Kopp: Wer durch Armenien reist, sieht ein wunderschönes Land mit einer großartigen Kultur und Natur. Aber es ist ein sehr armes Land, mit einer Industrie, die seit über 20 Jahren brach liegt. Es gibt eine offizielle Arbeitslosenquote von 18 Prozent, die eigentliche Quote wird deutlich höher sein. Zudem ist Armenien 1987 durch ein gigantische Erdbeben im Norden des Landes stark zerstört worden. Auch dorthin reist der Papst, auch weil die katholische Kirche damals erhebliche Aufbauarbeit geleistet hatte. Also ein armes Land, das aber natürlich hofft, durch diesen Papstbesuch etwas in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit zu kommen.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(dr)

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