Sr. Anna Mirijam Kaschner
Sr. Anna Mirijam Kaschner

26.01.2016

Katholische Kirche in Schweden freut sich auf den Papstbesuch Eine kleine ökumenische Sensation

Franziskus reist im Herbst zum Reformationsgedenken nach Schweden. Für die katholische Minderheit ist das ein Anlass zur Freude, sagt die Generalsekretärin der Nordischen Bischofskonferenz, Schwester Anna Mirijam Kaschner.  

domradio.de: Was haben Sie gedacht, als Sie gehört haben, dass der Papst jetzt wirklich kommt?

Schwester Anna Mirijam Kaschner: Als erstes habe ich mich riesig gefreut. Das ist schon etwas Besonderes für uns in den nordischen Ländern. Es ist eigentlich erst das zweite Mal in der gesamten Kirchengeschichte, dass ein Papst Skandinavien betritt. Das ist ein Grund zu großer Freude. Andererseits war ich auch überrascht. Klar, es hatte vorher so einige Andeutungen gegeben, dass er vielleicht kommen wird, aber wir haben damit ehrlich gesagt nicht gerechnet. Von daher war die Überraschung und die Freude groß.

domradio.de: Es ist tatsächlich erst der zweite Papstbesuch überhaupt in Schweden seit Johannes Paul II. 1989 da war. Und dann nimmt Franziskus auch noch an einer katholisch-lutherischen Reformationsgedenkfeier teil – ist das eine kleine ökumenische Sensation?

Schwester Anna Mirijam Kaschner: Ich glaube schon, dass es das ist. Es ist eigentlich ja das erste Mal überhaupt, dass der Papst einem so ökumenischen Gottesdienst vorsteht. Wir sind ja als katholische Kirche in unseren Ländern klar in der  Minderheit. Die protestantische Kirche ist sehr stark und wir arbeiten gut mit der evangelischen Kirche zusammen. Aber es ist für uns natürlich bereichernd und ermutigend, dass der Papst sichtbar anwesend unter uns sein wird. Auf diese Weise teilt er mit uns das, was für uns Alltag ist: Nämlich diese kleine Kirche zu sein. Es ist gut für uns zu wissen, dass er diese Erfahrung mit uns teilen wird.

domradio.de: Was erhoffen Sie sich für eine Signalwirkung für die Ökumene in Schweden, vielleicht in ganz Skandinavien?

Schwester Anna Mirijam Kaschner: Es gibt zunächst mal ein sehr großes Interesse an der Person des Papstes – und zwar auch in den nicht-katholischen Medien. Das ist neu. Seit Franziskus unser Papst ist, gibt es ständig, sobald er irgendetwas unternimmt, irgendetwas plant, irgendwelche Reisen macht oder irgendein Dokument unterzeichnet, wird das auch in unseren Zeitungen hier im Norden erwähnt. Das hat es vorher so nicht gegeben. Was wir als katholische Kirche uns erhoffen, ist, dass diese ökumenische Zusammenarbeit noch intensiviert und gestärkt wird. Und zwar nicht mehr so sehr im Hinblick darauf, wie wir als evangelische und katholische Kirche mehr zusammen arbeiten, sondern mehr im Hinblick darauf, wie wir als christliche Kirche sichtbar werden können. Indem wir uns fragen: Wie können wir als christliche Kirchen Zeugnis geben. Und das in einer Situation, in der unsere Gesellschaft doch von einer sehr starken Säkularisierung geprägt ist. Das ist, glaube ich, für uns als Katholiken aber auch für die protestantische Kirche ganz wichtig.

domradio.de: Sie haben das große Presseinteresse angesprochen – wurde denn die Ankündigung der Papstreise mit Sympathie aufgenommen?

Schwester Anna Mirijam Kaschner: Ja, auf jeden Fall. Ich habe mit mehreren Leuten darüber gesprochen, es sind gleich eine ganze Reihe von Interviewanfragen gekommen, auch aus den anderen skandinavischen Ländern, obwohl der Papst da gar nicht hinkommt. Ich habe gestern versucht, den Bischof von Stockholm ans Telefon zu bekommen. Vergeblich, bei ihm war dauerbesetzt, weil er wohl in ständigem Dialog mit schwedischen Journalisten stand. Die Person Papst Franziskus wird wirklich sehr, sehr positiv in unseren skandinavischen Ländern aufgenommen.  

domradio.de: Ein wichtiges Stichwort, wenn wir über Schweden reden,  ist „Flüchtlinge“, auch wenn es um die Kirche geht. Denn kein Land in Europa hat prozentual gesehen mehr Flüchtlinge aufgenommen. Auch viele christliche Flüchtlinge?

Schwester Anna Mirijam Kaschner: Wir haben generell ja sowieso eine große Zuwanderung von Katholiken in unseren Ländern, auch schon vor dieser Flüchtlingskrise. Es gibt zum Beispiel südwestlich von Stockholm, in Södertälje, eine Gemeinschaft von chaldäischen Christen, die sich dort quasi niedergelassen und eine riesengroße Gemeinde aufgebaut haben. Unter den jetzigen Flüchtlingen gibt es auch Christen, aber wie wir das bisher beobachten, sind es nicht allzu viele.

domradio.de: Aber insgesamt können wir schon sagen, dass  Migranten, das Gesicht der katholischen Kirche in Schweden prägen?

Schwester Anna Mirijam Kaschner: Auf jeden Fall. Das können Sie in den Sonntaggottesdiensten sehen. Wir sind eine Kirche - so sage ich das immer gerne - die jeden Sonntag Pfingsten feiert. In unseren Gottesdiensten sind Menschen bestimmt 60, 70 verschiedener Nationalitäten vertreten, wir sind also sehr international. 

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(dr)

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