Franziskus bei einer Messe im Madison Square Garden
Bei der Messe im Madison Square Garden
Franziskus in einer Schule in Harlem
Franziskus in einer Schule in Harlem

26.09.2015

Franziskus reist am Samstag weiter nach Philadelphia Ein helles Licht im Smog

Zum Abschluss seines Besuchs in New York hat Papst Franziskus bei einer Messe im Madison Square Garden auf das oft anonyme Leben in Großstäden hingewiesen: Dort stünden viele Menschen "an den Rändern unserer Straßen".

Papst Franziskus hat bei seiner USA-Reise Chancengleichheit für die Kinder von Migranten eingefordert. Kinder hätten das Recht auf Bildung und den Traum von einer besseren Welt, sagte er am Freitag vor Schülern und Schülerinnen einer katholischen Mittelschule im New Yorker Stadtteil Harlem; darunter waren viele aus lateinamerikanischen Einwandererfamilien und Afroamerikaner. 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen lernen dort mit Stipendien einer kirchlichen Stiftung.

Wie bei früheren Gelegenheiten seines USA-Besuchs bezog sich Franziskus auf den schwarzen Bürgerrechtler und Pastor Martin Luther King, der 1968 von einem weißen Fanatiker ermordet wurde. "Er träumte davon, dass viele Kinder, viele Menschen gleiche Chancen haben könnten. Er träumte davon, dass viele Kinder wie ihr Zugang zur Bildung finden könnten. Es ist schön, Träume zu haben und für sie kämpfen zu können", so der Papst in seiner auf Spanisch gehaltenen Ansprache. "Hier sehe ich euch lächeln. Macht weiter so und steckt die Menschen um euch herum mit eurer Freude an!"

Eine Schule sollte nach Worten des Papstes wie ein zweites Zuhause und eine große Familie sein, in der einer dem anderen hilft. Kinder, Eltern und Lehrer sollten dort als Team zusammenarbeiten und ihr Bestes geben, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen. Sie dürften niemals den Traum auf eine Welt mit größeren Möglichkeiten verlieren. Wo es keine Freude und keine Träume gebe, regiere der Teufel. Christus dagegen wolle Freude unter den Menschen verbreiten. Am Ende seiner Rede gab der Papst den Kindern und Jugendlichen als "Hausaufgabe" auf, für ihn zu beten, "damit ich mit vielen Menschen die Freude Jesu teilen kann".

Begeisterter Empfang im Central Park

Später bereiteten Zehntausende New Yorker Franziskus im Central Park einen begeisterten Empfang. Als der weiße Papst-Jeep am Freitagabend (Ortszeit) in den Park einbog, brach ohrenbetäubender Jubel aus, der das katholische Kirchenoberhaupt entlang seiner Route begleitete.

Die Parade war von enormen Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Die Polizei räumte ein, von dem massiven Andrang überwältigt worden zu sein. Viele tausend New Yorker blieben in den Schlangen an den Kontrollen stecken. Die Enttäuschung derer, die eine Karte für den Autokorso hatten, wurde durch einen Regenbogen gemildert, der unmittelbar vor dem Eintreffen des Papstes über dem Park aufging.

Bürgermeister Bill de Blasio hatte sich für die nachträglich ins Programm genommene Begegnung stark gemacht, um möglichst vielen New Yorkern Gelegenheit geben, Papst Franziskus persönlich zu erleben.

Messe im Madison Square Garden

Zum Abschluss seines Aufenthaltes in New York feierte der Papst eine Messe im Madison Square Garden. Dort sagte er, er sehe in der Globalisierung und in der Vermischung der Kulturen eine Chance für die Menschheit. Ihre Traditionen seien "verborgene Schätze", um dem Dasein der Menschen einen Sinn zu geben.

Im Brennpunkt der globalen Entwicklung steht nach Einschätzung des Papstes das Leben in den Großstädten. "In einer Großstadt zu leben ist etwas recht Komplexes: ein multikultureller Kontext mit großen Herausforderungen, die nicht einfach zu lösen sind", so Franziskus, der früher Erzbischof von Buenos Aires war.

Viele Menschen lebten in Großstädten als Menschen zweiter Klasse "im Dunkeln". "Es sind Ausländer; ihre Kinder, die nicht eingeschult wurden; Menschen ohne Krankenversicherung, Obdachlose, alleingelassene alte Menschen." Sie alle stünden "an den Rändern unserer Straßen, auf unseren Gehwegen, in ohrenbetäubender Anonymität", so der Papst.

Viele Menschen seien vom "Rhythmus des Wandels" ausgeschlossen, kritisierte Franziskus, und niemand nehme sie wahr. "Sie werden zu einem Bestandteil einer urbanen Landschaft, die in unseren Augen und vor allem in unseren Herzen allmählich selbstverständlich wird." Dagegen müsse der Glaube an Jesus Christus im "Smog" der heutigen Städte ein helles Licht sein.

Im Namen Christi sei jeder Christ aufgerufen; "er drängt sie, hinauszugehen und den anderen zu begegnen, wo sie wirklich sind - und nicht, wo sie unserer Meinung nach sein sollten." Die deutliche Ansage des Papstes: "Geht hinaus, immer wieder, geht hinaus ohne Angst, ohne Scheu. Geht hinaus und verkündet die Freude, die für alle Menschen bestimmt ist!" Die katholische Kirche trägt dafür nach Worten von Franziskus eine besondere Verantwortung. Die Kirche lebe in den Städten der globalisierten Welt, und sie wolle wie Hefe im Teig sein.

Letzte Station: Philadelphia

Am Samstag (14.40 Uhr MESZ) reist Franziskus weiter zur letzten Station seiner USA-Reise. In Philadelphia besucht er das katholische Welttreffen der Familien. Es versteht sich als internationales Forum für Christen, Familienverbände und Experten. Auch mit Blick auf die bevorstehende Weltbischofssynode zu Familienfragen im Vatikan gilt es als wichtiges Stimmungsbarometer für mögliche innerkirchliche Reformen in der Seelsorge für wiederverheiratete Geschiedene oder Homosexuelle. Zum Abschlussgottesdienst mit Franziskus am Sonntag erwarten die Veranstalter mehr als eine Million Teilnehmer.

Philadelphias konservativer Erzbischof Charles Chaput warnte liberalere Katholiken im Vorfeld vor Enttäuschungen. "Was die Leute von Franziskus hören, ist anders im Ton, nicht im Inhalt." Der Ruf des Papstes nach Barmherzigkeit und Mitleid dürfe nicht missverstanden werden. Der Wechsel in Sprache und Führungsstil bedeute keine inhaltliche Veränderung. "Wenn die Leute das meinen, riskieren sie, sehr enttäuscht zu werden", warnte der Erzbischof.

"Wahre Barmherzigkeit ist immer an Wahrheit gebunden, und Wahrheit ist nicht immer willkommen, vor allem, wenn es um Fragen wie Reichtum und Sexualität geht", so Chaput. Der Besuch beim Weltfamilientreffen ist der eigentliche Anlass der insgesamt neuntägigen Reise des Papstes nach Kuba und in die USA.

Für den Samstagabend stehen ein "Fest der Familien" und eine Gebetswache im Benjamin Franklin Park in Philadelphia auf dem Programm. Die dortige Rede des Papstes wird mit Spannung erwartet. Zuvor gibt es ein Treffen für Religionsfreiheit mit der hispano-amerikanischen Gemeinde von Philadelphia und anderen Migranten. Für Sonntag sind ein weiteres Treffen mit den katholischen US-Bischöfen und der große Abschlussgottesdienst des Weltfamilientreffens geplant. Danach reist Franziskus zurück nach Rom.

(KNA)

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