Blick in die römische Synagoge
Blick in die römische Synagoge

17.01.2016

Papst Franziskus und das Judentum Lebensnaher Dialog

Erstmals in seiner Amtszeit hat Papst Franziskus am Sonntag eine Synagoge besucht. Zum Judentum hat er seit langem ein enges Verhältnis. Der Dialog profitiert davon. Aber es bleiben Stolpersteine.

Die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem Judentum gehören seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) zu den eher gelungenen Beispielen interreligiösen Dialogs. Respekt, Wohlwollen, aber auch Irritationen prägten seitdem das Verhältnis. Papst Franziskus hat dem Gespräch zwischen Katholiken und Juden neuen Schub gegeben. Am Sonntag besucht er die römische Synagoge - es dürfte ein warmer Empfang werden.

Der Argentinier ist der erste Papst nach 1945, der die Judenverfolgung der Nazis nicht als europäischer Zeitgenosse miterlebt hat. Als der israelische Geheimdienst 1960 den früheren Chef des Judenreferats, Adolf Eichmann, in Bergoglios Heimatstadt Buenos Aires entführte, war der heutige Papst gerade 23 Jahre alt und machte seine ersten Schritte im Jesuitenorden. Juden begegneten ihm vielfach als Emigranten, die dem Holocaust entronnen waren.

Papst Franziskus: Keine Berührungsängste

Schrecken und Schuldgefühle der Kirche angesichts des Mordens beeinflussten die Konzilserklärung "Nostra Aetate" (1965) über das Verhältnis zu den anderen Religionen. Der Text räumte auf mit dem jahrhundertealten Vorwurf an die "Christusmörder" und würdigte die Juden als Teilhaber am göttlichen Heilsplan, auch wenn sie Jesus nicht als Messias anerkennen. Das Dokument öffnete den Stacheldraht zu einem historisch und theologisch verminten Dialog, der dann unter Papst Paul VI. (1963-1978) und besonders im Pontifikat von Johannes Paul II. (1978-2005) große Fortschritte machte.

Bergoglio kannte dabei keine Berührungsängste. Als Erzbischof der argentinischen Hauptstadt suchte er das Gespräch mit Juden immer wieder, lud zu Diskussionszirkeln, besuchte Gedenkveranstaltungen für die Toten der Schoah. Eine enge Freundschaft verbindet ihn seit zwei Jahrzehnten mit dem Leiter des lateinamerikanischen Rabbinerseminars, Abraham Skorka. Kurz nach dem Konklave 2013 erschien das Buch "Über Himmel und Erde", das Gespräche zwischen den beiden zusammenfasst.

Franziskus' Wahl als Dialogimpuls

Darin wird klar: Franziskus geht es beim jüdisch-christlichen Dialog weniger um tiefentheologische Diskussionen, er bewegt sich lieber auf der praktischen Ebene gemeinsamer Ethik. Die Kapitel handeln von lebensnahen Themen wie Armut und Globalisierung, Abtreibung und dem Zerfall von Familien. Für ihn zeigt sich die Freundschaft zwischen den Religionen vor allem im gemeinsamen Einsatz für eine bessere Welt.

Jüdische Vertreter werteten die Wahl Bergoglios damals als Dialogimpuls. Unter seinem Vorgänger Benedikt XVI. (2005-2013) hatte die Affäre um den holocaustleugnenden Traditionalisten-Bischof Richard Williamson und die Wiederzulassung der Karfreitagsfürbitte für eine Bekehrung der Juden die Kontakte zeitweise empfindlich gestört. Dagegen spielte die Aussöhnung mit den traditionalistischen Piusbrüdern, die dem Judentum mit der alten Distanz begegnen, in Franziskus' Amtszeit bisher keine aktive Rolle. Den Weltkriegs-Papst Pius XII. (1939-1958), für den ein umstrittenes Seligsprechungsverfahren läuft, nahm er im Interview mit einer israelischen Zeitung jedoch in Schutz. Dieser habe zwar "ein paar Fehler" gemacht, aber auch viele Juden gerettet. In absehbarer Zeit will er die schon von Benedikt XVI. angekündigte Öffnung der relevanten Archive für die Forschung anordnen.

"Ältere Brüder im Glauben"

Mehrfach empfing Franziskus jüdische Delegationen im Vatikan und erklärte: "Wer Christ ist, kann kein Antisemit sein." Katholiken sollten angesichts wachsender antisemitischer Tendenzen solidarisch an der Seite von Juden stehen. Auf seiner Reise zum Weltjugendtag in Krakau im Juli will er wie seine beiden Vorgänger auch die KZ-Gedenkstätte Auschwitz besuchen. Schon vor zwei Jahren führte ihn seine Heilig-Land-Reise unter anderem nach Israel. Franziskus nahm die von Johannes Paul II. stammende Bezeichnung "ältere Brüder im Glauben" wieder auf, zudem bekräftigte er die Ablehnung der aktiven Missionierung unter Juden.

Allerdings erhält der jüdisch-katholische Dialog vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts schnell eine politische Komponente. Hier kamen von jüdischer Seite zuletzt Klagen, der Vatikan verletze mit seiner Linie für einen Palästinenserstaat die Interessen Israels und setze sich nicht energisch genug für das Existenzrecht des jüdischen Staates ein.

Christoph Schmidt
(KNA)

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