Papstschreiben Amoris Laetitia
Amoris Laetitia

11.04.2016

Internationale Pressestimmen zu "Amoris Laetitia" "Ein Dokument der Waffenruhe"

Weltweit hat das Papstschreiben zu Ehe und Familie ein lebhaftes und teils kontroverses Echo auch in den Medien gefunden. Die katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert einige internationale Pressestimmen.

Der Kommentator der linken britischen Tageszeitung Guardian befindet unter dem Titel "Wiedergutmachung", Papst Franziskus sei überzeugt, "dass die eigentliche Aufgabe der Kirche viel mehr in der Fürsorge für jene besteht, die nicht nach ihrer Lehre leben können, als für jene, die das leicht finden". Es sei ein Fehler, wenn man sich von Anfang an entscheide, dem Papst nicht zuzuhören. Franziskus habe "eine Menge interessanter Dinge" zu sagen; und er mache sich "weniger Illusionen als seine Vorgänger, wie diese Dinge von den Gläubigen angenommen werden". Der Papst halte in seinem Dokument alle kirchlichen Lehren aufrecht - auch die der christlichen Barmherzigkeit.

Die New York Times erinnert daran, dass die Moderne ein Problem für alle Religionsgemeinschaften sei. Uneinigkeit über die Autorität der Tradition, die Verlässlichkeit der Heiligen Schrift und schließlich die richtige Antwort auf die sexuelle Revolution habe es Liberalen und Konservativen "unmöglich gemacht, in Gemeinschaft miteinander zu bleiben". Nur die katholische Kirche habe "Wege der Koexistenz" angesichts der Spannung von Lehre und Praxis gefunden. Mit seinen "teils schwammigen Sätzen" scheine Papst Franziskus die "vielerorts gängige Praxis" der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener durch einzelne Priester zu ermutigen. Die "neue päpstliche Lehre" sei "eine Lehre im Sinne der Waffenruhe" zwischen Konservativen und Liberalen.

Die linksliberale spanische Tageszeitung El Pais schreibt: "Amoris laetitia sammelt und interpretiert die Überlegungen der Bischöfe aus der Familiensynode, aber sie wird - ganz im Franziskus-Stil - die unnachgiebigen Strömungen in der Kirche in Bedrängnis bringen. (...)" Diesen Seelsorgern bescheinigt er "verschlossene Herzen", die sich hinter der kirchlichen Lehre versteckten.

Die konservative ABC (Madrid) dankt hingegen "jenen, die dafür gekämpft haben, dass eine korrekte Auslegung der göttlichen Barmherzigkeit beibehalten wird, zu der auch die Respektierung von Recht und Wahrheit gehören." Namentlich nennt sie "Leute wie Müller, Sarah und Burke, die Beleidigungen und Beschimpfungen hinnahmen, die als Feinde des Papstes dargestellt wurden und die nun sehen, dass sich ihre Anstrengung gelohnt hat." Da der Papst in seinem Dokument an der Lehre festgehalten habe, könne man über deren Verteidiger das sagen, was weiland Churchill im Zweiten Weltkrieg über die siegreichen britischen Kampfflieger äußerte: "Noch nie hatten so viele so wenigen so viel zu verdanken."

Die Manila Times (Philippinen) unterstreicht den Wert des ersten, biblisch geprägten Teil von "Amoris laetitia": "Alles, was in dem päpstlichen Schreiben folgt, ganz zu schweigen von der ganzen katholischen Morallehre und ihren Werten, gründet auf den Prinzipien und Wahrheiten, die im ersten Kapitel (...) dargelegt sind." Bevor man in den "weltweiten Chor der Kommentare" über die folgenden Teile des Dokuments zu wiederverheirateten Geschiedenen, gleichgeschlechtlichen Beziehungen und Empfängnisverhütung einstimme, gelte es diese "vorrangigen, grundlegenden und oft vergessenen katholischen Überzeugungen hinsichtlich der Familie zu bedenken".

Die linke Tageszeitung Liberation (Paris) fragt, was nun mit den wiederverheirateten Geschiedenen wird, und meint: "Die Kirche ist ihnen gegenüber sehr unbeweglich. Und sie wird es bleiben. Sie dürfen nicht zur Kommunion oder zur Beichte, sie dürfen nicht Taufpaten werden." Diese Strenge entspricht nach Auffassung des Blattes "kaum noch der heutigen Zeit und führt seit einem Vierteljahrhundert zu heftigen Debatten." Im Ländervergleich stellt "La Liberation" fest: "Die deutschen Bischöfe plädieren für eine Veränderung. In Frankreich, wo der Episkopat konservativer ist, gilt das weniger. In dieser delikaten und umstrittenen Frage hat der Papst keine endgültige Entscheidung gefällt. Aber er hat die Tür für eine Anpassung geöffnet."

(KNA)

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