Messe in Guayaquil
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06.07.2015

Papst fordert in Ecuador mehr Unterstützung für Familien Hilfe statt Almosen

Papst Franziskus hat am zweiten Tag seiner Südamerika-Reise in der ecuadorianischen Stadt Guayaquil eine Messe vor hundertausenden Gläubigen gefeiert. Im Mittelpunkt seiner Predigt stand der Wert der Familie.

Papst Franziskus sieht den Einsatz für die Menschen in armen, von Krisen gebeutelten Ländern als eine Hauptaufgabe der katholischen Kirche und seines Pontifikats an. "Gott nähert sich immer den Peripherien derer, die ohne Wein geblieben sind, die nur Mutlosigkeit zu trinken haben", sagte der Papst am Montagmittag (Ortszeit) bei der ersten Messe seiner Südamerika-Reise in der ecuadorianischen Hafenstadt Guayaquil.

Die Familie sei ein "großer sozialer Reichtum, den andere Einrichtungen nicht ersetzen können", sagte er am zweiten Tag seiner Südamerika-Reise vor mehreren hunderttausend Menschen in Guayaquil. Die Familien ermutigte Franziskus, nicht zu resignieren. Die Familie sei "das nächstgelegene Krankenhaus, die erste Schule für Kinder, die unverzichtbare Bezugsgruppe für die jungen Menschen" und "das beste Heim für die alten Menschen". Dieser Reichtum müsse "unterstützt und verstärkt werden". Hilfen für Familien seien nicht eine "Art Almosen", so der Papst bei dem Gottesdienst unter freiem Himmel. Die Gesellschaft trage damit eine "echte soziale Schuld" gegenüber Familien ab.

Zu Beginn des Gottesdienstes hatten Hunderttausende den Papst auf dem Gottesdienstgelände mit Fähnchen und Gesängen begrüßt. Franziskus fuhr rund 15 Minuten im offenen Papamobil durch die Menschenmenge im Park von "Los Samanes". Zuvor hatte es mit Feuerwehrschläuchen eine Abkühlung für die Menschen gegeben - bei rund 30 Grad hatten sie stundenlang in der Sonne auf "ihren" Papst gewartet.

Kirche unter Druck

"Jesus hat eine Schwäche dafür, den besten Wein mit denen zu verschwenden, die aus dem einen oder anderen Grund schon spüren, dass sie alle Krüge zerbrochen haben", betonte der 78 Jahre alte Argentinier.

Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf beträgt in Ecuador knapp 6000 US-Dollar im Jahr - in Deutschland sind es rund achtmal so viel. Mehr als 13 Millionen der 14,6 Millionen Ecuadorianer sind getauft - allerdings ist die Kirche durch die Ausbreitung von Sekten unter Druck. Und die Erdölförderung der linksgerichteten Regierung im Amazonasgebiet widerspricht eigentlich Franziskus' Appell, die natürlichen Ressourcen der Welt zu schützen statt auszubeuten.

Hoffnung auf mutige Lösungen bei Familiensynode

In seiner Predigt äußerte Franziskus zudem die Hoffnung, dass die für Herbst im Vatikan geplante Bischofssynode zum Thema Familie mutige und wohl überlegte Lösungen hervorbringt. "Oft ist es nicht das Ideal, nicht das, was wir erträumen oder was sein sollte", sagte er im Hinblick auf Unterschiede zwischen dem Familienleben von heute und der katholischen Ehe-Lehre. In der "gemeinsamen Familie, die wir alle bilden, wird nichts weggeworfen und ist nichts unnütz". Niemand werde ausgeschlossen.

Angesichts scharfer Kontroversen über den Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen forderte Franziskus, bei der Synode "besonnen und mutig" zu handeln. Dabei warnte er vor Pessimismus aufgrund steigender Scheidungsraten und einer wachsenden Zahl von Familien ohne Trauschein. Das Beste für die Familien komme noch, "wenn auch alle Hochrechnungen und Statistiken das Gegenteil behaupten".

Franziskus war am Sonntagabend deutscher Zeit in Ecuadors Hauptstadt Quito eingetroffen, wo er von Staatspräsident Rafael Correa empfangen wurde. In seiner Begrüßungsrede forderte er mehr Rechte für die indigenen Völker Ecuadors.

Besuch einer Jesuitenschule

Anschließend besuchte Papst Franziskus in Guayaquil das Jesuiten-Kolleg Javier. Dort traf er unter anderem mit dem spanischen Pater Francisco Cortes (91) zusammen, der seit 1963 in Ecuador lebt. "Padre Paquito" hatte gemeinsam mit 22 anderen Jesuiten, davon 6 aus Guayaquil, zu einem gemeinsamen Essen eingeladen.

Danach fuhr er im Papamobil zurück zum Flughafen der ecuadorianischen Luftwaffe und von dort nach Quito.

Erneutes Treffen mit Präsident von Ecuador

Am Abend (Ortszeit) traf Franziskus in Quito erneut mit Staatspräsident Rafael Correa zusammen. Die als privat deklarierte Unterredung am Montagabend (Ortszeit) im Präsidentenpalast von Quito dauerte etwa eine halbe Stunde. Danach traten beide abweichend vom Protokoll auf den Balkon des Palastes. Von dort segnete der Papst eine Menschenmenge, die sich spontan vor dem Palast eingefunden hatte.

Die Begegnung zwischen dem linkskatholischen Präsidenten und dem Papst fand offenbar in gelöster Atmosphäre statt. Correa und Franziskus strahlten und lachten ohne Unterlass. Am Rande des Papstbesuches hatte es immer wieder Unmutsbekundungen in der Bevölkerung gegen Correa gegeben. Anlass war die Einführung neuer Steuern und Pläne für eine Verfassungsänderung zugunsten seines Machterhalts für weitere Wahlperioden.

Zum Abschluss des Tages besuchte der Papst zu Fuß die gegenüber dem Präsidentenpalast gelegene Kathedrale von Quito, wo ihn die Menschen mit langanhaltendem Applaus begrüßten. In der Bischofskirche nutzte der Papst die Gelegenheit zu einem stillen Gebet. Mit einem kurzen Gruß an die Gläubigen rief Franziskus die Ecuadorianer zur Einheit auf. Niemand dürfe ausgegrenzt werden.

Am Mittwoch nach Bolivien

Ecuador ist die erste Station der einwöchigen Südamerika-Reise. Für Dienstag steht in der Hauptstadt eine weitere große Messfeier im Bicentenario-Park der Hauptstadt auf dem Programm. Zudem trifft Franziskus Vertreter aus Schulen und dem Bildungssektor sowie der Zivilgesellschaft. Am Mittwoch reist Franziskus weiter nach Bolivien, wo er unter anderem Gespräche mit dem indigenen Staatspräsidenten Evo Morales führt. Letzte Station der Reise ist ab Freitag Paraguay.

Der Auftakt der Papstreise verdrängte in Lateinamerika am Montag andere Themen von den Titelseiten. Im Mittelpunkt des Medieninteresse standen in den ecuadorianischen Medien die Grußworte von Präsident Correa und Franziskus.

Die regierungskritische Tageszeitung "El Universo" ging dabei auf die innenpolitischen Spannungen im Land ein: "Papst Franziskus fordert den Aufbau eines Dialogs ohne Ausschluss in Ecuador". Das Blatt "El Diario" griff die Eröffnungsrede Correas auf, in der dieser Ungerechtigkeit als soziale Sünde Amerikas anprangerte.

 

(KNA, dpa, epd)

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