Papst Franziskus mit Flüchtlingen auf Lesbos
Papst Franziskus mit Flüchtlingen auf Lesbos
Berührendes Geschenk: Papst Franziskus zeigt auf dem Rückflug von Lesbos ein Bild, gemalt von Flüchtlingskindern
Berührendes Geschenk: Papst Franziskus zeigt auf dem Rückflug von Lesbos ein Bild, gemalt von Flüchtlingskindern
Papst Franziskus begrüßt die mitgereisten Flüchtlinge auf dem Flughafen in Rom
Papst Franziskus begrüßt die mitgereisten Flüchtlinge auf dem Flughafen in Rom

17.04.2016

Positive Resonanz auf Papstbesuch "Kraftvolle Demonstration von Solidarität"

Papst Franziskus hat mit seinem Besuch bei einem Flüchtlingslager auf Lesbos Zeichen gesetzt. Besonderes Lob bekam er dafür vom UN-Flüchtlingshilfswerk. Kirchenvertreter würdigten den Besuch als "starkes Zeichen für Menschlichkeit". 

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat die Solidaritätsgesten von Papst Franziskus mit den Flüchtlingen in Europa gelobt. Diese "kraftvolle Demonstration von Solidarität" müsse Regierungen und Gesellschaften inspirieren "in einer Welt, in der man der .verzweifelten Suche von immer mehr Vertriebenen zu oft von Barrieren, Zurückweisung und Furcht und Furcht", erklärte UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi am Samstagabend in Genf. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR fordert seit langem, dass die Staaten weltweit angesichts der außerordentliche Situation mehr Flüchtlinge aufnehmen. 

Papst Franziskus hatte am Samstag von der griechischen Insel Lesbos aus zu internationaler Solidarität mit Flüchtlingen aufgerufen. "Wir hoffen, dass die Welt diese Situationen tragischer und wirklich verzweifelter Not beachtet und in einer Weise reagiert, die unserem gemeinsamen Menschsein würdig ist", sagte er im Flüchtlingslager Moria. Man dürfe man nie vergessen, "dass Migranten an erster Stelle nicht Zahlen, sondern Personen sind, Gesichter, Namen und Geschichten".

Vatikan sorgt für Flüchtlinge 

Auf seinem Rückflug nach Rom nahm der Papst von Lesbos zwölf muslimische Flüchtlinge aus Syrien in seiner Maschine mit. Der Vatikan will für ihre Aufnahme und Versorgung sorgen. Beim Besuch im Flüchtlingslager Moria schüttelte der Papst viele Hände und hörte sich die Schilderungen vieler Schicksale an. Ein Mann warf sich laut weinend dem Papst zu Füßen und erbat seinen Segen. Franziskus segnete und umarmte den Mann.

Auf dem Hinflug nach Lesbos hatte Franziskus die gegenwärtige Flüchtlingskrise als "die schlimmste Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg" bezeichnet. Er kritisierte die Lebensbedingungen von Flüchtlingen und forderte "menschenwürdige Lösungen". Es sei eine "Illusion", Zäune aufzurichten, um sich sicherer zu fühlen. Solche Barrieren führten zu Spaltungen und Auseinandersetzungen. 

Kirchenvertreter betonen Zeichen der Menschlichkeit 

Deutsche Kirchenvertreter haben den Besuch von Papst Franziskus bei Flüchtlingen auf der griechischen Insel Lesbos gewürdigt. Er sei "ein starkes Zeichen für Menschlichkeit", sagte der Bamberger Erzbischof und Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Ludwig Schick, am Sonntag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sieht darin einen Appell "für die Wahrnehmung der Verantwortung Europas und nicht nur Europas gegenüber den Menschen, die vor Terror und Krieg fliehen", wie er auf Facebook schrieb. Zugleich machte sich der bayerische Landesbischof ausdrücklich die gemeinsame Erklärung des Papstes mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und dem orthodoxen Athener Erzbischof Hieronymos II. zu eigen: «Jeder Satz dieser Erklärung spricht mir aus dem Herzen.»

Schreiben wichtiges ökumenisches Zeichen 

Auch Schick hob das Schreiben als wichtiges ökumenisches Zeichen hervor. "Die Konsequenz muss sein: Alle Staaten, nichtstaatlichen Organisationen und Religionsgemeinschaften müssen menschlich mit den Geflüchteten umgehen und gemeinsam eine gute Zukunft für sie suchen", so der katholische Weltkirche-Bischof.

Der EKD-Chef warnte davor, das Schicksal der Flüchtlinge auszublenden, da nun viele an den Grenzen Europas festgehalten oder in die Türkei zurückgeschickt würden. "Die Glaubwürdigkeit Europas hängt daran, dass jetzt auch wirklich die im Türkeiabkommen vorgesehenen legalen Fluchtwege Wirklichkeit werden", betonte Bedford-Strohm.

Griechen angetan von herzlichen Worten 

Der Kurzbesuch des Papstes auf der Ägäisinsel Lesbos und das Engagement des Kirchenoberhaupts für die Flüchtlinge hat die Griechen beeindruckt. "Der Papst hat die geschlossenen Grenzen gesprengt", titelte eine Sonntagszeitung. Andere berichteten, Franziskus und der griechisch-orthodoxe Patriarch Bartholomaios I. hätten sich im Geist der Mitmenschlichkeit verbündet.

Der Besuch des Papstes habe ein Zeichen für die Ökumene gesetzt, sagte Ministerpräsident Alexis Tsipras am späten Samstagabend dem Fernsehsender ERT. "Es gibt manche europäische Länder, die ihre Mauern (gegen die Flüchtlinge) im Namen des Christentums errichten", kritisierte Tsipras. Nicht zuletzt deshalb habe die Visite des katholischen Kirchenoberhaupts starken Symbolcharakter gehabt.

Besonders hervorgehoben wurden in den Medien die herzlichen Worte des Papstes an das griechische Volk, das trotz eigener Schwierigkeiten Herzen und Türen für Flüchtlinge geöffnet habe. Franziskus war am Samstag zu einem Kurzbesuch nach Lesbos gereist, um zusammen mit orthodoxen Würdenträgern ein Zeichen in der Flüchtlingskrise zu setzen.

 

 

 

(KNA, dpa, epd)

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