Mexikos Menschenrechtler hoffen auf starkes Signal des Papstes

Hohe Erwartungen an Franziskus

Die verschwundenen Studenten von Iguala, Drogenkrieg, Entführungen - die Menschenrechtslage in Mexiko ist mehr als heikel. Dementsprechend groß ist die Erwartungshaltung von Aktivisten und Angehörigen an Franziskus.

Autor/in:
Tobias Käufer
Papst Franziskus vor Mexikobesuch / © Paul Haring (KNA)
Papst Franziskus vor Mexikobesuch / © Paul Haring ( KNA )

Kaum ein Thema wurde in Mexiko vor dem am Freitag beginnenden Papstbesuch häufiger diskutiert als ein mögliches Treffen von Franziskus mit den Eltern der 43 vermissten Lehramtsstudenten von Iguala. Kein Tag vergeht ohne neue Meldungen, ob es nun zu einer persönlichen Begegnung kommen wird oder nicht. Nun scheinen die mexikanischen Bischöfe, die angesichts der vielen tausend Vermissten des Drogenkrieges eine Sonderrolle der 43 Elternpaare als problematisch ansehen, und der Vatikan, der gerne ein Zeichen setzen will, einen Kompromiss gefunden zu haben.

Verschwinden von Studenten ungeklärt

Der Fall von Iguala ging vor knapp anderthalb Jahren durch die weltweite Presse. Am 26. September 2014 wurden 43 Studenten der Lehrerausbildungsstätte Raul Isidro Burgos entführt und mutmaßlich ermordet. Die Hintergründe der Tat, die weltweit für Entsetzen sorgte, sind bis heute nicht vollständig geklärt. Gerade einmal die sterblichen Überreste eines Studenten konnten zweifelsfrei identifiziert werden.

Opferverbände wollen Treffen mit Franziskus

Doch es ist eben nur ein Fall von vielen. Opferverbände drängen ebenfalls auf ein Treffen mit dem Papst, denn in Mexiko sind seit 2006 mehr als 70.000 Menschen im Krieg gegen die Drogenkartelle ums Leben gekommen, Tausende Menschen sind zudem spurlos verschwunden. In Ciudad Juarez etwa drängen die Mütter von verschwundenen Jugendlichen auf ein Treffen mit dem Kirchenoberhaupt. Die schwierige Frage ist deshalb: Soll man den Fall von Iguala symbolisch hervorheben oder den medial sehr offensiv auftretenden Eltern keine Sonderrolle zugestehen?

Nun sind für drei Vertreter der Eltern nach mexikanischen Medienberichten vom Dienstag drei Plätze in der ersten Reihe des Abschlussgottesdienstes der Mexiko-Reise von Papst Franziskus reserviert. Dies ist anscheinend ein Kompromiss. Wie lokale Medien berichteten, erfolgte die Geste auf Wunsch des Vatikan. Ein persönliches Treffen mit den Familienangehörigen sei dagegen nicht geplant.

Gottesdienst in Ciudad Juarez

Es wird erwartet, dass Franziskus während des Gottesdienstes in Ciudad Juarez speziell auf die Themen Gewalt und Flucht eingehen wird. Lange galt die mexikanische Grenzmetropole als eine der gefährlichsten Städte der Welt. Zuletzt hatten mexikanische Nichtregierungsorganisationen, die sich für die Menschenrechte engagieren, auf eine starke Botschaft des Papstes gedrängt.

Hoffen auf Gesten des Papstes

Alberto Solis Castro (32), Direktor der vom kirchlichen Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützten Menschenrechtsorganisation SERAPAZ, weiß um die Hoffnungen der zivilrechtlichen Organisationen in Mexiko. "Die Erwartungshaltung ist groß", sagte Solis der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es gebe in den unterschiedlichen Sektoren der Zivilgesellschaft die Hoffnung, dass sich der Papst zu den verschiedenen Themen klar äußern werde. "Da ist die Frage des Kampfes um die Landrückgabe, der indigenen Rechte, der Menschenrechte", so Solis. "Sie alle erwarten vom Papst ein paar Worte, ein paar Gesten." Der Papstbesuch, so auch die Einschätzung des katholischen Priesters und Trägers des nationalen Menschenrechtspreises Alejandro Solalinde, werde "einen sehr positiven Einfluss auf Mexiko haben".

Sorgen der Bischöfe

Eine solche Erwartungshaltung macht den mexikanischen Bischöfen Sorge. "Der Papst kann keine Wunder vollbringen", so der päpstliche Nuntius, Erzbischof Christopher Pierre, im Vorfeld der Reise.

Franziskus komme nicht als Politiker, sondern als Seelsorger nach Mexiko. Doch in einem Land, in dem es kaum mehr Persönlichkeiten gibt, die eine moralische Führungsrolle übernehmen können, ist die Sehnsucht nach einer Identifikationsfigur riesengroß. Der Cheforganisator der Papstreise und Weihbischof von Puebla, Eugenio Andres Lira Rugarcis, formulierte es jüngst so: "Der Papst beherrscht die Kunst der scharfen Kritik. Er ist vorbereitet".


Quelle:
KNA