Martha Heizer
Martha Heizer
Jan Hendrik Stens
Jan Hendrik Stens

22.05.2014

Ein Kommentar zur Exkommunikation des Ehepaars Heizer Kein Grund für Jubel

Endlich greift der Papst durch, so dürfte mancher sich angesichts der Exkommunikation von Martha und Gert Heizer freuen. Doch Jubel ist hier fehl am Platz, meint Diplomtheologe Jan Hendrik Stens von domradio.de.

Die härteste Strafe, die die katholische Kirche vorsieht, hat nun zwei bekannte Vertreter des sogenannten "Reformflügels“ getroffen. Kann das wirklich sein, dass ausgerechnet Papst Franziskus, der sonst für Dialog, Aufbruch und Barmherzigkeit steht, beim Tiroler Ehepaar Martha und Gert Heizer die Exkommunikation feststellt? Was die einen verstört, lässt wiederum die anderen jubilieren: Endlich greift der Papst mal durch und zeigt unmissverständlich, dass auch er für die katholische Lehre steht und weniger für die "Ich-wünsch-mir-was-Kirche“.

Doch Jubel ist hier eigentlich völlig fehl am Platz. Eine Exkommunikation ist nie ein Grund zum Jubeln, wie auch der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer betont: "Ich empfinde es als Niederlage, dass es uns nicht gelungen ist, das Ehepaar Heizer zum Umdenken zu bewegen und so das Verfahren zu vermeiden." Die Feststellung einer Selbst-Exkommunikation sei kein Sieg, sondern immer eine Niederlage für die Kirche.

Ein Umdenken ist beim Ehepaar Heizer in der Tat bislang nicht erfolgt, ganz im Gegenteil: In einer ersten Stellungnahme kündigten sie an, ihre Praxis fortführen zu wollen.

Gleichwohl wird durch diesen Schritt deutlich, auf welch schmalem Grat sich die Gruppierung "Wir sind Kirche“ bewegt. Die jetzt exkommunizierte Martha Heizer ist nämlich nicht nur deren Vorsitzende in Österreich, sondern leitet auch die weltweite Organisation der selbsternannten Kirchenreformbewegung. Wenn eine Gallionsfigur einer Gruppierung, die die katholische Kirche reformieren möchte, den offenen Bruch mit dieser sucht, fragt man sich, was da noch zu erwarten ist. Eine ehrlich gemeinte Reform oder eine bewusst gesuchte Spaltung? Denn ähnlich öffentlich verhielt sich schon die Piusbruderschaft, als sie 1988 mit Ankündigung Bischöfe ohne Roms Zustimmung weihte und dadurch den Bruch förmlich suchte. Auch diese Gruppierung handelte damals übrigens aus dem Selbstverständnis "Wir sind Kirche“.

Heizers deutsches Pendant Christian Weisner, der "Wir-sind-Kirche“-Chef in Deutschland, schiebt den schwarzen Peter derweil nonchalant dem emeritierten Papst Benedikt XVI. zu. Dieser Schritt der Exkommunikation passe doch so gar nicht zu Papst Franziskus. Ebenso wird sich wohl so mancher die Mär zusammenkonstruieren, dass hinter der Exkommunikation weniger Franziskus als vielmehr der "Hardliner" Gerhard Kardinal Müller steckt. Ob sich die kirchenpolitische Landschaft so einfach zurechtbiegen lässt, wage ich zu bezweifeln. Da das Delikt im Zuständigkeitsbereich des Ortsbischofs geschehen ist, leitet dieser eine Untersuchung ein und informiert die Glaubenskongregation. Die Exkommunikation spricht dann der Bischof aus und übermittelt sie. Der Papst "delegiert" an die Kongregation, deren Präfekten er ernannt hat. Er billigt also das dortige Personal und die dortigen Arbeiten. Keine Exkommunikation wird vom Papst persönlich ausgesprochen, sondern immer über die dafür zuständigen Organe. Eine Änderung dieses Verfahrens herbeizuführen, käme einer Schwächung der Ortskirchen gleich, was Franziskus ja gerade nicht will.

Ein domradio.de-Kommentar von Jan Hendrik Stens

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