Übergewichtige Frau
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19.11.2014

Welternährungskonferenz beschließt Aktionsplan gegen Hunger "Epidemie" des Übergewichts

Bei der Welternährungskonferenz haben rund 170 Staaten einen Aktionsplan zur Bekämpfung des Hungers verabschiedet. Während weltweit derzeit mehr als 800 Millionen Menschen hungern, sind etwa 1,5 Milliarden Menschen zu dick.

Mit Aufrufen zur entschlossenen Bekämpfung von Hunger und Fehlernährung hat am Mittwoch in Rom die Welternährungskonferenz begonnen. "Wir müssen nun unsere Anstrengungen verdoppeln", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in einer Videobotschaft an die Delegierten. Ziel müsse es sein, den Hunger in den nächsten zehn Jahren vollständig zu überwinden.

805 Millionen Menschen hungern

Regierungsvertreter von rund 170 Staaten nannten es in einer Erklärung inakzeptabel, dass heute immer noch 805 Millionen Menschen hungern müssen. Zugleich verabschiedeten sie per Akklamation einen Aktionsplan zur Verbesserung der weltweiten Ernährungssituation, die auch Übergewicht in den Blick nimmt. Der UN-Vollversammlung wird vorgeschlagen, 2016 ein Jahrzehnt der Ernährung auszurufen.

Nach den Worten José Graziano da Silva, Generaldirektor der UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation (FAO), hat die Staatengemeinschaft das Wissen und die Mittel, den Hunger zu besiegen. "Tatsächlich gibt es genug Nahrung auf der Welt, damit alle ausreichend essen können", sagte er.

Der König des kleinen afrikanischen Landes Lesotho, Letsie III., hob die Bedeutung der Hungerbekämpfung für seinen Kontinent hervor.

"Heute ist klarer denn je, dass Ernährung von entscheidender Bedeutung für Afrikas wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung ist", sagte er in seiner Ansprache. Mangelernährung koste einzelne Länder bis zu 16 Prozent ihres Bruttosozialprodukts.

Neue Hindernisse in afrikanischen Ländern

Der Vizepräsident Tansanias, Gharib Bilal, beklagte den Klimawandel und sinkende Ressourcen vielerorts als neue Hindernisse im Kampf gegen Hunger und Armut in Afrika. So litten in Tansania viele Kinder unter fünf Jahren an Anämie, Kleinwüchsigkeit, Vitamin-A-Mangel und Untergewicht.

Im Aktionsplan der Konferenz wird das Recht aller Menschen auf sichere, ausreichende und nahrhafte Lebensmittel bekräftigt.

Hilfsorganisationen zeigten sich jedoch enttäuscht. Der Aktionsplan sei zu unverbindlich und setze nicht an den Ursachen von Hunger und Mangelernährung an, kritisierte Bernhard Walter von "Brot für die Welt". Die Rolle der Nahrungsmittelkonzerne werde nicht hinterfragt. Überprüfbare Vorgaben und Kontrollmechanismen scheiterten vor allem am Widerstand der USA.

Die Direktorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margarete Chan, mahnte angesichts von Globalisierung und offener Grenzen zu internationaler Kooperation in der Gesundheits- und Ernährungspolitik. "Dies kann nicht in Isolation geplant werden", sagte sie. Auch Umweltschutz und Armutsbekämpfung müssten mit einbezogen werden.

Kritik an Lebensmittel-Importen

In Asien und Afrika seien vielerorts importierte verarbeitete Speisen billiger als im Land erzeugte Lebensmittel. Chan will die Industrie überzeugen, gesündere Lebensmittel zu herzustellen und ungesunde nicht mehr zu vertreiben. Auch die Handelswege müssten hinterfragt werden, wenn zum Beispiel die USA Weizen nach Asien verschifften, und Indien gleichzeitig Weizen nach Amerika exportiere.

Insgesamt zwei Milliarden Männer, Frauen und Kinder sind mangelernährt, weil es ihnen an Vitaminen, Eisen und anderen Nährstoffen fehlt. Während weltweit derzeit mehr als 800 Millionen Menschen hungern, sind etwa 1,5 Milliarden Männer, Frauen und Kinder zu dick. Davon leidet etwa ein Drittel an krankhafter Fettleibigkeit.

In Entwicklungsländern werden lokal erzeugte Getreide, Gemüse und Fleisch durch importierte Fertigprodukte verdrängt. Diese enthalten meist viel Zucker, Fett und Salz, aber zu wenig Ballaststoffe, Vitamine und andere wichtige Nahrungselemente.

"Epidemie" des Übergewichts

Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) spricht bereits von einer "Epidemie" des Übergewichts. Weltweit sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 3,4 Millionen Menschen pro Jahr an den Folgen. Übergewicht erhöht das Risiko, an Diabetes, Herzleiden und bestimmten Krebsarten zu erkranken. Bei Kindern hemmt es die Entwicklung.

Für das katholische Hilfswerk Misereor sind Hunger und Übergewicht zwei Seiten von Armut und die Folge eines fehlgeleiteten Ernährungssystems, das von wenigen Konzernen dominiert wird. "Denn frische und gesunde Lebensmittel sind teurer als fett- und zuckerreiche Produkte", sagt Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel, der selbst lange in Brasilien lebte. In China und Mexiko hat sich laut Misereor der Anteil Übergewichtiger seit 1980 fast verdoppelt, in Südafrika um ein Drittel erhöht.

Die Delegierten beraten auf der Ministerkonferenz bis Freitag über wirksamere Strategien in der Ernährungspolitik. Am Donnerstag wird Papst Franziskus eine Ansprache halten. Deutschland wird durch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) vertreten.

Die Hilfsorganisation Oxfam kritisierte indes die Ausrichtung der deutschen Entwicklungspolitik. Minister Gerd Müller (CSU) wolle zwar die Mittel für Ernährungssicherung auf 1,4 Milliarden Euro pro Jahr deutlich aufstocken, sagte die Oxfam-Agrarexpertin Marita Wiggerthale in Berlin dem epd. "Die ärmsten Bauern, die unter Hunger leiden und auf schlechten Böden ums Überleben kämpfen, werden mit den vorgesehenen Maßnahmen eigentlich nicht erreicht."

(epd, KNA)

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