Papst Franziskus
Papst Franziskus

15.12.2013

Papst Franziskus gibt erneut Interview Ökumene hat Priorität

Papst Franziskus hat der italienischen Tageszeitung "La Stampa" ein ausführliches Interview gegeben. Die wichtigsten Aussagen des Heiligen Vaters zur Ökumene, Kapitalismus uvm. in der Übersicht.

Papst Franziskus hält angesichts von weltweiter Verfolgung und Gewalt gegen Christen die Annäherung der Kirchen für eine seiner wichtigsten Aufgaben. "Für mich hat die Ökumene Priorität", sagte er im Interview der italienischen Tageszeitung "La Stampa" (Sonntag). In der heutigen Zeit gebe es eine "Ökumene des Blutes" zwischen den Christen. "In manchen Ländern töten sie Christen, weil diese ein Kreuz tragen oder eine Bibel besitzen. Und bevor man sie tötet, wird nicht gefragt, ob sie Anglikaner, Katholiken, Lutheraner oder Orthodoxe sind. Das Blut ist gemischt."

Die Christen der verschiedenen Konfessionen seien in diesem Leid vereint, auch wenn es ihnen bisher noch nicht gelungen sei, die notwendigen Schritte aufeinander zuzugehen. Dafür sei die Zeit vielleicht noch nicht reif. Als Beispiel für die Einheit im Leiden erinnerte der Papst an die Hinrichtung von katholischen wie auch protestantischen Geistlichen durch die Nationalsozialisten. Diese hätten für die Verkündigung derselben christlichen Botschaft ihr Leben gelassen.

Die vielen orthodoxen Kirchenführer, die er in den vergangenen Monaten getroffen habe, sehe er als Brüder, sagte Franziskus. "Es ist ein Schmerz, dass wir die Eucharistie noch nicht gemeinsam feiern können, aber die Freundschaft existiert." Der Weg bestehe darin, zusammenzuarbeiten und für die Einheit zu beten.

Ausschluss von Eucharistie nicht als Strafe verstehen

Der Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener von der Eucharistie ist nach den Worten von Papst Franziskus nicht als Strafe zu verstehen. "Es ist gut, sich dies vor Augen zu halten", sagte er im Interview. Zugleich stellte er klar, dass er die Frage der Kommunion für Geschiedene, die eine neue Ehe eingehen, in seinem Lehrschreiben "Evangelii gaudium" noch nicht angesprochen habe, wenn auch manche Passagen so verstanden worden seien. Das Problem werde aber beim kommenden Konsistorium im Februar und den beiden Bischofssynoden 2014 und 2015 behandelt.

Zuvor hatte Franziskus im Gespräch mit der Zeitung die Aussage des Lehrschreibens bekräftigt, die Sakramente der Taufe und der Eucharistie seien als Heilmittel für die Menschen und nicht als eine Prämie zu verstehen. "Einige haben dabei sofort an die Sakramente für wiederverheiratete Geschiedene gedacht, aber ich bin nicht auf bestimmte Fälle eingegangen." Ihm sei es vielmehr um ein Prinzip gegangen. "Wir müssen eher versuchen, den Glauben der Leute zu fördern anstatt ihn zu kontrollieren", sagte Franziskus. Dies erfordere sowohl Mut als auch Umsicht. So habe er im vergangenen Jahr etwa das Verhalten von Priestern kritisiert, die sich weigerten, die Kinder minderjähriger Mütter zu taufen.

Distanz zur Politik

Die Kirche muss nach Überzeugung von Papst Franziskus immer eine ausreichende Distanz zur Politik wahren. Beide Kräfte wirkten auf parallelen Pfaden. Diese dürften sich nur dort treffen, wo es um die Hilfe für Menschen gehe, sagte er in dem Interview. Wenn es zwischen beiden Kräften zu einer Verbindung ohne die Menschen komme, "beginnt jene Ehe mit der politischen Macht, die zu einem Verfaulen der Kirche führt: durch Geschäfte, durch Kompromisse", so der Papst.

Kirche und Politik müssten ihre jeweiligen Aufgaben und Berufungen im Blick behalten - "vereint nur für das Gemeinwohl". Ansonsten bestehe stets die Gefahr, dass die Kirche durch die Politik korrumpiert werde. Auch die Politik werde beschmutzt, wenn sie für Geschäfte missbraucht werde.

Reform vatikanischer Finanzen

Papst Franziskus hat sich zufrieden über den Verlauf der finanziellen Reformen im Vatikan geäußert. Die zuständigen Kommissionen leisteten gute Arbeit, sagte er der italienischen Tageszeitung "La Stampa" (Sonntag). Der jüngste Bericht von Finanzfachleuten des Europarats zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei, so Franziskus.

Der Expertenausschuss Moneyval hatte dem Vatikan vorige Woche bescheinigt, der Kirchenstaat habe seine Anti-Geldwäsche-Gesetzgebung in den vergangenen anderthalb Jahren "sehr verbessert", dies müsse sich allerdings noch in der Praxis bewähren. Bis in die jüngste Vergangenheit war vor allem die sogenannte Vatikanbank IOR immer wieder wegen angeblicher Schwarzgeld-Konten in die Schlagzeilen geraten.

"Wie die Zukunft des IOR aussieht, wird sich zeigen", sagte Franziskus der Zeitung. Es sei auch denkbar, dass die Güterverwaltung des Heiligen Stuhls (APSA) zur vatikanischen Zentralbank werde. "Das IOR wurde eingerichtet, um den religiösen Werken zu helfen, Missionen, armen Kirchen. Dann ist es geworden, was es jetzt ist", so Franziskus.

Gegen Marxismus-Vorwurf

Papst Franziskus hat sich gegen Vorwürfe gewehrt, er vertrete in seiner Wirtschaftsethik "marxistische" Ansichten. "Die marxistische Ideologie ist gescheitert. Aber in meinem Leben habe ich viele menschlich gute Marxisten getroffen, und deshalb fühle ich mich nicht beleidigt", sagte er in dem Interview. In seinem Lehrschreiben "Evangelii gaudium" stehe nichts, was nicht mit der katholischen Soziallehre übereinstimme.

Die Ungerechtigkeiten der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung habe er nicht mit "technischem Blick" betrachtet, erklärte Franziskus der Zeitung. Die Absicht seiner Ausführungen sei vielmehr gewesen "eine Fotografie" dessen zu präsentieren, was passiert sei. Die kapitalistische Wirtschaftstheorie verspreche, dass die Armen davon profitierten, wenn ein Glas so voll sei, dass es überfließt. "Was stattdessen passiert: Wenn das Glas voll ist, vergrößert es sich auf wundersame Weise und für die Armen fließt nie etwas ab", so der Papst.

Ultra-konservative Christen in den USA hatten Franziskus als "Marxisten" denunziert, weil er in "Evangelii gaudium" das kapitalistische Wirtschaftssystem der Gegenwart in scharfer Form kritisiert. In dem Schreiben heißt es unter anderem, dieses System töte Menschen und sei für die krasse Ungleichverteilung des Reichtums auf der Welt verantwortlich.

Keine weiblichen Kardinäle

Papst Franziskus hat die Idee zurückgewiesen, künftig könnten in der katholischen Kirche Frauen zu Kardinälen erhoben werden. Wer dies anstrebe, leide unter "Klerikalismus", sagte Franziskus. "Die Frauen in der Kirche müssen wertgeschätzt, aber nicht 'klerikalisiert' werden", betonte er.

Die Idee des Frauenkardinalats bezeichnete der Papst als ein "Schlagwort", von dem er nicht wisse, woher es komme.

Weihnachten

Wie verbringt Papst Franziskus Weihnachten? Oft habe er nach der Mette einige Stunden allein in der Kapelle zugebracht, bis es Zeit für die Frühmesse war. Das sei ein "Gefühl tiefen Trostes und Friedens" gewesen. 1974 habe er in Rom eine Nacht des Gebets nach der Weihnachtsmette im Centro Astalli, der Flüchtlings-Notaufnahme der Jesuiten, zugebracht.

Für ihn bedeute das Fest der Geburt Christi, über die Begegnung Gottes mit seinem Volk nachzudenken. "Bei Weihnachten geht es um Zärtlichkeit und Hoffnung", sagte Franziskus. Wenn die Christen Zärtlichkeit und Hoffnung vergessen, werden sie "eine kalte Kirche" ohne Orientierung, die sich in Ideologien und mondäne Haltungen verstricke. Weihnachten sei aber auch nicht die Anklage von sozialer Ungerechtigkeit und Armut, sondern eine Verkündigung der Freude, des Lichts und des Friedens. Wer in einer menschlichen Situation sei, die es nicht erlaube, diese Freude zu begreifen, begehe dieses Fest "mit mondäner Fröhlichkeit".
 

(KNA, rv)

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