Elpidophoros Lambriniadis, Metropolit von Bursa
Elpidophoros Lambriniadis, Metropolit von Bursa

27.11.2014

Türkische Priester ohne Nachfolger Istanbuls leeres Priesterseminar

Eine der größten Sorgen der Christen in der Türkei ist das faktische Verbot der Priesterausbildung. Sie hoffen, dass Papst Franziskus das bei seinem Besuch ansprechen wird.

Erzbischof Elpidophoros Lambriniadis hat große Pläne: Der 47-Jährige mit der schwarzen Kutte und dem weißen Bart will im Priesterseminar in Istanbul einen Theatersaal bauen lassen. Alte Bücher sollen restauriert, die Gärten neu angelegt werden. Dabei hat die Universität - einst eine der weltweit wichtigsten Hochschulen der Orthodoxie - seit mehr als vier Jahrzehnten keine Studenten mehr. Vor dem Büro des Bischofs ist es still. Nur hin und wieder hört man gedämpfte Schritte der wenigen Mönche, die in dem griechisch-orthodoxen Kloster leben. Lambriniadis will das Seminar wiederbeleben - und hofft nun auf Papst Franziskus.

Orthodoxe Priesterausbildung immer noch verboten

1971 ließ der türkische Staat private Universitäten schließen. Davon war auch das einzige griechisch-orthodoxe Priesterseminar betroffen, das auf der Insel Heybeli im Marmarameer vor Istanbul liegt. Priester können seitdem nicht mehr in der Türkei ausgebildet werden. Die nur 4000 Menschen umfassende griechisch-orthodoxe Gemeinde in dem muslimischen Land hat damit ein Nachwuchsproblem. "Wir sind zu wenige. Lange können wir das hier nicht mehr halten", sagt Lambriniadis.

Auch Lambriniadis, dessen Titel Metropolit von Bursa lautet, wurde in Istanbul geboren, konnte dort aber nie Theologie studieren. Er hofft, dass Papst Franziskus bei seinem Besuch der Türkei am Wochenende auch die Probleme der christlichen Minderheit ansprechen wird. Immerhin trifft Franziskus einen prominenten Absolventen der Hochschule von Chalki: Patriarch Barholomäus I. Lambriniadis sagt, niemand könne verstehen, warum die islamisch-konservative Regierung nicht schon längst der Universität erlaubt habe, wieder zu öffnen. Andere private Hochschulen sind inzwischen zugelassen - allerdings keine zur orthodoxen Priesterausbildung.

Die 1844 gegründete Hochschule mit dem Kloster liegt inmitten eines Waldstücks auf einem Hügel. Von hier aus kann man über das Meer bis zur Nachbarinsel schauen. Ein guter Platz für ein Kloster - und für die Wissenschaft. In ihren besten Zeiten besuchten mehr als hundert Studenten aus aller Welt die theologische Hochschule.

Vier Mönche und vier Novizen leben auf der Insel

Lambriniadis Familie verließ die Türkei, als er zehn war. Die Stimmung gegen Minderheiten war damals feindselig. Seine Eltern siedelten nach Griechenland um - wie so viele zu der Zeit. Lambriniadis studierte Theologie in Thessaloniki und Byzantinistik in Bonn. Er spricht sechs Sprachen fließend, darunter Deutsch und Arabisch, seine Mutter stammt aus dem syrischen Aleppo. Er ist Professor an der Universität von Thessaloniki und pendelt zwischen der Türkei und Griechenland. "Nur an meiner eigenen Universität darf ich nicht unterrichten. Ist das nicht absurd?" Als Lambriniadis 2011 zum Abt des Klosters berufen wurde, gründete er eine Bruderschaft. Inzwischen leben wieder vier Mönche und vier Novizen auf der Insel. "Ich wollte kein Abt eines leeren Klosters sein. Wir haben lange genug hier gesessen und einfach gewartet, dass etwas passiert", sagt Lambriniadis.

Der Erzbischof hat noch immer enge Kontakte nach Deutschland. Für die Restaurierung der Bücher arbeitet er mit der Staatsbibliothek in München zusammen. Die Bibliothek im Keller ist das Schmuckstück des Seminars. Ein Raum reiht sich hier an den anderen. Hier stehen etwa 10 000 Bücher - über Theologie, Ökumene und Geschichte. Viele der Titel sind alt, einige vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

EU kritisiert Türkei für geschlossene Universität

Immer wieder hofften die Christen der Türkei, dass die Hochschule wieder eröffnet würde. Zuletzt im vergangen Herbst, als der damalige Ministerpräsident und heutige Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ein "Demokratisierungspaket" vorstellte und Minderheiten mehr Rechte versprach. Die Hoffnungen wurden enttäuscht: Die Wiedereröffnung von Chalki war nicht Teil des Pakets. Die EU kritisiert in ihrem Fortschrittsbericht, dass die Priesterausbildung noch immer unmöglich ist. "Ein Rechtsstaat muss die Religionsfreiheit gewährleisten", sagt Lambriniadis. "Wir sind schließlich Bürger dieses Landes."

Unter der seit mehr als zehn Jahren herrschenden AKP-Regierung habe sich jedoch auch vieles zum Positiven gewendet, sagt Lambriniadis. "Das erste Mal erleben wir einen guten Willen vom Staat. Es ist das erste Mal, dass wir als Bürger wahrgenommen werden. Doch wenn die AKP das Seminar nicht wiedereröffnet, wer soll es dann tun?" Solange das Seminar geschlossen bleibt, arbeitet Lambriniadis weiter an Plänen für den Theatersaal. Die Internationalität bringen bis dahin Konferenzen und Konzerte an die Hochschule - und die Erasmus-Austauschstudenten, die in der Bibliothek helfen. Die darf Lambriniadis an seiner geschlossenen Universität betreuen.

(dpa)

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