Der neue Papst Franziskus
Der neue Papst Franziskus

13.04.2013

Vier Wochen Papst Franziskus "Bergoglio-Style"

Mit Erzbischof Jorge Mario Bergoglio wurde erstmals ein Südamerikaner Papst. Ein detailliertes Programm für sein Pontifikat lässt sich nach einem Monat noch nicht erkennen. Unübersehbar ist, dass ein neuer Stil im Vatikan Einzug gehalten hat.

Vier Wochen ist es nun her, da trat ein noch etwas schüchtern wirkender Mann "vom Ende der Welt", auf den Balkon des Petersdoms und brachte die Welt zum Staunen. "Brüder und Schwestern. Guten Abend!", sagte er. Und: "ch danke euch für diesen Empfang. Die Diözese Rom hat nun ihren Bischof." Die ersten Worte des 266. Nachfolgers des Apostels Petrus waren ebenso aufsehenerregend wie seine Wahl selbst. Und damit nicht genug: Der erste Jesuit auf dem Stuhl Petri nennt sich auch noch ausgerechnet nach dem heiligen Franz von Assisi.

Die neue Schlichtheit und Einfachheit des neuen Pontifikats Franziskus‘ erstreckt sich auch auf die Liturgie, umfasst aber noch mehr. Der Papst mit dem Blechkreuz und den abgelaufenen schwarzen Straßenschuhen ist nahbarer als sein Vorgänger. Von einem "Bergoglio-Style" sprechen manche. Franziskus, der täglich mit Angestellten im Vatikan oder anderen Gruppen eine Messe im vatikanischen Gästehaus feiert, will in erster Linie Seelsorger sein. Er ist, anders als sein Vorgänger Benedikt XVI., ein Mann der Tat, nicht des Wortes.

Ist Franziskus nun Bischof von Rom und zusätzlich noch Papst oder Papst und auch noch Bischof von Rom? Diese Frage beschäftigt seit der spektakulären Vorstellung auf dem Balkon des Petersdoms zahlreiche Beobachter. Bislang rückte Franziskus seine Rolle als Bischof von Rom auffallend in den Vordergrund. Welche Konsequenzen das für seine Amtsführung als Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken hat, lässt sich einstweilen aber noch nicht sicher sagen. Ob der Umstand, dass der Papst die Grüße in verschiedenen Sprachen sogar zu Ostern weggelassen hat, schon eine programmatische Zurücknahme päpstlicher Ansprüche erkennen lässt?. Naheliegend wäre auch, dass Franziskus einfach deshalb nur Italienisch spricht, weil er, wie er selbst freimütig eingestand, Schwierigkeiten mit anderen Fremdsprachen hat.

Warten auf Personalentscheidungen

Mit besonderer Spannung werden die ersten Personalentscheidungen von Franziskus erwartet. Vor allem: Was geschieht mit Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone? Dem Italiener, dem unter Benedikt XVI. mächtigsten Mann, werden manche Missstände an der römischen Kurie angelastet.

Nach seiner Wahl bestätigte Franziskus Bertone wie üblich vorerst im Amt ebenso wie alle Leiter der Kongregationen und päpstlichen Räte. Dass Bertone noch lange auf seinem Posten verbleiben wird, glaubt allerdings auch im Vatikan mittlerweile so gut wie niemand mehr. Es heißt, der Papst wolle einen neuen Mann von außerhalb, in den italienischen Medien werden mehrere päpstliche Botschafter als mögliche Nachfolger genannt. Bislang hat Franziskus nur einen leitenden Posten neubesetzt. Er ernannte den amtierenden Oberen der Franziskaner zusätzlich zum Sekretär der vatikanischen Ordenskongregation. Die Personalie ließ aufhorchen: Dass ein Ordensoberer zugleich Leitungsaufgaben im Vatikan übernimmt, ist äußerst ungewöhnlich. Manches spricht dafür, dass der Einfluss der Orden im Vatikan nun insgesamt größer wird.

"Ökumenischer Frühling"

Aus ökumenischer Sicht standen die ersten Wochen des Pontifikats unter einem guten Stern: Erstmals seit der Kirchenspaltung im Jahr 1054 nahm mit Bartholomaios I. ein Patriarch von Konstantinopel an der Messe zum Amtsantritt des Papstes teil. Und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, sah nach einem Gespräch mit dem neuen Papst geradezu einen ökumenischen Frühling nahen.

Und sein Vorgänger? Das Verhältnis von Franziskus zum zurückgetretenen, von Alter und Schwäche gezeichneten Benedikt XVI. scheint herzlich und reibungslos zu sein. Das machte nicht zuletzt die Zusammenkunft der beiden in Castel Gandolfo deutlich. Es straft bislang alle Bedenken Lügen, es könne bei zwei lebenden Päpsten Schwierigkeiten geben. Nach vier Wochen scheint zumindest eins gewisser denn je, der Münchener Kardinal Reinhard Marx hatte Recht: Dieser Papst ist noch für Überraschungen gut.

Thomas Jansen
(KNA)

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