Die Polizei im Vatikan
Die Polizei im Vatikan

17.06.2013

Neues Buch über die Päpstliche Gendarmerie erschienen Gegen Räuber, Revolutionäre und Vatileaks

Sie sind weniger bekannt als die Schweizergarde, aber mit der "Vatileaks-Affäre" fiel das Licht zwangsläufig auch auf sie: die Gendarmen des Papstes. Vatikanist Ulrich Nersinger berichtet im domradio.de-Interview über die Polizei des Vatikanstaates.

Er hat über die Polizei des Vatikanstaates ein Buch geschrieben. Im Gespräch mit domradio.de spricht er über die spannenden Aufgaben der Gendarmerie, die seit dem Rücktritt Papst Benedikts XVI. und der Wahl von Papst Franziskus eher umfangreicher geworden sind.

domradio.de: War die Vatileaks-Affäre der Auslöser, ein Buch über die Gendarmen des Papstes zu schreiben?

Nersinger: Sie war ein Mitauslöser. Ich habe mich schon vorher für diese polizeiliche Ordnungsmacht im Vatikan interessiert. Aber jetzt natürlich durch die aktuellen Ereignisse: Das ist die Vatileaks-Affäre, das ist aber auch eine ganz neue Aufgabe, die die vatikanische Gendarmerie hat, die Bewachung des emeritierten Papstes und was wir auch alle in den letzten Wochen gesehen haben, die etwas unkonventionelle Art des jetzigen Papstes, die natürlich auch von den Sicherheitskräften etwas ganz Neues und etwas Besonderes fordert.

domradio.de: Sind die Aufgaben der Gendarmen durch Franziskus umfangreicher geworden?

Nersinger: Ich glaube schon. Man muss vielleicht etwas trennen zwischen der Schweizergarde und der Vatikanischen Gendarmerie. Sie haben auch zwei verschiedene Dienstherren, wenn auch der oberste Dienstherr natürlich immer der Papst ist. Aber die Schweizergarde untersteht dem Kardinalstaatssekretär. Sie ist die eigentliche Leibwache und Hauswache des Papstes. Und sie ist in erster Linie für den Schutz des Papstes und des Apostolischen Palastes verantwortlich, während die Vatikanische Gendarmerie die Polizeimacht oder die Polizeiautorität in der Vatikanstadt ist. Die Vatikanische Gendarmerie erfüllt die Aufgaben einer Straßenpolizei, einer Justizpolizei, einer Grenzpolizei, einer Zollpolizei und ist auch mit sehr neuen Aufgaben in den letzten Jahren betraut worden, zum Beispiel Anti-Korruptionsmaßnahmen und ähnliche Vorgänge.

domradio.de: Die Geschichte der Gendarmen des Papstes reicht weit zurück. Den Vatikanstaat gibt es aber erst seit 1929. Kommt es nicht immer wieder zu Konflikten mit der italienischen Polizei?

Nersinger: Also bis 1870, bis zum Ende des Kirchenstaates gab es keine Schwierigkeiten mit einer italienischen Polizei, weil es sie im Bereich des Kirchenstaates nicht gab. Es gab dann immer wieder berühmt gewordene Konflikte mit anderen päpstlichen Formationen, wie zum Beispiel der Schweizergarde. Und ab 1870 haben wir natürlich keinen Kirchenstaat mehr. Und die Päpstliche Gendarmerie blieb trotz des Endes dieses weltlichen Territoriums des Papstes weiter bestehen als eine Hauspolizei des Papstes. Da gab es natürlich immer wieder Probleme. Aber diese Probleme wurden dann mit der Schaffung des Vatikanstaates 1929 mehr oder weniger aus dem Weg geräumt, und seitdem gibt es eigentlich eine ganz gute Kooperation, wenn wir vielleicht die Zeit des Faschismus und des Zweiten Weltkriegs etwas hinwegnehmen. Hier gab es dann auch Versuche, die Vatikanische Gendarmerie zu infiltrieren. Aber ab dann sind eigentlich immer die Bemühungen um eine gute Kooperation da und die Kompetenzen sind genauestens abgegrenzt.

domradio.de: Sie lassen in ihrem Buch Bewunderer wie Gegner zu Wort kommen. An welchen Punkten scheiden sich die Geister über das Wirken der Gendarmen?

Nersinger: Da müssen wir eigentlich auch trennen zwischen der alten Päpstlichen Gendarmerie, wie sie im Kirchenstaat bestand und der heutigen. Den Namen kennen wir erst seit dem Jahr 1850. Vorher sind sie aufgetreten unter anderen Namen und unter dem Begriff wie zum Beispiel Päpstliche Carabinieri oder Päpstliche Veliten. Und vor den Napoleonischen Kriegen kennen wir sie als Sbirren. Und ich glaube, jeder der einmal Tosca gehört hat, wird also mit dieser Polizeitruppe schon einmal konfrontiert worden sein und merkt, dass da ein gewisses Potenzial der Auseinandersetzung steckt. Gerade Tosca ist ja nicht gerade eine Oper, die sich in Lobeshymnen über die Polizei des Papstes ergeht.

domradio.de: Wie sieht es denn nun aus mit den Verschwörungstheorien im Vatikan? Ist es so, wie Dan Brown geschrieben hat oder ist alles viel harmloser?

Nersinger: Es ist alles viel, viel harmloser – zumindest was die jüngere Vergangenheit betrifft. Ich denke zum Beispiel an diese Mordtheorien, die man dann nach dem Tod Johannes Pauls I. verbreitete. Heute sind die Erkenntnisse so, dass da nichts dran ist. Dass es eher das Gleiche ist, was wir heute auch beobachten, dass es an der Informationspolitik auch des Vatikans liegt, die zu solchen Verschwörungstheorien reizt.

domradio.de: Gab es auch für Sie neue Erkenntnisse, als Sie das Buch geschrieben haben?

Nersinger: Ich habe gemerkt, wie schwer und wie kompliziert die Arbeit der Gendarmerie ist – auch gerade in der Vatileaks-Affäre. Sie hat also sehr, sehr gut gearbeitet. Aber sie stößt natürlich auch durch bestimmte Strukturen immer wieder an ihre Grenzen. Ein Schweizergardist oder ein Päpstlicher Gendarm kann nicht so auftreten wie ein deutscher oder ein anderer Ordnungshüter. Er kann zum Beispiel, gerade wenn wir die Vatileaks-Affäre betrachten, nicht so einfach in die Aktentaschen von Prälaten, Erzbischöfen oder Kardinälen schauen oder von Leuten, die in der direkten Umgebung des Papstes sind. Hier sind natürliche Grenzen gesetzt. Das macht natürlich auch die Arbeit der Ordnungshüter sehr schwierig. Die andere Sache ist, dass ich mit immer größer werdender Bewunderung die Arbeit betrachte, die bei Generalaudienzen oder bei Gottesdiensten von ihnen geleistet wird. Denn das ist eine enorme Verpflichtung und auch mit enormen Schwierigkeiten verbunden, den Papst zu schützen, andererseits aber auch eine gewisse Nähe der Gläubigen zum Papst zuzulassen.

(Das Gespräch führte Jan Hendrik Stens.)

Ulrich Nersinger, Die Gendarmen des Papstes - Im Kampf gegen Räuber, Revolutionäre und Vatileaks, Verlag nova et vetera, 333 Seiten, 34 €

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