Erzbischof Joseph Kurtz, Vorsitzender der US-Bischofskonferenz.
Erzbischof Joseph Kurtz, Vorsitzender der US-Bischofskonferenz
Franziskus ist in den USA gelandet
Franziskus ist in den USA gelandet

23.09.2015

US-Bischöfe hadern mit Reform-Agenda des Papstes Ein schwieriges Verhältnis

Teile der katholischen US-Bischofskonferenz setzen andere Prioritäten als Papst Franziskus. Dessen Anhänger gewinnen an zwar Einfluss, bleiben bislang aber noch in der Minderheit.

Kardinal Joseph Kurtz sieht Franziskus in der Rolle eines "Pastors und Propheten", wenn er am Dienstagabend zu seinem fünftägigen Besuch in den USA eintrifft. Der Vorsitzende der katholischen US-Bischofskonferenz hätte im Vorfeld gut noch eine dritte Eigenschaft hinzufügen können: Franziskus als fröhlicher Provokateur, der stets für eine Überraschung gut ist.

Damit tut sich der bedächtige Kardinal aus Louisville im Bundesstaat Kentucky genauso schwer wie viele der rund 450 aktiven und pensionierten Bischöfe, die Kurtz an der Spitze der US-Bischofskonferenz repräsentiert. Selbst dem Papst gewogene wie Kardinal Donald Wuerl aus Washington stehen auf der Bremse, wenn es um einige Prioritäten von Franziskus geht; so etwa bei dem Auftritt im Nationalen Presseclub zur Umweltenzyklika "Laudato si".

Kernpunkte von Franziskus Reformplänen nur Randpunkte bei US-Bischöfen

Während der Papst darin die moralische Pflicht zur Sorge um die Schöpfung und die Armen betont, spricht Wuerl von einer "Einladung an alle, mit ihm ins Gespräch zu kommen". Gleichzeitig vertrat der Kardinal die Ansicht, "Laudato si" sei nicht ein Appell an Individuen, "etwas Bestimmtes tun zu müssen".

Die Kardinäle Kurtz und Wuerl repräsentieren die gefühlte Mitte der Bischofskonferenz, die im Juni in Vollversammlung zusammentraf, um die Schwerpunkte der kommenden Jahre zu diskutieren. Darunter fanden sich viele Dauerbrenner wie Familie, Evangelisierung, Religionsfreiheit, Lebensschutz und Berufungen zum Priesteramt. Doch obwohl die Bischofskonferenz zum Auftakt klar Position zu den Herausforderungen durch strukturellen Rassismus in den USA bezog, tauchten Prioritäten des Papstes wie die Sorge für die Umwelt, der Einsatz für die Armen oder soziale Gerechtigkeit nur als Unterpunkte oder unter ferner liefen auf.

US-Bischöfe äußern Enttäuschung

Bischof George Thomas von Helena im Bundesstaat Montana gehörte zu den Würdenträgern, die ungewohnt offen Kritik an dem Programm äußerten. "Ich möchte meine Enttäuschung ausdrücken", erklärte er zu der Agenda, die seiner Ansicht nach fast identisch mit früheren war. "Wir müssen unseren Einsatz für die Armen, zur Überwindung der wirtschaftlichen Ungleichgewichte, die so viele Familien spüren, gegen ländliche Armut, Arbeitslosigkeit und für den Überlebenskampf der armen Arbeiter sichtbarer machen."

Der neue Bischof von San Diego, Robert McElroy, der zum Franziskus-Flügel in der Bischofskonferenz gehört, plädierte bei einer Konferenz an der katholischen Georgetown-Universität in Washington dafür, das Thema Lebensschutz breiter anzulegen als Abtreibung und Sterbehilfe. "Armut, Umwelt und das Schicksal des Planeten müssen genauso dazu gehören."

Als ein Sprachrohr des Papstes in den USA profilierte sich in den vergangenen Monaten der Erzbischof der drittgrößten US-Diözese Chicago, Blase Cupich. Während konservativere Vertreter wie der Gastgeber des Welttreffens der Familien Kardinal Charles Chaput in Fragen der Sexualmoral, Ehe und Familie vor allem "moralische Klarheit" predigen, wirbt Cupich für eine Willkommenskultur.

US-Bischöfe handeln unterschiedlich

Bei einer Begegnung mit dem Vatikanbotschafter in den USA, Erzbischof Carlo Vigano, sagte Cupich, die Kirche dürfe nicht "einen bestimmten Bereich absolut setzen", sondern solle sich ihrer reichen Vielfalt besinnen. In einem unübersehbaren Signal an die US-Katholiken benannte der Papst Cupich und den schwarzen Bischof von Youngstown/Ohio, George Murry, als zusätzliche US-Delegierte zur Weltfamiliensynode im Oktober.

In North Dakota wies unterdessen Bischof David Kagan seine Gemeinden an, ihre Verbindungen zur nationalen Pfadfinderorganisation zu kappen, nachdem diese sich für homosexuelle Leiter öffneten. In San Francisco rief Erzbischof Salvatore Cordileone Proteste hervor, als er strikte Sexualrichtlinien für Beschäftigte an katholischen Schulen erließ. Und in Philadelphia machte Erzbischof Chaput Schlagzeilen, weil er die Entlassung einer Religionslehrerin betrieb, die ihre lesbische Partnerin geheiratet hatte.

Vor diesem Hintergrund halten kirchliche Beobachter nicht die Rede des Papstes vor dem Kongress für besonders spannend, sondern was er den US-Bischöfen zu sagen hat, wenn er am Mittwoch in der Kathedrale von Washington zu ihnen sprechen wird.

 

Thomas Spang
(KNA)

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