Papstreise
Papst Franziskus besucht ab Freitag Armenien

23.06.2016

Armeniens Botschafter zur Reise des Papstes in den Kaukasus "Wir sind zu einer Aussöhnung immer bereit"

Diese Woche bricht Papst Franziskus zu einer dreitägigen Reise nach Armenien auf. Der Botschafter Armeniens in Berlin, Ashot Smbatyan, äußert sich im Interview zu Erwartungen an den Papst und den Chancen auf politische Durchbrüche.

KNA: Herr Botschafter, haben Sie Verständnis für Ihren türkischen Botschafterkollegen beim Heiligen Stuhl, dass er ein Interview zur Armenien-Reise des Papstes seit Wochen vermeidet?

Ashot Smbatyan: Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Der Papst reist in der ganzen Welt - und dieses Jahr eben nach Armenien, was uns sehr freut. Das braucht der Vatikan meines Erachtens mit niemandem abzustimmen, auch nicht mit dem türkischen Botschafter im Vatikan.

KNA: Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem Besuch?

Smbatyan: In diesem Jahr begeht die Republik Armenien den 25. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit. In diesem Kontext sehe ich die Bedeutung des Besuchs von Franziskus. Das armenische Volk blickt auf 3.000 Jahre Geschichte zurück; für die armenische Identität ist diese Historie ebenso wichtig wie das Christentum. Anfang des 4. Jahrhunderts wurden wir das erste Land, in dem das Christentum zur Staatsreligion erklärt wurde. Darauf sind wir stolz, und ich glaube, dass Franziskus und Katholikos Karekin II. diese historische Tatsache würdigen, wie sie auch über die Zusammenarbeit der Kirchen sprechen werden.

Neben dem geistlichen Aspekt hat der Besuch aus meiner Sicht auch eine hohe regionale und geopolitische Bedeutung. Die Weltöffentlichkeit wird an diesen Tagen auf Armenien schauen. Es liegt auf der Hand, was für eine Bedeutung der Papstbesuch für Armenien hat.

KNA: Dabei ist Franziskus in Armenien doch nur der Führer einer kleinen Minderheit.

Smbatyan: Das sehe ich etwas anders. Es geht doch nicht um Minder- oder Mehrheiten. Er ist Oberhaupt von 1,2 Milliarden Christen weltweit, tritt global für Gerechtigkeit und Frieden ein. Und wir leben in einer Region mit gewissen Schwierigkeiten.

KNA: Brauchen Sie den Rat des Papstes?

Smbatyan: Selbstverständlich brauchen wir seine Botschaften. Auf allen Reisen appelliert er an die politisch Verantwortlichen, mehr gegen Armut und Migration zu tun. Als kleines Land haben wir bislang 20.000 Flüchtlinge aufgenommen, hauptsächlich Armenier aus Syrien. Teils sind es Familien, die schon das zweite Mal Opfer von Krieg und Vertreibung wurden, zuerst durch den Völkermord im Osmanischen Reich.

Für uns sind 20.000 Flüchtlinge eine enorme Last. Aber wir sehen, dass wir für unsere Brüder und Schwestern etwas tun müssen. Ich bin sicher, dass der Papst dazu eine Botschaft sendet. Außerdem besucht Franziskus die Stadt Gyumri, in der die Diözese der armenisch-katholischen Kirche beheimatet ist. Das ist zugleich die am stärksten betroffene Region des Erdbebens von 1988, dessen Folgen noch immer nicht endgültig beseitigt sind.

KNA: Eine Sache sind Worte der Ermutigung, eine andere Kritik an Korruption, Umweltschäden oder sozialen Missständen. Was erwarten Sie sich hierbei?

Smbatyan: Armenien versucht die Zusammenarbeit mit der EU zu vertiefen. Ende 2015 haben wir in Brüssel Verhandlungen für einen breiteren Rahmenvertrag vereinbart, die hoffentlich dieses Jahr zu einem Abschluss kommen. Die Europäische Union erwartet von uns unter anderem einen stärkeren Kampf gegen Korruption, mehr Rechtsstaatlichkeit und Einsatz für eine unabhängige Justiz. Da sind wir auf dem Weg und benötigen Rat und mehr Unterstützung.

KNA: Der Vatikan hat die Aussöhnung der Erzfeinde Kuba und USA maßgeblich mit vorbereitet. Können Sie sich etwas Ähnliches mit Armenien und Aserbaidschan vorstellen?

Smbatyan: Von armenischer Seite kann ich sagen: Wir sind zu einer Aussöhnung immer bereit. Allerdings war es Aserbaidschan, das im April trotz des Waffenstillstands von 1994 einen breiten Angriff auf Berg-Karabach unternommen hat. In diesem Konflikt steht Armenien aufseiten der Bevölkerung von Berg-Karabach. Unser Präsident hat sich in Wien für eine politische und friedliche Lösung ausgesprochen, jedoch auf Grundlage der Prinzipien, die auch Aserbaidschan unterzeichnet hat: Verzicht auf Gewalt und Gewaltdrohungen, Selbstbestimmungsrecht der Völker und territoriale Integrität.

Beide Seiten müssen zu einem Kompromiss bereit sein. Es darf keine Sieger und keine Besiegten geben. Es geht nicht um das Territorium, sondern um die Menschen. Wichtig ist, dass die aserbaidschanische Seite akzeptiert, dass die Bevölkerung Berg-Karabachs einschließlich zurückkehrender Flüchtlinge ihr international anerkanntes Recht auf Selbstbestimmung bekommt. Als Friedensstifter und bedeutende Stimme des Weltgewissens findet der Papst ein weltweites Echo. Dies erhoffe ich mir auch bei seinem Armenien-Besuch.

KNA: Ursprünglich plante Franziskus eine kombinierte Reise nach Armenien und Aserbaidschan. Jetzt erfolgen die Besuche getrennt - angeblich, weil es Widerstand der armenischen Regierung gab. Stimmt das?

Smbatyan: Ich erlaube mir nicht, die Entscheidungen des Papstes und des Vatikan zu kommentieren.

KNA: Wenn Sie die türkischen Reaktionen auf die Bundestags-Resolution zu Armenien sehen - raten Sie dem Papst beim Besuch des Völkermordmahnmals zur Vorsicht, oder erwarten Sie jetzt erst recht deutliche Worte?

Smbatyan: Der Papst muss nicht erst nach der Bundestags-Resolution deutliche Worte finden. Das hat er schon vor einem Jahr getan. So wie er auch bei anderen Anlässen Appelle an die zivilisierte Welt richtet und stets die Dinge beim Namen nennt, so wird es auch jetzt sein. Die Reaktion der türkischen Regierung ist für mich inakzeptabel. Ich wünschte mir, dass die Repräsentanten des türkischen Staates sich mit dem gleichen Eifer dem Inhalt der Resolution und der Umsetzung ihrer Empfehlungen widmeten. Mit Einschüchterungsversuchen tut sich die Türkei keinen Gefallen.

Das Interview führte Burkhard Jürgens.

(KNA)

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