Ingo Brüggenjürgen
Ingo Brüggenjürgen

20.02.2015

Ein Kommentar zu Merkels Besuch in Rom Naturwissenschaftlerin mit Vertrauen auf Gott

"Ich bin also Christin!" Dies bekannte Kanzlerin Angela Merkel froh und frei in ihrem wöchentlichen Videopodcast. Diese Merkel-Worte schafften es leider nicht in die großen Tagesnachrichten, bedauert Ingo Brüggenjürgen, Chefredakteur von domradio.de.

Im Vorfeld der Privataudienz beim Papst beantwortete Merkel die Frage nach Ihrem Glauben an Gott, gerade auch als Naturwissenschaftlerin, mit einem klaren Ja. Als evangelische Christin glaube sie an einen Gott, "der mein Leben geschaffen hat!". Gott bilde sozusagen eine Ebene, "die mir Orientierung gibt; die mir Halt gibt und die mir auch Zutrauen gibt; die mich auch auffängt [...] das ist für mich eine große Beruhigung."

Diese Merkel-Worte schafften es leider nicht in die großen Tagesnachrichten. Dabei ist es doch interessant zu hören, wo die Kanzlerin sich in ihrem Leben wirklich festmacht. Die kühl berechnende Naturwissenschaftlerin, die machtbewusste Realpolitikerin setzt ihr Vertrauen auf Gott. Gerade wenn mal alles wieder nicht so rund läuft, wenn sie - wie jeder Mensch - Fehler mache, fühle sie sich bei Gott sehr gut "aufgefangen und aufgehoben". Schade, bei solchen Worten hätte man sich gerne einen größeren Lautsprecher gewünscht, denn es dürfte sicherlich auch für den ein oder anderen Wähler und Nichtwähler der Bundeskanzlerin nicht uninteressant sein, was die Triebfeder ihrer politischen Aktivitäten bildet.

Papst wird vermutlich Forderungen an Merkel stellen

Ganz egal, ob die schwierigen Friedensbemühungen in der Ukraine, die Eurokrise rund um Griechenland oder z.B. die Probleme rund um die Aufnahme von Flüchtlingen - Merkel dürfte genügend Themen haben, mit denen sie bei ihrem Besuch im Vatikan gemeinsam mit dem Papst nach Lösungen sucht. Merkel kommt in ihrer Rolle als Vorsitzende der G7-Gruppe. In diesem Sommer werden sich die Vertreter der führenden Industrienationen im bayrischen Schloss Elmau treffen. Wie man Papst Franziskus kennt, wird er Merkel ganz konkrete Forderungen in ihr Aufgabenheft schreiben. Man denke nur an seine Kritik an der europäischen Flüchtlingspolitik, wo er immer wieder mahnt, das Mittelmeer dürfe nicht zum großen Friedhof Europas werden.

Wenn aber die evangelische Christin und Bundeskanzlerin und der Bischof von Rom beide ihr Vertrauen auf den lebendigen Gott setzen, sollte doch auch ein gemeinsamer Weg mit vielen guten Lösungen für die Notleidenden in aller Welt gangbar werden.

(DR)

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