Papst Franziskus nutzt ein Tablet
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22.01.2016

Papst verteidigt Internet-Chats "Formen menschlicher Kommunikation"

Papst Franziskus hat Internet-Chats und soziale Netzwerke wie Facebook gegen pauschale Vorwürfe verteidigt. "Auch E-Mail, SMS, soziale Netze und Chats können Formen ganz und gar menschlicher Kommunikation sein".

So heißt es in einer päpstlichen Botschaft, die am Freitag veröffentlicht wurde. Ob Kommunikation ein wirklicher Austausch werde, bestimme nicht die Technologie, "sondern das Herz des Menschen und seine Fähigkeit, die ihm zur Verfügung stehenden Mittel gut zu nutzen", so Franziskus in seinem Schreiben zum katholischen Welttag der sozialen Kommunikationsmittel.

Ort der Begegnung

Die digitale Welt sei ein "Ort der Begegnung, wo man liebkosen und verletzen, eine fruchtbare Diskussion führen oder Rufmord begehen kann", schreibt der Papst. Die sozialen Netzwerke könnten Beziehungen begünstigen und das Wohl der Gesellschaft fördern. Andererseits könnten sie aber auch zu einer weiteren Polarisierung und Spaltung unter Menschen und Gruppen führen. Grundsätzlich eigne sich das Internet gut dazu, "eine gesunde und für das Miteinander-Teilen offene Gesellschaft wachsen zu lassen".

Mahnung zu respektvollem Umgang

Zugleich mahnt Franziskus einen respektvollen Umgang in den sozialen Netzwerken an. Ihre Nutzer hätten eine Verantwortung für den anderen, "den wir nicht sehen, der aber real ist und eine Würde besitze, die respektiert werden muss". Auch im Internet müsse eine "wirkliche Bürgerschaft" aufgebaut werden.

Angemessener Ton in Politik und Medien

Ebenfalls solle der Umgangston in Politik und Medien respektvoll sein, so der Papst weiter. Die Verantwortlichen müssten stets wachsam sein "in Bezug auf ihre Äußerungen über Andersdenkende und -handelnde und auch über die, die einen Fehler gemacht haben". "Allzu leicht gibt man der Versuchung nach, solche Situationen auszunutzen und auf diese Weise Öl ins Feuer des Misstrauens, der Angst und des Hasses zu gießen", schreibt Franziskus.

Stattdessen müssten Politiker und Journalisten mit ihren Worten Versöhnungsprozesse zwischen den Menschen einleiten. Dazu sei "positiver und kreativer Wagemut" nötig, der sich für Konfliktlösungen und einen dauerhaften Frieden einsetze.

Trennung nach Sündern und Gerechten überwinden

Franziskus fordert auch die katholische Kirche zu einer respektvolleren Redeweise über Menschen auf, die Fehler begangen haben. Die kirchliche Kommunikation müsse die "Logik der krassen Trennung nach Sündern und Gerechten" überwinden. "Wir können und müssen über Situationen der Sünde - Gewalt, Korruption, Ausbeutung - richten, aber wir dürfen nicht über Menschen richten", betonte der Papst. Ein solches Urteil stehe allein Gott zu. In kirchlichen Äußerungen dürfe niemals "hochmütiger Stolz des Triumphes über einen Feind" zum Ausdruck kommen, so der Papst.

Der 1963 ins Leben gerufene katholische Welttag der sozialen Kommunikationsmittel wird in vielen Ländern am ersten Sonntag vor Pfingsten begangen. Das diesjährige Thema lautet: "Kommunikation und Barmherzigkeit - eine fruchtbare Begegnung". In Deutschland fällt der Tag traditionell auf den zweiten Sonntag im September. Der Papst veröffentlicht seine Botschaft zu diesem Thementag jährlich zum 24. Januar, dem Fest des heiligen Franz von Sales (1567-1622); er ist Patron der Journalisten.

(KNA)

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