Papst Franziskus trifft Thüringens Ministerpäsidenten Bodo Ramelow
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Angeregte Unterhaltung
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26.02.2016

Thüringens Ministerpräsident Ramelow bei Franziskus "Papstbesuch 2017 unwahrscheinlich"

Nach der gestrigen Absage aus Krankheitsgründen war es am Freitag so weit: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow wurde von Papst Franziskus in Audienz empfangen. Der größte Wunsch des Linken-Politikers konnt aber wohl nicht erfüllt werden.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow geht nicht davon aus, dass Papst Franziskus zum Reformationsjubiläum 2017 nach Deutschland kommt. Während seiner Audienz bei Franziskus am Freitag im Vatikan habe der Papst seine Einladung zwar höflich aufgenommen, "aber eher mit einem Zwinkern", sagte Ramelow nach der Begegnung. Einen Besuch in diesem Jahr schloss der Papst demnach mit Verweis auf seinen Terminkalender definitiv aus. Der Papst hoffe aber, dass die Christen in Deutschland ein starkes Zeichen für ihre gemeinsamen menschlichen Werte setzten, so Ramelow, der bekennender Protestant ist.

Franziskus wurde bereits von Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsidenten anderer Bundesländer zu einem Besuch in Deutschland eingeladen. Vor einer Woche hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, vor Journalisten erklärt, ein Besuch des Kirchenoberhaupts sei zunächst kein Thema mehr. Zugleich betonte er, das heiße nicht, dass das Projekt Papst-Visite nicht grundsätzlich weiterverfolgt werde.

Lob für deutsche Flüchtlingspolitik

Ramelows Audienz bei Franziskus war ursprünglich bereits für Donnerstag geplant, wegen einer Erkrankung des Papstes jedoch verschoben worden. Während des rund 30-minütigen Treffens habe er mit dem Papst auch über die Entchristlichung der früheren DDR durch die kommunistischen Machthaber gesprochen, sagte Ramelow. Als Linken-Politiker empfinde er eine besondere Verantwortung dafür, dass die Repressalien des SED-Regimes gegen die Kirchen nicht in Vergessenheit gerieten. Der Papst habe dazu ermutigt, die Wunden der Vergangenheit zu heilen.

Eines der wichtigsten Thema der Unterredung war nach Ramelows Darstellung der Umgang der Deutschen mit Flüchtlingen. Auch mit dem vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin habe er schon am Donnerstag darüber gesprochen, sagte er gegenüber Radio Vatikan. Was Ramelow bei seinen Gesprächspartnern in dieser Hinsicht gespürt hat: "Eine große Anerkennung für das, was Frau Merkel mit dem Satz ‚Wir schaffen das‘ umschrieben hat. Ich habe in dem Gespräch auch deutlich gemacht, dass wir als Landesregierung in Thüringen den Satz aufnehmen und sagen: Wir sorgen dafür, dass wir es schaffen! Jeden Tag sorgen wir für Lösungen. Die Delegation, die mich begleitet hat, besteht ja aus Verantwortlichen, die direkt in der Flüchtlingsarbeit stehen; ich habe ja auch den Eichsfelder Landrat Dr. (Werner) Henning dabei, der CDU-Mitglied ist und als Katholik in seinem Landkreis die Verantwortung trägt. Auch da wird deutlich, dass dort das Fundament der christlichen Nächstenliebe auch politisch gelebt wird und dass es uns als Demokraten nicht trennt."

Statue der Heiligen Elisabeth als Geschenk

Allerdings, so der Ministerpräsident weiter: "Wenn wir es schaffen wollen, brauchen wir auch das Geld dafür, damit wir die Integrationsleistungen stemmen!" Das sei seine Botschaft an den deutschen Finanzminister Schäuble. Die "leidige Geldfrage" müsse geklärt werden – in Berlin natürlich, nicht im Vatikan. Der erste Schritt bestehe jedoch darin, "die Bevölkerung einzuladen, Mut zu haben und nicht Angst". "Wir wollen mit denen reden, die Ängste haben – aber wir wollen denen keinen Raum geben, die Ängste schüren, und Hasspredigern dürfen wir erst recht keine Bühne liefern!" Er habe sich beim Papst ausdrücklich dafür bedankt, dass beim Erfurter Dom die Beleuchtung ausgeknipst wird, wenn die AfD oder ähnlich Denkende am Domberg demonstrieren.

Für seinen Besuch bei Franziskus habe er auf seiner Facebook-Seite auch viele Schmähungen und "schreckliche Kommentare" aus dem linken Spektrum erhalten. Inzwischen lösche er solche Bemerkungen umgehend, so Ramelow. Als Geschenk überreichte Ramelow dem Papst eine Statue der aus Ungarn stammenden thüringischen Heiligen Elisabeth (1207-1231). Außerdem schenkte er ihm ein Faksimile der Lutherbibel. Ramelow betonte gegenüber dem Papst, Martin Luther (1483-1546) habe diese Übersetzung während seines Exils auf der thüringischen Wartburg 1521/22 als katholischer Priester verfasst.

(KNA, rv)

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