19. September. Papst Franziskus beginnt einen zweitägigen Besuch auf Kuba, in dessen Verlauf er auch mit Präsident Raul Castro und dem ehemaligen Revolutionsführer Fidel Castro zusammentrifft.
19. September. Papst Franziskus beginnt einen zweitägigen Besuch auf Kuba, in dessen Verlauf er auch mit Präsident Raul Castro und dem ehemaligen Revolutionsführer Fidel Castro zusammentrifft.
Franziskus trifft Fidel Castro
Franziskus trifft Fidel Castro

22.09.2015

Papst Franziskus hielt sich auf Kuba mit lauten Appellen zurück Unter Kommunisten

Vier Tage lang war der Papst Gast im Staat der Castros. Gegenüber der kommunistischen Führung hielt er sich mit energischen Forderungen zurück. Doch offenbar hätte er gerne deutlichere Zeichen gesetzt. Nun besucht er die USA.

Nach dem Ende der Kuba-Reise von Papst Franziskus am Dienstag wird nicht zuletzt eines in Erinnerung bleiben: Erstmals nahm ein Papst die Brüskierung der kommunistischen Machthaber in Kauf und wollte sich mit Regimekritikern treffen. Auch wenn es dazu schließlich doch nicht kam - weil der Versuch anscheinend im letzten Augenblick von der Polizei vereitelt wurde: Franziskus hat auf Kuba ein Zeichen für die Menschenrechte gesetzt.

Der 78-Jährige, der in Argentinien am eigenen Leib eine Diktatur (1976-1983) erlebt hat, traute sich damit etwas, was weder Johannes Paul II. 1998 noch Benedikt XVI. 2012 auf der Karibikinsel gewagt hatten. Gewiss hatte er wohl auch die bislang stärkste Ausgangsposition. Schließlich kam er als jener Papst, der maßgeblich zur historischen Wiederannäherung an die USA und zur Lockerung des US-Handelsembargos beigetragen hat.

Seitenhiebe auf Cliquenwirtschaft

Auch Franziskus musste allerdings bei seiner viertägigen Reise in dem kommunistischen Land Kompromisse machen. In seinen öffentlichen Äußerungen ging er in Sachen Menschenrechte nicht über seinen Vorgänger Benedikt XVI. hinaus. Teils formulierte er, der als Mann des offenen Wortes gilt, sogar vorsichtiger als sein oft für unpolitisch gehaltener Vorgänger dreieinhalb Jahre zuvor. Franziskus platzierte seine Botschaften vor allem zwischen den Zeilen.

Ausdrücklich mahnte er nur mehr Freiheiten für die katholische Kirche im Land an.

Angedeutet war der Ruf nach Freiheit und Veränderung in seinen Ansprachen und Predigten jedoch allgegenwärtig. Auch kaum versteckte Seitenhiebe auf das kommunistische Regime fehlten nicht, etwa wenn er Cliquenwirtschaft und dynastisches Gehabe verurteilte. Franziskus kam jedoch nicht als Staatsmann, sondern nach eigenen Worten als "Missionar der Barmherzigkeit". Und so verkündete er denn auch auf Kuba seine Botschaft von einer armen und barmherzigen Kirche. Er ermutigte die Gläubigen, nicht zu resignieren und offen für Veränderungen zu sein - auch das in einer Diktatur eine eminent politische Botschaft.

Jubel hielt sich in Grenzen

Der Empfang des Papstes auf Kuba fiel nicht überschwänglich aus. Der Jubel, die Menschenmengen an den Straßen und bei den Messen hielten sich in Grenzen. Diese Erfahrung hatte im März 2012 auch bereits Benedikt XVI. gemacht. Schon vor der kommunistischen Revolution war der Katholizismus auf Kuba weniger stark verankert als in anderen lateinamerikanischen Ländern.

Wie bereits zuvor in Ecuador und Bolivien hatte es der Papst auf Kuba mit einem linken Staatspräsidenten zu tun, der das populäre Kirchenoberhaupt für politische Zwecke instrumentalisieren wollte.

Raul Castro versuchte Franziskus als katholischen Che Guevara zu verkaufen. Der Papst erteilte solchen Versuchen während des Gottesdienstes in Havanna eine klare Absage. Die christliche Fürsorge für den Mitbruder, sei "nie ideologisch" zu verstehen. Es gehe hierbei nicht um Ideen, sondern stets um Menschen. Und bei der Abschlussmesse in Santiago de Cuba rief er dazu auf, "wieder an das Revolutionäre der Zärtlichkeit und der Liebe" zu glauben.

Kubaner fragen nach neuem Feiertag

Dem Wunsch des Regimes nach einem Treffen mit Fidel Castro - der greise Revolutionsführer dabei im blauen Adidas-Trainingsanzug - konnte sich Franziskus allerdings ebenso wenig wie Benedikt XVI. entziehen. Im Staatsfernsehen wurde anschließend ein gut einminütiger Mitschnitt des Gesprächs gezeigt.

"Welchen Feiertag bekommen wir jetzt?" Diese ironische Frage machte schon vor der Papstreise die Runde unter den Kubanern. Nach dem Besuch von Johannes Paul II. führte Kuba Weihnachten als gesetzlichen Feiertag an, nach Benedikt XVI. den Karfreitag. Ob Franziskus' Besuch zu einer Verbesserung der Lage auf Kuba führen wird, ist derzeit noch schwer zu sagen.

Die Signale waren in den vergangenen Tagen widersprüchlich. Das Erzbistum Havanna kündigte an, dass drei neue Kirchen auf Kuba gebaut werden dürften. Im August erst wurde mit dem ersten Neubau seit der 1959 siegreichen Revolution überhaupt begonnen. Die christliche Oppositionspartei MCL teilte mit, während der ersten drei Tages des Besuchs seien 50 Bürgerrechtler verhaftet worden, darunter auch Mitglieder der christlichen Opposition.

Schließlich kam der Papst auch als politischer Vermittler. Er machte deutlich, dass die Annäherung zwischen Kuba und den USA mit der wechselseitigen Eröffnung von Botschaften und der Wiederaufnahme des Fährbetriebs aus seiner Sicht längst noch nicht abgeschlossen ist.

Papst macht Druck auf Handelsembargo

Sein Signal an Washington war unüberhörbar: Der "Prozess der Normalisierung der Beziehungen" müsse mit "all seinen Möglichkeiten" fortgesetzt werden. Im Klartext: Das Handelsembargo muss vollständig fallen.

Franziskus betonte am letzten Tag seines Besuchs auf der Karibikinsel den Wert der Familie. Der Zerfall von Familien diene den Herrschenden von heute als Machtinstrument, sagte der Papst bei einem Treffen mit Familien in der Kathedrale von Santiago de Cuba. Die Auflösung von Familien schaffe "isolierte Individuen, die leicht zu manipulieren und zu regieren sind".

Familiäre Strukturen bewahrten die Menschen vor ausuferndem Egoismus. Die Frage nach der Entwicklung von Familien bezeichnete Franziskus als eine entscheidende Zukunftsfrage der Menschheit.

Zuvor hatte der argentinische Papst bei einer Messe im Nationalheiligtum der Barmherzigen Jungfrau von Cobre die Bedeutung des christlichen Glaubens für die Kubaner gewürdigt. Dieser sei trotz aller Entbehrungen der Geschichte immer ein Teil des Volkes geblieben. Das Christentum gehöre zu den Wurzeln und der Identität des Inselstaates. Die katholische Kirche kann wegen der kommunistischen Herrschaft auf Kuba nur unter großen Schwierigkeiten und Repressionen arbeiten.

Als erster Papst vor dem US-Kongress

Am Dienstagabend deutscher Zeit sollte Franziskus in die US-Hauptstadt Washington weiterreisen. Mit Spannung wird erwartet, mit welcher Intensität er am Mittwoch gegenüber Präsident Barack Obama das Anliegen einer vollständigen Aussöhnung zwischen der Weltmacht und der kommunistischen Inselnation vertritt. Zwischen den Zeilen müsste er es dort sicher nicht verstecken.

Am Donnerstag will Franziskus als erster Papst vor dem US-Kongress sprechen. Ein weiterer Höhepunkt des Besuchs ist eine Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am Freitag. Anlass der insgesamt neuntägigen Reise ist der Besuch des achten katholischen Weltfamilientags am Wochenende in Philadelphia.

 

Thomas Jansen
(KNA)

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