Papst Franziskus nimmt Delegierte aus rund 170 Ländern in die Pflicht
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20.11.2014

Papst Franziskus appelliert an Welternährungskonferenz Solidarität mit Hungernden

Papst Franziskus hat Gewinnstreben und Finanzspekulationen auf Nahrungsmittel als Ursachen für den Hunger weltweit verurteilt. Ein "Primat des Profits" dürfe nicht sein, kritisierte er auf der Welternährungskonferenz.

Papst Franziskus hat zu einer entschiedenen Bekämpfung des Hungers in der Welt aufgerufen. Im Mittelpunkt müsse der hungernde Mensch und seine Würde stehen, sagte das Kirchenoberhaupt am Donnerstag auf der Welternährungskonferenz in Rom, wo er mit minutenlangem Beifall empfangen wurde. "Unsere Gesellschaften zeichnen sich durch einen wachsenden Individualismus und durch Spaltung aus", sagte der Papst vor Delegierten aus 170 Staaten. Dies gehe soweit, dass die Schwächsten eines würdigen Lebens beraubt würden, und Unruhen ausbrächen, erklärte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Der Papst sprach von einem wachsendes Misstrauen zwischen Nationen, aber auch zwischen Bürgern und von einem Mangel an Solidarität. "Jeder, dem das tägliche Brot und eine würdige Arbeit fehlen, weiß das gut", sagte er. Der Hungernde an der Straßenecke bitte um sein Bürgerrecht auf gesunde und sichere Nahrung. "Er bittet uns um Würde, nicht um ein Almosen", sagte der Papst unter dem Applaus der Delegierten."Die erste Sorge muss der Mensch selbst sein; all jene, denen es an der täglichen Nahrung fehlt und die aufgehört haben, ans Leben und an die familiären und sozialen Beziehungen zu denken, weil sie nur noch ums Überleben kämpfen."

Papst beklagt Finanzspekulationen

Franziskus räumte ein, dass sich die internationale Gemeinschaft in der Vergangenheit zu wenig um Hungernde gekümmert habe. Der Kampf gegen Hunger und Mangelernährung werde behindert durch die "Priorität des Marktes" und durch den "Primat des Profits", beklagte er. Nahrungsmittel seien zu einem Handelsgut wie andere reduziert worden, das auch zum Objekt von Finanzspekulation werde. Mehr Verteilungsgerechtigkeit sei notwendig.

Maßnahmen gegen den Hunger müssten die Produktion und den Zugang zu Nahrungsmitteln, den Klimawandel und den Agrarhandel in Betracht ziehen. "Doch die erste Sorge muss der Mensch selbst sein, all jene, denen es an der täglichen Nahrung fehlt", mahnte der Papst.

Erinnerung an Papst Johannes Paul II

Franziskus erinnerte an Papst Johannes Paul II., der bei der Welternährungskonferenz 1992 in Rom vor einem "Paradox des Überflusses" gewarnt hatte: "Es gibt genug Nahrung für alle, aber nicht alle können essen." Dabei gebe es Verschwendung, exzessiven Konsum und eine Nutzung von Lebensmitteln zu anderen Zwecken. "Leider ist dieses 'Paradox' heute immer noch aktuell", sagte Franziskus.

Zudem gebe es beim Thema Hunger Korruption, Manipulationen und Fehlinformationen, die überwunden werden müssten. Der Kampf gegen den Hunger erfordere von den Nationen mehr Solidarität untereinander. Die Menschen seien Mitverantwortliche des Schöpfungsplans und müssten deshalb respektvoll und gemeinsam handeln. Das Gleiche gilt nach seinen Worten auch für die Staaten, die heutzutage immer enger miteinander verflochten seien und «wie die Mitglieder ein und derselben Familie voneinander abhängen». Dennoch behinderten Kriege und wirtschaftliche Auseinandersetzungen das solidarische Handeln. Franziskus kritisierte in diesem Zusammenhang auch "kleine Machtgruppen", die in den betroffenen Ländern ihre Eigeninteressen verfolgten.

Papst: Naturschutz wichtig

Der Papst bat auch darum, "Schwester Erde" zu schützen. Er schloss seine mit minutenlangem Beifall bedachte Ansprache mit einem Appell an Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Er bete darum, dass der Ruf dieser Konferenz gehört und als Ausdruck des gemeinsamen Gewissens der Menschheit gesehen werde: "Den Hungernden zu essen geben, um das Leben auf dem Planeten zu retten."

(epd, KNA)

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