Papst Franziskus: getragen von Euphoriewelle
Papst Franziskus: getragen von Euphoriewelle

14.05.2013

Seit zwei Monaten ist Papst Franziskus im Amt Neuer Stil, klassische Positionen

Die Menschen strömen zu den Papstmessen, mehr als 100.000 waren es am Sonntag bei der ersten Heiligsprechungsmesse. Nicht nur die italienischen Medien feiern Franziskus als Star. Doch kann er auch den Hoffnungen und Erwartungen gerecht werden?

Zwei Monate nach seiner Wahl wird der neue Papst weiterhin von einer Welle der Euphorie getragen. Er schließt damit an die Anfangs-Sympathiewerte seiner Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. an. An den ersten Lateinamerikaner auf dem Stuhl Petri knüpfen sich Hoffnungen und Erwartungen - vor allem was Reformen der Kurie und der Kirchenspitze betrifft. Neu sind bislang vor allem Stil und Auftreten von Franziskus. Manches wirkt entspannter, weniger zeremoniell als in früheren Jahren. Franziskus setzt auf Kommunikation, er sucht die Begegnung und den Kontakt zu den Menschen. Er wohnt weiterhin zusammen mit rund 50 Kurienprälaten im vatikanischen Gästehaus Santa Marta, speist gemeinsam mit Gästen, greift selbst zum Telefonhörer.

Besondere Bedeutung haben seine Kurzpredigten in der Kapelle des Gästehauses, die er - oft mit einprägsamen Formulierungen - bei der täglichen Frühmesse vor Mitarbeitern hält. Kommunikation gehört zu den Stärken, die er gerne nutzt: Er nimmt sich Zeit für die Fahrt im offenen Jeep durch das Menschenspalier auf dem Petersplatz, für das Bad in der Menge. Und vor allem für die persönliche Begegnung mit Kranken und Behinderten, für die er immer wieder sein Fahrzeug verlässt.

Die öffentlichen Liturgien mit Franziskus sind schlichter und kürzer als unter seinem Vorgänger. Die Heiligsprechungsmesse am Sonntag dauerte gerade mal eineinhalb Stunden. Und er trug dabei wieder den traditionellen Kreuzstab ("Ferula") seines Vorgängers Benedikt XVI. Damit strafte er Spekulationen Lügen, die einen radikalen inhaltlichen Kurswechsel vermuteten, als er in den Wochen zuvor den Papst-Stab von Paul VI. und Johannes Paul II. aus der Sakristei hervorholen ließ.

Inhaltlich folgt er seinem Vorgänger

Überhaupt steuert Franziskus immer wieder Behauptungen entgegen, er wolle den Vatikan und die Kurie revolutionieren oder den Papst-Primat in Frage stellen. Die Berufung von acht Kardinälen zu Papst-Beratern, die auch über eine Kurienreform nachdenken sollen, bedeute keinen Verzicht auf päpstliche Leitungs- und Entscheidungspflichten, stellte der Vatikan offiziell klar. Der Papst sei überrascht, dass ihm Worte in den Mund gelegt würden, die er nie gesagt habe, und die seiner Denkart widersprächen, betonte Innenminister Giovanni Angelo Becciu.

Dennoch will und wird Franziskus an der Kurie Strukturänderungen vornehmen und auch einige Leitungsämter neu besetzen. Aber vermutlich erst nach gründlicher Überprüfung - und kaum vor der Sommerpause. Der Leiter der Kurienreform-Kommission, Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, wird nach Presseberichten kommende Woche aus Honduras nach Rom reisen, um mit dem Papst über Reformideen zu sprechen.

Nicht nur die jetzt erscheinenden Interview-Bücher mit Kardinal Jorge Mario Bergoglio, sondern auch die Reden und öffentlichen Erklärungen von Papst Franziskus machen deutlich, wie sehr er in theologischen und moralischen Fragen mit seinem Vorgänger übereinstimmt. Am Wochenende hat er sich mit Nachdruck für den Schutz des Lebens von der Empfängnis an ausgesprochen, und dabei ein freundliches Grußwort an den "Marsch für das Leben" gerichtet. Und ebenso deutlich war sein Appell zum Embryonenschutz.

Merkel kommt nach Rom

In seinen "politischen" Ansprachen setzt Franziskus die bisherige Vatikan-Linie fort: Einsatz für Frieden durch Dialog, für Gerechtigkeit, für Menschenrechte und Religionsfreiheit, für Solidarität. Wobei er das Engagement für die Armen, für Menschen in den existenziellen "Randgebieten", den Aufruf zu christlicher Barmherzigkeit besonders hervorhebt.

Franziskus hat bereits etliche Staats- und Regierungschefs in Audienz empfangen, vor allem aus Lateinamerika, aber auch aus Israel und dem Libanon. Am kommenden Samstag kommt - als erster hochrangiger europäischer Gast nach dem Spanier Mariano Rajoy und dem Schweizer Ueli Maurer - die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Vatikan. Der Vorgang ist überraschend, da der Vatikan mit Audienzterminen für Regierungschefs in Wahljahren zurückhaltend ist. Freilich liegt nicht nur der Kanzlerin an der Begegnung mit dem neuen Papst, auch Franziskus dürfte großes Interesse haben, die mächtigste Politikerin Europas zu treffen. Unbestätigt sind unterdessen Gerüchte, ein Merkel-Besuch soll bereits für dieses Frühjahr bei Benedikt XVI. im Gespräch gewesen sein.

Johannes Schidelko
(KNA)

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