Papst Franziskus badet in der Menge
Papst Franziskus badet in der Menge

26.08.2015

Rückblick auf 100 Generalaudienzen mit Franziskus Nur mit der Harley kam er nie

Bei römischer Hitze und im Dauerregen: 100 Mal hielt Papst Franziskus bisher Generalaudienz auf dem Petersplatz. Deren Stil hat er gehörig weiterentwickelt.

Das Bild ging damals um die Welt, schockierend und faszinierend zugleich: Papst Franziskus küsst einen schwer entstellten, über und über mit Geschwüren bedeckten Mann. Minutenlang nimmt er sich Zeit, streichelt und segnet ihn. Seit der Generalaudienz vom 6. November 2013 weiß ein weltweites Publikum von der schrecklichen Krankheit Neurofibromatose. Spontan wie immer war der Papst auf dem Petersplatz vom Jeep gestiegen und auf den Mann hinter der Absperrung zugegangen. Die traditionellen öffentlichen Begegnungen mittwochs auf dem Petersplatz, soviel war längst klar, bergen Überraschungen. Und auch einen Papst, der plaudert und seine Scherze macht. Diesen Mittwoch lud Franziskus zu seiner 100. Generalaudienz.

Eine neue Form von Lockerheit

Seit der Premiere im März 2013 wurden die Treffen vor dem Petersdom schnell zur Bühne für den "Bergoglio-Style", einer neuen Form von Lockerheit, die an die früheren Jahre von Johannes Paul II. erinnerten. Fast mehr noch als der polnische Papst suchte Franziskus das Bad in der Menge. Seine Rundfahrten - grundsätzlich im offenen Papamobil - dauerten zuweilen länger als das eigentliche Audienzprogramm. Immer wieder verlässt er den Wagen, drückt Leuten die Hand, nimmt einen Schluck vom angebotenen Mate-Tee oder tauscht seine weiße Kappe gegen ein Geschenkexemplar, falls es passt. Regelmäßig treibt er seinen Leibwächtern bei solchen Auftritten den Schweiß in den Nacken.

Generalaudienzen erst seit 1960-er Jahren in dieser Form

Seit Paul VI. die Mittwochsaudienzen in den 1960er-Jahren in dieser Form begründete, gaben sie den Päpsten die Möglichkeit, dem Kirchenvolk in Katechesen ihre Interpretation des christlichen Glaubens zu vermitteln. Johannes Paul II. erweiterte die Treffen um den direkten Kontakt mit den Massen. Seither gehört der Mann im weißen Talar, der Kinder küsst und Hände schüttelt, zum festen Bildercode des Papsttums. Der introvertierte Benedikt XVI. trat dieses Erbe eher zurückhaltend an.

Mit Kinder eine Runde auf dem Papamobil

Und plötzlich kommt einer, der mal eben Kinder auf eine Runde im Papamobil einlädt und sich auch nach der Audienz noch bis zu anderthalb Stunden Zeit für die Leute nimmt. Die Botschaft versteht jeder: "Die Kirche ist keine Elite, ich bin ein Sünder wie ihr", hat er oft wiederholt. Das kam schnell an. 1,5 Millionen Besucher strömten im ersten Pontifikatsjahr 2013 auf den Petersplatz, durchschnittlich 50.000 pro Audienz. Inzwischen sind die Zahlen zurückgegangen. Insgesamt waren es bisher 3,3 Millionen Menschen.

Ihre Geschenke an Seine Heiligkeit reichen vom Fußballshirt über den Pilotenhelm bis zur Harley Davidson. Die Maschine nutzte Franziskus dann aber nicht bei der nächsten Audienz, sondern ließ sie später zugunsten von Obdachlosen versteigern.

Katechesen von Franziskus in einfacher Sprache

Seine Katechesen hält Franziskus in einfacher Sprache, mancher vermisste nach Benedikt XVI. den theologischen Tiefgang. Wenn dieser Papst über Profitgier und Wegwerfkultur spricht, über Flüchtlinge, Barmherzigkeit, Familie und eine bescheidene Kirche, geht es ihm vor allem um Lebensnähe. Wenn er dann das Manuskript sinken lässt und losplaudert wie ein jovialer Großvater beim Familientreffen, sind es seine Mitarbeiter, denen zuweilen der Schweiß auf die Stirn tritt.

Die saloppe Art des Argentiniers hat ihre Risiken. Als er im Februar das Schlagen von Kindern billigte - "aber nicht ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen" - folgte ein Aufschrei.

Freie Rede - viele Lacher

Die freie Rede des Papstes bringt ihm jedoch meist Applaus ein - und die Lacher. "Du bist alt geworden, eh?" Der Kommentar zu einem Mitarbeiter, den bei der Verlesung der anwesenden Gruppen ein Hustenanfall überkam, war so ein Treffer. Noch zeigt der 78-Jährige selbst nur selten Ermüdungserscheinungen, ob in römischer Hitze oder bei Starkregen.

Franziskus gelingt es, in seinen Audienzen Berührendes, Spirituelles und sogar Gags zu verbinden. Manchmal sogar in ein und demselben Moment: "Gestattet mir jetzt, euch zu einem Akt der Nächstenliebe aufzurufen", begann er seine Bitte um ein Gebet für ein schwer krankes Mädchen. Und fügte hinzu: "Aber bleibt ruhig, es wird keine Kollekte geben".

Christoph Schmidt
(KNA)

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