Papst Franziskus
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16.06.2015

Umweltenzyklika geleakt Cui bono?

Kurz vor der offiziellen Veröffentlichung der Umweltenzyklika von Papst Franziskus hat eine römische Zeitschrift eine inoffizielle Fassung ins Internet gestellt. Italienische Medien spekulieren nun über die Motive.

Der 192 Seiten umfassende Text in italienischer Sprache ließ sich als Faksimile von der Internetseite der Zeitschrift "L' Espresso" herunterladen. Es handele sich um eine erste Version der Vatikandruckerei, die vor einigen Tagen wegen notwendiger Korrekturen eingestampft worden sei, teilte die Zeitschrift mit.

Spekulation über Motive

Der Vatikan teilte mit, dass der von der Zeitschrift veröffentlichte Text nicht die endgültige Fassung der Enzyklika sei. Für diese gelte weiterhin das Embargo bis Donnerstag, so Sprecher Federico Lombardi in einer Erklärung. Er appellierte an die "journalistische Korrektheit" und bat die Medienvertreter, den offiziellen Termin abzuwarten.

Nach der Veröffentlichung spekulieren italienische Medien über die Motive der Urheber. Die Indiskretion sei das Werk konservativer Kräfte innerhalb und außerhalb der Kurie, schrieb die Zeitung "La Stampa" am Dienstag unter Berufung auf nicht genannte vatikanische Quellen. Ihr Ziel sei es, die Wirkung der Enzyklika zu schwächen und der Person des Papstes zu schaden, so die in Turin erscheinende Zeitung. Auch die Tageszeitung "Corriere della Sera" gab eine vatikanische Quelle mit der Einschätzung wieder, den Informanten gefalle die harte Kritik des Papstes an der Umweltpolitik der Industrienationen nicht.

L'Espresso kritisierte Franziskus wiederholt

Der Vatikan-Experte von "L'Espresso", Sandro Magister, hatte in jüngerer Zeit wiederholt kritische Beiträge zum Pontifikat von Franziskus veröffentlicht. Die Enzyklika soll am Donnerstag offiziell im Vatikan vorgestellt werden, unter anderem vom Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber.

Dem inoffiziellen Text zufolge benennt die Enzyklika in einem ersten Kapitel globale Gefahren wie Umweltverschmutzung, Klimawandel, Trinkwasserknappheit und einen Rückgang der Biodiversität sowie die sozialen Probleme, die daraus entstehen. Dem wird in einem zweiten Kapitel eine christliche Schöpfungslehre aus biblischer Sicht entgegengestellt.

Das dritte Kapitel macht laut der geleakten Fassung Technokratie und die neuzeitlichen Haltung des Menschen, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, als Wurzeln der Umweltkrise aus. Daran schließt sich eine Vision einer umfassenden Ökologie an, die Prinzipien wie Gemeinwohlorientierung und Generationengerechtigkeit beinhaltet.

Die Enzyklika schließt dem durchgesickerten Entwurf zufolge mit Handlungsleitlinien für Politik, Wirtschaft und Religionen im fünften Kapitel sowie Vorschlägen für eine Spiritualität der Ökologie im sechsten Kapitel.

(KNA)

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