Papst Franziskus auf Lampedusa
Papst Franziskus auf Lampedusa

13.07.2013

Debatte in Italien nach Lampedusa-Besuch Bei allem Respekt vor Franziskus

Mit seinem Besuch auf Lampedusa wollte Papst Franziskus ein Zeichen setzten gegen das, was er als "Globalisierung der Gleichgültigkeit" anprangerte. Mit seiner Reise hat er in Italien eine lebhafte politische Debatte entfacht.

Dass sein Zeichen auch ein Seitenhieb auf die italienische Flüchtlingspolitik war, lag auf der Hand, selbst wenn der Papst keine konkreten Adressaten nannte. Er wollte seinen Besuch als christliche Geste der Buße und der Solidarität unter Schwestern und Brüdern verstanden wissen, nicht als politische Mission.

Aufmerksamkeit erregte der Fraktionsvorsitzende von Silvio Berlusconis Partei "Volk der Freiheit" (PdL) im Abgeordnetenhaus, Fabrizio Cicchitto: "Die religiöse Predigt ist eine Sache, eine andere jedoch der staatliche Umgang mit einem so schwierigen, komplexen und tückischen Phänomen wie der illegalen Einwanderung", so der Parlamentarier, der seine politische Karriere im linken Spektrum begann und heute als treuer Gefolgsmann Berlusconis gilt. Dass er die Worte des Papstes als tiefgründige Gedanken zu einem der größten Dramen der Gegenwart würdigte, spielte demgegenüber schon keine Rolle mehr. Es hagelte Kritik von katholischer wie von linker Seite.

Die katholische Zeitschrift "Famiglia Cristiana" reagierte mit einer geharnischten Replik und sprach von einer "anmaßenden Zurechtweisung" des Papstes. In einem Leitartikel für die Online-Ausgabe bezeichnete deren Chefredakteur Cicchitto abschätzig als "Trompeter des Berlusconianismus". Am meisten empörte er sich jedoch darüber, dass kein Vertreter des katholischen Flügels der PdL das Rückgrat besessen habe, den Papst gegen diese Zurechtweisung in Schutz zu nehmen. Stattdessen habe sich die PdL in "beschämendes Schweigen" gehüllt. Der innere Friede in ihrer Partei zähle für die Katholiken offenbar mehr als das Drama der Flüchtlinge, resümiert die Zeitschrift.

Flüchtlingsstrom hält an

Vehemente Verteidiger, die den Besuch zu einem Rundumschlag gegen die italienische Politik nutzten, fand Franziskus hingegen im linken politischen Spektrum. Der Papst habe das getan, was die Politik sich zu viele Jahre geschämt habe zu tun; er habe "die, die vor unserer Tür auftauchen, umarmt und willkommen geheißen", sagte der migrationspolitische Sprecher der Partei "Linke Ökologie Freiheit", Marco Furfaro.

Noch weit über Cicchitto hinaus ging unterdessen die Vorsitzende der Lega Nord in der Region Piemont, Gianna Gancia: "Bei allem Respekt vor den Worten des Heiligen Vaters" müsse man doch zuerst einmal etwas gegen die Auswanderung der eigenen Landsleute tun, die auf der Suche nach Arbeit ihre Heimat Italien verließen. Den Migranten hingegen müsse in deren Herkunftsländern geholfen werden. Und um zu illustrieren, dass die Grenzen nicht einfach für alle geöffnet werden könnten, verwies Gancia, zugleich Präsidentin der Provinz Cuneo, auf den Vatikan selbst: Wer dort unerlaubt Zutritt suche, könne nach den Gesetzen des Papst-Staates schließlich auch ausgewiesen werden.

Die italienische Integrationsministerin Cecile Kyenge forderte eine Neuregelung des Einbürgerungsrechts und brachte das deutsche Modell als mögliches Vorbild ins Spiel. Schon ihr Vorgänger, der Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio, Andrea Riccardi, hatte einen Gesetzentwurf angekündigt, der den Zugang zur italienischen Staatsbürgerschaft erleichtern sollte, ohne dass sich bislang Nennenswertes in der Sache getan hätte. Unterdessen reißt der Flüchtlingsstrom Richtung Lampedusa nicht ab. Im Aufnahmelager von der Insel befanden sich am Donnerstag über 600 Personen, ausgelegt ist die Einrichtung für rund 300.

Thomas Jansen
(KNA)

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