Adolfo Perez Esquivel
Adolfo Perez Esquivel

21.03.2013

Nobelpreisträger Esquivel spricht mit Papst über Menschenrechte Überwindung des Eurozentrismus

Papst Franziskus hat den argentinischen Friedensnobelpreisträger Adolfo Perez Esquivel in Audienz empfangen. Erneut nahm Esquivel den Papst gegen Vorwürfe in Schutz, mit der Junta kollaboriert zu haben.

Esquivel erklärte anschließend in einer improvisierten Pressekonferenz, er habe mit dem Papst über Fragen der Menschenrechte und die prophetische Rolle der Kirche in Lateinamerika gesprochen. Er betonte, es sei sehr bedeutsam, dass erstmals ein Lateinamerikaner zum Papst gewählt wurde. Das bedeute eine Überwindung des Eurozentrismus in der katholischen Kirche.

Weiter hätten sie über die Märtyrer und Propheten des 20. Jahrhunderts gesprochen, darunter die Bischöfe Proano (Ecuador), Helder Camara, Evaristo Arns und Pedro Casaldaliga. Für den ermordeten Erzbischof von San Salvador, Oscar Romero, den Papst Franziskus als großen Propheten und Märtyrer bezeichnet habe, werde es am Freitagabend in der römischen Kirche San Marcello als Corso einen Gedenkgottesdienst geben.

Erneut nahm Esquivel auf Nachfrage den Papst gegen Vorwürfe in Schutz, dieser habe in den 1970er Jahren mit der argentinischen Militärdiktatur kollaboriert. Er habe vielmehr auf stille Diplomatie gesetzt, um Verhaftete und Verschleppte zu retten. Franziskus habe während der Audienz seinen Willen bekundet, "die Wahrheit, die Gerechtigkeit und die Wiedergutmachung der durch die Diktatur erlittenen Schäden" voranzubringen, erklärte Esquivel über seinen Twitter-Account.

Der 81-jährige Esquivel hatte nach dem argentinischen Militärputsch 1976 die Menschenrechtsorganisation "Dienst für Frieden und Gerechtigkeit" gegründet. Er selbst wurde vom Regime verhaftet und gefoltert. 1980 erhielt er für seinen Einsatz gegen die Methoden der Junta den Friedensnobelpreis.

Schon kurz nach der Wahl von Papst Franziskus hatte Esquivel den früheren Erzbischof Jorge Bergoglio gegen Vorwürfe verteidigt, er habe während der Militärdiktatur in Argentinien (1976-1983) mit den damaligen Machthabern paktiert. Wörtlich hatte Esquivel dem spanischsprachigen Dienst der BBC gesagt: «Es gab Bischöfe, die Komplizen der Diktatur waren, aber Bergoglio nicht.» Es gebe keinerlei Verbindung zwischen dem heutigen Papst und der Diktatur.

Bischof Lehmann: Neuer Papst ist kein Reaktionär

Der Bischof von Mainz, Karl Lehmann, hat Papst Franziskus gegen Vorwürfe in Schutz genommen, er sei rückwärtsgewandt. "Theologisch ist er eher traditionell ausgerichtet", sagte Lehmann am Donnerstag in Mainz, doch er dürfe nicht "in eine reaktionäre Ecke" gestellt werden: "Er hat immer gezeigt, dass er Problemen und einzelnen Menschen differenziert gegenübertreten kann." Da Franziskus von der lateinamerikanischen Theologie geprägt sei, könne dies durchaus größere Freiheiten für die einzelnen katholischen Ortskirchen zur Folge haben.

Die Deutschen warnte der Mainzer Kardinal zugleich vor überzogenen Erwartungen an das neue Kirchenoberhaupt. Nicht alle Reformen, auf die viele Gläubige in Deutschland hofften, könnten von Franziskus im Alleingang angeordnet werden. "Der Papst kann viel, aber er muss andere mitnehmen", ergänzte Lehmann. Damit die Mitteleuropäer mit ihren vermeintlichen Luxusproblemen wie der Zulassung Wiederverheirateter zum Abendmahl oder dem Wunsch nach mehr Ökumene Gehör finden, müssten sie ihre Positionen mit Selbstbewusstsein vertreten, empfahl er.

Franziskus habe durch seine ersten Entscheidungen nach der Wahl in Rom einen entschlossenen Eindruck hinterlassen, sagte Lehmann. Sein authentischer, bescheidener Lebensstil könne als Vorbild dienen, dürfe aber von anderen kirchlichen Würdenträgern nicht bloß aus Imagegründen kopiert werden.

Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. sei bei den Gesprächen nicht mehr intensiv diskutiert worden. Zwar habe es in persönlichen Gesprächen Stimmen gegeben, die die Entscheidung nicht billigen wollten und dem zurückgetretenen Papst vorwarfen, er habe "nicht bis zum bitteren Ende durchgehalten". Insgesamt habe jedoch unter den Kardinälen die Anerkennung für den Mut Benedikts überwogen, freiwillig aus dem Papstamt auszuscheiden. Es gebe auch Ängste, dass künftige Päpste leichter unter Druck gesetzt werden könnten, wenn Rücktritte regelmäßiger vorkämen. Diese Ängste teile er jedoch nicht, sagte Lehmann.

Der 76-jährige Mainzer Bischof war einer der sechs deutschen Kardinäle, die nach dem Rücktritt Benedikts an der Wahl des neuen Papstes teilgenommen hatten. Lehmann war bereits 2005 stimmberechtigter Teilnehmer des damaligen Konklaves. Nach dem Wechsel an der Spitze der katholischen Kirche werde er sein eigenes Rücktrittsangebot von 2011 nicht erneuern, sagte Lehmann: "Ich bleibe jetzt zunächst einmal." Vor seinem 75. Geburtstag hatte der Mainzer Kardinal Papst Benedikt vorschriftsgemäß gebeten, ihn in den Ruhestand zu entlassen, das Gesuch war jedoch abgelehnt worden.

 

(KNA, epd)

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