Papst Franziskus beim Andreasfest
Papst Franziskus beim Andreasfest

30.11.2014

Papst Franziskus beeindruckt Türkei mit Bescheidenheit Staatsbesuch ohne Staatskarosse

"Es ist ein Renault": Ein Raunen geht durch die Menge, als der Tross mit Papst Franziskus an der Blauen Moschee in Istanbul vorfährt.

Vor seiner dreitägigen Türkei-Reise war viel über das Papst-Auto spekuliert worden. Franziskus hatte die türkischen Behörden um ein dezentes Modell gebeten, die aber bestanden auf einer gepanzerten Staatskarosse. Offensichtlich konnte sich der 77-Jährige durchsetzen: Der silberne Mittelklasse-Renault ist ungepanzert.

Wie ein Popstar wird Franzikus bei dieser Reise nicht begrüßt, der Andrang ist überschaubar. Von 76 Millionen Türken sind nur gut 100.000 Christen. Die meisten Schaulustigen, die sich am zweiten Tag der Papst-Reise am Samstag im Viertel Sultanahmet rund um Blaue Moschee und Hagia Sophia versammeln, sind Touristen. Riesig erscheinen dagegen die Sicherheitsmaßnahmen: 7.000 Polizisten sind im Einsatz, um den Papst zu beschützen. Die Angst vor Anschlägen ist groß. Anders als sonst üblich nimmt Franziskus kein Bad in der Menge, winkt nur kurz den jubelnden Schaulustigen zu.

 Zu den wenigen Istanbulern, die gekommen sind, zählt Familie Ghaleb. Die syrisch-orthodoxen Christen sind vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat hierher geflohen. Vater Fouad lobt Franziskus' Agenda: "Es ist wichtig, dass wir Christen in dieser Krisenzeit zusammenstehen." In der Türkei leben Christen verschiedenster Konfessionen, etwa Griechisch- Orthodoxe, Maroniten, Armenier, Chaldäer und Römisch-Katholische.

Gebet in Hagia Sophia wäre Affront gewesen

 Zur Georgisch-Orthodoxen Minderheit in der Türkei gehört Nurhan Demirci. Er sieht den Papst als Botschafter des Friedens. "Hoffentlich hilft sein Besuch, die Lage der Christen in der Türkei zu verbessern", sagt er, eine vatikanisch-türkische Doppelflagge in der Hand. Demirci hat eines der begehrten Tickets für die Papst-Messe in der katholischen Heilig-Geist-Kirche ergattert. Die versteckt in einem Hinterhof gelegene Kirche bietet nicht viel Platz, dennoch wurden zu dem Gottesdienst am Samstagnachmittag Vertreter aller christlichen Gruppen in der Türkei eingeladen.

Im Vorfeld des Besuchs wurde gerätselt, ob Franziskus bei seinen Besuchen in der Hagia Sophia und in der Blauen Moschee beten würde. Ein Gebet in der Hagia Sophia hätten viele Muslime als Affront verstanden. Das 1.500 Jahre alte Gotteshaus war zunächst Kirche, dann Moschee. Seit 1934 ist die Hagia Sophia ein Museum, eine nicht unbedeutende Bewegung will sie jedoch wieder zur Moschee umwidmen.

Verharren in Besinnung

Franziskus verzichtet dort auf ein Gebet. In der Blauen Moschee jedoch verharrt er gemeinsam mit dem Mufti von Istanbul, Rahmi Yaran, in einer Besinnung gen Mekka. Türkische Medien jubeln über die Geste, während der Vatikan Wert auf die Feststellung legt, es habe sich dabei nicht um ein Gebet gehandelt.

Der Samstagabend und der Sonntag sind ganz dem Dialog mit der Orthodoxen Kirche gewidmet. Im Orthodoxen Patriarchat im ehemaligen Istanbuler Griechenviertel Phanar feiert Franziskus zwei Gottesdienste und das orthodoxe Andreasfest. Mit Bartholomäus I., dem Ehrenoberhaupt von 300 Millionen orthodoxen Christen weltweit, unterzeichnet Franziskus eine ökumenische Erklärung. Sie wollen die Annäherung der beiden Kirchen vorantreiben.

Dialog im Zentrum

Der Dialog zwischen den Konfessionen und Religionen steht im Zentrum der Reise. Die Christen ruft der Papst dazu auf, ihre Streitigkeiten niederzulegen. Und auch gegenüber den Muslimen zeigt Franziskus Offenheit: "Wir, Muslime und Christen" lautet eine bemerkenswerte Formulierung bei seinem Besuch in der türkischen Religionsbehörde Diyanet am Freitag. Vor seinem Rückflug am Sonntagnachmittag wollte Papst Franziskus sich mit geflohenen Christen aus Syrien und dem Irak treffen. Das Gespräch kündigte der Vatikan kurzfristig an.

Dass Franziskus in der PS-verliebten Türkei im Mittelklasse-Renault vorfuhr, griffen türkische Medien übrigens gerne auf. Die Anekdote wurde als Zeichen angenehmer Bescheidenheit gewertet - und von manchem Kommentator gar als leiser Widerspruch gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan. Der bezog jüngst einen Palast, der mit 1.000 Zimmern den Kreml oder das Weiße Haus in den Schatten stellt.

Dominik Speck
(KNA)

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