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27.09.2015

Der Papst in Philadelphia Letzte Station Weltfamilientreffen

Papst Franziskus beendet heute seine neuntägige Reise nach Kuba und in die USA. In Philadelphia feiert er den Abschlussgottesdienst des katholischen Welttreffens der Familien. Dazu erwarten die Veranstalter mehr als eine Million Teilnehmer.

Das Weltfamilientreffen versteht sich als internationales Forum für Christen, Familienverbände und Experten. Auch mit Blick auf die bevorstehende Weltbischofssynode zu Familienfragen im Vatikan gilt es als wichtiges Stimmungsbarometer für mögliche innerkirchliche Reformen in der Seelsorge für wiederverheiratete Geschiedene oder Homosexuelle.

Am Vorabend forderte Franziskus beim "Fest der Familien" in einer Parkanlage in Philadelphia mehr Unterstützung von Familien auf der Welt. Ohne die Absicherung gerade junger Familien habe eine Gesellschaft keine Zukunft. Nach teils bewegenden Begegnungen mit Familien, die ihre Lebensgeschichten berichteten, legte der Papst sein Redemanuskript beiseite und improvisierte. Seinen Zuhörern legte er vor allem die Sorge für die junge und die älteste Generation ans Herz. "Ein Volk, das sich nicht um seine Kinder und um seine Großeltern kümmert, hat nicht die Kraft und das Gedächtnis, um nach vorne zu gehen", so Franziskus. "Familie ist schön, aber sie kostet auch etwas."

Im vorab verbreiteten Redemanuskript des Papstes hieß es, viele Probleme auf der Welt seien leicht lösbar, wenn diese Gesellschaften materielle Mindeststandards für das Leben von Familien gewährleisteten. Dazu zählten unter anderem menschenwürdige Arbeit, ausreichender Wohnraum und angemessene Gesundheitsversorgung.

Kampf für eine familienfreundliche Gesellschaft

Familien sind nach Worten des Papstes Sinnbild für eine Welt, in der sich kein Mensch alleingelassen und überflüssig fühle und jeder seinen Platz habe, vom Kind bis zu den Großeltern. In der Familie lerne der Mensch "schrittweise die Bedeutung und den Wert der menschlichen Beziehungen kennen", sagte Franziskus; er lerne, "aus Liebe alles aufs Spiel zu setzen" und Konflikten nicht das letzte Wort zu überlassen. Deshalb, so Franziskus, lohne es sich, für eine familienfreundliche Gesellschaft zu kämpfen.

Die Weltfamilientreffen gehen auf eine Initiative von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zurück. Die erste Begegnung dieser Art fand 1994 in Rom statt. Die im Drei-Jahres-Rhythmus organisierten Welttreffen verbinden mehrere Einzelveranstaltungen: einen internationalen Kongress für Theologen und Laien, die Präsentation christlicher oder zivilgesellschaftlicher Gruppen und Initiativen sowie eine große Abschlussmesse.

Religionsfreiheit weltweit

Zuvor hatte Franziskus die weltweite Anerkennung der Religionsfreiheit eingefordert. Religionen stärkten eine Gesellschaft, weil sie die Menschenwürde und die Uneigennützigkeit im Dienst des Gemeinwohls förderten, sagte er am Samstag bei einem Treffen mit Einwanderern in Philadelphia. Den interreligiösen Dialog bezeichnete Franziskus als ein entscheidendes Mittel der Verständigung in einer verwundeten Welt.

Angesichts verschiedener "Formen moderner Tyrannei", die entweder versuchten, die Religionsfreiheit zu unterdrücken oder auf eine Subkultur herabzusetzen oder aber "die Religion als Vorwand für Hass und Brutalität zu gebrauchen", müssten die Anhänger der verschiedenen Religionen ihre Stimmen vereinen, "um Frieden, Toleranz und Achtung für die Würde und die Rechte der anderen zu fordern", betonte der Papst.

Franziskus äußerte sich bei einer Begegnung mit hispanoamerikanischen Migranten vor der "Independence Hall" von Philadelphia, dem Geburtsort der US-amerikanischen Demokratie. Dort wurde 1776 die amerikanische Unabhängigkeitserklärung verkündet.

Der Papst kritisierte einen Globalisierungstrend, der "bewusst auf eine eindimensionale Uniformität abzielt und versucht, alle Unterschiede und Traditionen in einem oberflächlichen Streben nach Einheit zu beseitigen". Dagegen stünden die Religionen in der Pflicht, einen gesunden Pluralismus aufzuzeigen, der die Würde des anderen respektiere und für den Frieden eintrete.

Seiner Traditionen nie schämen

Am Ende seiner Rede grüßte der argentinische Papst die lateinamerikanischen Einwanderer Nordamerikas, die unter großen Opfern in die USA gekommen seien. "Schämen Sie sich nie Ihrer Traditionen", rief er ihnen zu. "Vergessen Sie nicht, was Sie von Ihren Vorfahren gelernt haben; es kann das Leben dieses amerikanischen Landes bereichern."

Als ersten Programmpunkt in Philadelphia feierte der Papst am Vormittag (Ortszeit) eine Messe mit Klerikern und Ordensleuten. Dort forderte er neue, kreative Formen der Glaubensverkündigung und einen verstärkten Einsatz von Laien. Jeder Christ sei durch die Taufe zum Missionar berufen, so Franziskus. Besonders dankte er den Frauen für ihren "unermesslichen Beitrag" in der Kirche.

 

(KNA)

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