13.04.2013

Reform der römischen Kurie Franziskus macht Ernst

Papst Franziskus plant offenbar eine grundlegende Reform der römischen Kurie. Vorbereitet werden soll es von einer Arbeitsgruppe aus acht Kardinälen aller Kontinente. Unter ihnen ist auch der Münchener Erzbischof Reinhard Kardinal Marx.

Die Rufe nach einer Reform der römischen Kurie sind so alt wie diese selbst. Doch zuletzt schien die Kritik in den täglichen Versammlungen der Kardinäle vor dem Konklave eine neue Qualität erreicht zu haben: Nicht nur Kardinäle aus der Weltkirche beschwerten sich über eine Bevormundung der Ortskirchen oder mangelnde Abstimmung und Ineffizienz in der vatikanischen Verwaltung. Auch Kurienkardinäle forderten einen kollegialeren Regierungsstil und beklagten sich  darüber, dass selbst Leiter von Kurienbehörden oft monatelang auf einen Termin mit dem Papst warten müssten. Mit der Wahl des vormaligen Erzbischofs von Buenos Aires verbanden schließlich viele die Hoffnung auf eine solche Reform.

Vatikansprecher Federico Lombardi bezeichnete die Kommission ausdrücklich als Signal dafür, dass der Papst die Wünsche der Kardinäle aufgenommen habe. Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI., der aus eigener Anschauung um manche Missstände an der Kurie nur zu gut Bescheid wusste, hatte sich an das riskante Vorhaben nicht herangewagt. Der vormalige Theologie-Professor war ein Mann des Wortes, nicht der Verwaltung. Das überließ er anderen, vor allem seinem Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Dem Italiener hielt er bis zuletzt die Treue, auch wenn die Kritik an dessen Amtsführung, vor allem nach der Affäre um den Holocaust-Leugner Williamson, immer lauter wurde. Franziskus bestätigte Bertone vorerst im Amt. Dass dieser seinen Posten in absehbarer Zeit räumen muss, bezweifelt allerdings niemand mehr im Vatikan.

Zweit Mitglieder aus Lateinamerika

In der nun berufenen Kommission sind viele bekannte Namen, angefangen mit ihrem "Koordinator", Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga aus Honduras. Der Präsident von Caritas Internationalis ist einer der profiliertesten Kardinäle der Weltkirche. Auffallend ist die klare Dominanz der Weltkirche: Mit Kardinal Giuseppe Bertello ist gerade mal ein vatikanischer Repräsentant in dem Gremium vertreten. Dieser stammt bezeichnenderweise nicht einmal aus der Kurie selbst, sondern ist Regierungschef des Vatikanstaates, also in erster Linie für Verwaltung und Infrastruktur des päpstlichen Territoriums zuständig.

Der zweite Italiener in der Kommission ist der Bischof von Albano, der als Sekretär fungiert. Die weiteren Mitglieder sind bis auf eine Ausnahme amtierende Erzbischöfe großer Diözesen: Sean Patrick O'Malley von Boston, George Pell von Sydney, Laurent Monsengwo Pasinya von Kinshasa, Oswald Gracias von Bombay und Kardinal Marx. Bemerkenswert ist auch, dass Lateinamerika mit zwei Mitgliedern vertreten ist: Neben Maradiaga gehört auch der emeritierte Kardinal von Santiago de Chile, Francisco Javier Errázuriz Ossa, der Kommission an.

Der erste Schritt scheint getan

Ein wesentlicher Punkt der Reform dürfte die Rolle des Staatssekretariats sein: Auch Kurienkardinäle hatten zuletzt immer wieder eine übergroße Machtfülle und eine Allzuständigkeit dieser Kurienbehörde beklagt. Seine starke Stellung erhielt sie nicht zuletzt durch den päpstlichen Erlass "Pastor Bonus" von 1988, jenes Dokument von Johannes Paul II., das die Kardinalskommission nun überarbeiten soll. Ihr offizieller Auftrag lautet, das "Projekt einer Revision der Apostolischen Konstitution 'Pastor Bonus' zu studieren". Es ist nicht ohne Ironie, dass ausgerechnet Bertone das Staatssekretariat am Freitag bei der Begrüßung als "Sekretariat des Papstes im vollen Sinne" bezeichnete. Denn seine Befugnisse gehen mittlerweile weit über diese ursprüngliche Funktion hinaus.

Der erste Schritt hin zu einer stärker kollegialen Führung der katholischen Kirche scheint getan. Wo der Weg unter Papst Franziskus hinführt, bleibt einstweilen noch offen. Mit schnellen Ergebnissen ist nicht zu rechnen. Die erste offizielle Zusammenkunft der Kommission ist für Oktober geplant. In Kontakt mit den Kardinälen steht der Papst jedoch schon jetzt.

Thomas Jansen
(KNA)

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