Kolonne mit Leichenwagen
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12.02.2015

Papst ruft zu Hilfe für Bootsflüchtlinge auf Versagen im Mittelmeer

Hunderte Bootsflüchtlinge sind offenbar ertrunken oder an Unterkühlung gestorben, als sie versuchten, Europa zu erreichen. Die jüngste Katastrophe löst Bestürzung aus. Papst und Bischöfe mahnen Hilfe für Bootsflüchtlinge an.

Papst Franziskus hat angesichts der jüngsten Tragödie vor Lampedusa erneut zur Hilfe für Bootsflüchtlinge aufgerufen. Er sei besorgt über die weiteren Toten und ermutige zu Solidarität mit den Flüchtlingen. Zugleich sicherte er sein Gebet für die Opfer zu.

Bischöfe: Nicht alle Toten sind gleich für Europa

Führende Vertreter der katholischen Kirche in Italien warfen der EU unterdessen mangelnden Einsatz zur Rettung von Flüchtlingen vor. Für Europa seien "nicht alle Toten gleich", sagte der Generalsekretär der Italienischen Bischofskonferenz, Bischof Nunzio Galantino. Die Interessen der EU seien "ausschließlich von Lobbyisten bestimmt" und gingen auf Kosten der Menschen. Der Bischof sprach sich für eine Wiederaufnahme der italienischen Rettungsoperation "Mare Nostrum" aus, die im Oktober eingestellt worden war.

Der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, hatte bereits am Montag die EU aufgefordert, mehr für Bootsflüchtlinge zu tun. Die jüngste Tragödie laste auf dem "Gewissen ganz Europas", so Bagnasco.

"Trition" unzureichend

Der sizilianische Erzbischof und designierte Kardinal Francesco Montenegro kritisierte am Dienstag die Mission "Triton" der EU-Grenzschutzagentur Frontex als unzureichend. Es reiche nicht aus, sich nur auf die Sicherung der Grenzen zu beschränken, sagte der Erzbischof von Agrigent.

Menschenrechtsorganisationen haben der EU nach dem erneuten Flüchtlingsunglück Versagen bei der Seenotrettung im Mittelmeer vorgeworfen. Es sei eine Schande für die EU und ihre Mitgliedstaaten, dass rund 300 Migranten vor der italienischen Küste ihr Leben lassen mussten, teilte Amnesty International (AI) am Mittwoch in Brüssel mit. In der neuen Tragödie seien die schlimmsten Befürchtungen wahr geworden, so Amnesty-Experte John Dalhuisen. Das Unglück sei die vorhersehbare Konsequenz aus einem europäischen Versagen, einen angemessenen Ersatz für das italienische Rettungsprogramm "Mare Nostrum" zu finden.

Der Leiter des Europa-Büros des UNHCR in Genf, Vincent Cochetel, sprach von einer "Tragödie enormen Ausmaßes". "Europa kann es sich nicht leisten, zu wenig zu spät zu tun", sagte Cochetel. Das UNHCR forderte, die Rettung von Menschenleben müsse eine "Priorität für die Europäische Union" sein.

Für zivile europäische Seenotrettung

Die Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge Pro Asyl forderte die sofortige Einrichtung eines zivilen europäischen Seenotrettungsdienstes. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) müsse für eine europäische Seenotrettung eintreten, appellierte die Organisation in Frankfurt. Es brauche Schiffe, Technik und Personal. Deutschland dürfe nicht wegsehen.

"Es muss mehr getan werden", sagte EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos in Brüssel. Die italienische EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini fügte hinzu: "Wir dürfen keine weiteren Seetragödien in den nächsten Wochen und Monaten zulassen." In den kommenden Tagen wolle sie darüber mit den EU-Kommissaren beraten und mit den EU-Außenministern über eine neue Ausrichtung der Flüchtlingspolitik sprechen.

Von einem vierten Boot fehlt jede Spur

Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR geht nach dem jüngsten Unglück inzwischen von rund 300 Vermissten oder Toten aus. Die Passagiere eines Bootes aus Libyen waren vor oder während der Rettung durch die italienische Küstenwache an den Folgen von Unterkühlung gestorben.

Laut UNHCR waren mehr als 110 Überlebende nach Lampedusa gebracht worden. Zeitgleich seien zwei weitere Schlauchboote auf dem Weg nach Italien in schwere See geraten. Von einem Boot mit 107 Passagieren hätten zwei Menschen überlebt, von dem anderen Boot mit 109 Personen seien sieben gerettet worden. Nach Aussage der Überlebenden sei noch ein viertes Boot unterwegs gewesen; von diesem fehle jede Spur.

Nach der letzten großen Flüchtlingskatastrophe im Herbst 2013 mit 366 Toten hatte Italien das Programm "Mare Nostrum" ins Leben gerufen. Bis November vergangenen Jahres waren dadurch mehr als 100.000 Menschen im Mittelmeer gerettet worden. Im November 2014 ersetzte die EU die Mission durch das Grenzschutzprogramm "Triton" und verringerte damit das Budget und die Reichweite der Rettungsmaßnahmen.

(KNA, dpa)

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